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Jung und freigeistig

Freigeistig weltoffen liberal Farbe bunt [Quelle: flickr.com, Autor: Gianluca Ramalho Misiti]

Quelle: flickr.com, Gianluca Ramalho Misiti

"Am Morgen hatten sie noch gestritten. Doch nun fiel die Last ab, der Tag war überstanden, das Baby schlief. Sie lagen erschöpft nebeneinander und hörten dem Kleinen beim Atmen zu. Sie küssten sich." Hand aufs Herz: Wie hast du als Leser das Bild gefüllt? Mit Mann und Frau? Oder mit Mann und Mann, mit Frau und Frau?

Berlin im März 2017: Das Wetter ist ekelhaft, Regen und Wind peitschen durch die Straßen. Glücklicherweise braucht mich das nicht zu interessieren, ich stehe gemütlich am Herd und koche Kürbissuppe. Durch das Küchenfenster habe ich eine gute Sicht auf die Straße. Im Schein der Laterne huschen die Menschen vorbei. Ich spiele ein Spiel, versuche, so schnell es geht das Geschlecht der dunklen Gestalten zu erraten. Ich brauche nur einen Sekundenbruchteil pro Person. Ich urteile über Menschen, die ich nicht kenne.

Aber es steht mir nicht zu, Fremde in meine vorgefertigten Schubladen "Geschlecht" (oder auch "Herkunft") zu stecken. Wir müssen lernen, unsere Muster nicht jedem überzustülpen, nicht jeden zum Opfer unseres vorstrukturierten Denkens zu machen. Es steht uns nicht zu, unser Selbst über andere Lebensformen zu stellen. Genau das aber tun wir beispielsweise, wenn wir die gleichgeschlechtliche Ehe nur als Etikettenproblem betrachten. Nein, zwei Männer oder zwei Frauen sollen nicht allein um der Bezeichnung "Ehepaar" willen eine Ehe eingehen dürfen: Sie sollen die gleichen Rechte bekommen wie jedes andersgeschlechtliche Ehepaar auch. Es spielt keine Rolle, ob sich zwei Väter streiten oder Vater und Mutter, ob sich zwei Ehefrauen küssen oder Ehefrau und Ehemann. Es spielt aber wohl eine Rolle, wenn gleichgeschlechtliche Paare weit in ihren Rechten zurück liegen, in ihrer "eingetragenen Lebenspartnerschaft" nicht dieselben Steuervergünstigungen wie heterosexuelle Paare genießen, keine Kinder adoptieren, sprich: kein gewöhnliches Eheleben führen dürfen.

Gesellschaftliche Gleichstellung ist längst überfällig. Es fehlt nur der Mut. Was hindert uns daran, Toiletten für alle Geschlechter einzuführen? Die hohen Kosten? Wohl kaum. Es ist die Angst. Mit Unisex-Toiletten hätten wir die Chance, uns als mutige Gemeinschaft zu beweisen. Wir bauen sie nicht nur für Trans- und Interpersonen. Wir bauen sie für eine veränderbare, tolerante Gesellschaft.

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Kommentare (4)

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  1. Anonym

    Klar gibts Cannabis-Tote, man denke an den armen Hafenlogistiker "Hank" welcher 1994 in Rotterdamm von 4,5 Tonnen Rauschgift erschlagen worden ist (https://www.youtube.com/watch?v=KePBh1wtN0o). Ansonsten wurde eig. alles schon gesagt. Die Legalisierung von Cannabis würde wesentlich mehr (Drogen-)Probleme lösen, als es die Prohibition momentan schafft. Vgl. kann man die Situation mit der Alkohol-Prohibition, welche sich aufgrund der erschreckenden Folgen nur kurz gehalten hat. Finde eine Kiffer-Verfolgung ähnlich stigmatisierend und diskriminierend, wie die juristische Verfolgung von Homosexuellen in den 70ern. Warum beschäftigen "wir" uns aber überhaupt mit so relativ belanglosen Themen. Das ist einerseits natürlich eine Frage der Perspektive: Bin ich ein saufender aber "drogenfreier", heterosexueller Mann brauchen mich solche Themen wirklich nicht interessieren, betrifft mich persönlich ja nicht und schränkt mich nicht ein. Darfst du aber nicht mehr fahren, weil du zu Fuß mit einem halben Joint erwischt worden bist, ist das Thema persönlich wichtig. Bin übrigens Heterosexuell und setze mich trotzdem für die Homosexuellen-Gleichberechtigung ein, denn ein weiterer Motivator für den Kampf um solche Themen ist, dass wir "Ungerechtigkeiten" in der Gesellschaft aus der Welt schaffen wollen und da ist es doch eig. am einfachsten, bei den kleinen Dingen anzufangen. Also erst mal privat Waffen verbieten, bevor ich Waffenexporte verbiete, oder die Homo-Ehe im eigenen Land durchsetze, als international auf Gleichberechtigung aller Menschen zu pochen. Aber es gibt noch weitere Gründe, sich um die Cannabis-Legalisierung/Homo-Ehe/Unisextoiletten zu kümmern, als um Waffenexporte, Krieg und Kapitalismus: Wenn wir es nicht mal hinkriegen, selbstbestimmt mit unserem Körper umgehen zu dürfen (dazu gehört Drogenkonsum), wie sollen wir dann versuchen, irgendwelche Kriege zu bestimmen? Wenn ich nicht einmal im eigenen Land alle Menschen gleich setze, egal wen sie Lieben, wie kann ich dann erwarten gegen Diktatoren und Unterdrücker anzukommen? Wenn unsere Gesellschaft solche "Kleinigkeiten" nicht verändern kann, wie sollen wir uns dann den großen Problemen widmen? Wie können wir in unserem Land von Freiheit leben, wenn ich ständig Angst haben muss, oder eingeschränkt in meinen Rechten bin, obwohl ich niemandem (außer vielleicht mir selbst) damit schade. Das Recht, sich selbst zu schaden bzw. das Risiko einzugehen, ist übrigens fundamental, sonst dürften viele (Extrem-)Sportarten, Autofahren, Bäume-Klettern etc. nicht erlaubt sein.

  2. Anonym

    Vielen Dank für deine Erklärungen zur gleichgeschlechtlichen Ehe und Kindern (zum Kommentar direkt vor mir), das sehe ich ähnlich. Warum dürfen zwei sich liebende Frauen kein Kind adoptieren, eine einzelne Frau aber schon? Wie sollte man denn die Kriterien anlegen, wer dieses "Privileg" erhält? Ich würde das schon als Recht bezeichnen, da es jeder verdient. Früher wurde noch diskutiert, ob Frauen wählen dürfen sollten... "Zum Canabis: es wäre doch wohl wichtiger etwas gegen die aktuellen Drogenprobleme zu kümmern als neue zu schaffen oder?" Warum glaubst du, dass die Legalisierung oder zumindest Entkriminalisierung von Cannabis mehr Probleme schaffen würde? https://www.heise.de/tp/features/15-Jahre-entkriminalisierte-Drogenpolitik-in-Portugal-3224495.html In Portugal sind alle Drogen entkriminalisiert, solange man unter einer bestimmen Menge besitzt, wird man nicht bestraft, sondern aufgeklärt und beraten. Die Erfolge kannst du im Artikel nachlesen. Ich verstehe auch nicht, was 6.-Klässler damit zu tun haben. Im Gegenteil, würde Cannabis von Apotheken oder Coffeeshops oder was auch immer verkauft, würde doch eher auf das Alter der Käufer geachtet werden, oder? Zwar sind die Dealer, die ich so kennen gelernt habe, im Allgemeinen auch so verantwortungsbewusst, dass sie keinen Kindern Drogen verkaufen würden, aber das sind sicherlich nicht alle. https://www.aponet.de/aktuelles/forschung/20150810-langzeitstudie-cannabis-macht-nicht-krank.html Hier ist eine Studie zitiert, die zumindest mal über 20 Jahre abdeckt. Zu viel ist immer schädlich, egal wovon. Und wer nicht kiffen darf, um seine Probleme zu verdrängen, sucht sich eben etwas anderes. Von einem Cannabistoten hat die Welt jedoch noch nichts gehört, was im krassen Gegensatz zu den Zahlen der Todesfälle in Folge von Alkohol- oder Tabakkonsum steht. Ein Bekannter von mir ist an legalen Räuchermischungen gestorben, synthetische Cannabinoide, die in winzigen Dosen wirken (und schaden) und oft nicht besonders gleichmäßig mit irgendwelchen Kräutern vermischt werden. Wäre ein Coffeeshop um die Ecke gewesen, wer weiß, vermutlich würde er noch leben. "Ich sehe es auch so, dass Cannabis zwar durchaus wohl in seiner Gefahrenbilanz eine weniger potente Droge als Alkohol darstellen mag." Also müsste man nach deiner Logik Alkohol verbieten? :D Klar gibt es immer ein paar, die nicht mit einer bestimmten Droge klarkommen und keinen geregelten Konsum betreiben. Und dass manche sich nicht mehr treffen können, ohne zu rauchen: Wie viele Menschen können sich nicht treffen, ohne ein paar Bier zu trinken? Ist nicht gut, aber nichts, was für Cannabis besonders wäre. Ebenso wie nach dem Konsum Auto zu fahren, sollte in allen Fällen nicht erlaubt sein. Ich denke, dass in Bezug auf alle Drogen Freiheit im Sinne des Paragraf II des Grundgesetzes wichtiger ist als das Gesundheitsrisiko für die Konsumenten. Wir verbieten schließlich auch nicht das Autofahren wegen den Tausenden Verkehrstoten jedes Jahr. Viele der Gefahren von Drogen sind Folgen der Kriminalisierung. Gesundheitsschädliche Streckstoffe, Erfindung ständig neuer "Legal Highs" die in den allermeisten Fällen viel gefährlicher sind als die Originale, Überdosierung infolge großer Reinheitsschwankungen, Infektionen durch Spritzen teilen usw. Noch zum Artikel selbst: Ehrlich gesagt fand ich die meisten der Kommentare zum Artikel "Jung und konservativ" besser als das hier. Du bestätigst im Großteil deines Artikels die Meinung des Konservativen, wir Nicht-Konservativen würden uns nur mit unwichtigen Dingen wie gleichgeschlechtliche Ehe und Kiffen beschäftigen. Warum schreibst du nicht über Erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft, Fleischkonsum? Über Waffenexporte, EU-Subventionen und deren Auswirkungen auf afrikanische Bauern, Smartphones mit Tantal von brutalen Warlords? Über Trumps Frauenbild, Integrationsschwierigkeiten der Flüchtlinge und Sexismus? Ich bin bisexuell, dennoch wäre mein größtes Argument gegen CDU-ler niemals deren fehlende Toleranz gegenüber queeren Menschen.

  3. Anonym

    Ich sehe es auch so, dass Cannabis zwar durchaus wohl in seiner Gefahrenbilanz eine weniger potente Droge als Alkohol darstellen mag. Ich kenne aus meinem erweiterten Umfeld jedoch auch Cannabis-Konsumenten, denen der Konsum entglitten ist. Manche wissen mit ihren "Kiffer-Freunden" nichts mehr anzufangen, wenn nicht miteinander geraucht wird. Bei mindestens einem ist mir auch bekannt, dass er regelmäßig direkt nach dem Konsum Auto fährt und mit einem ehemals guten Freund habe ich fast nichts mehr zu tun, weil es bei ihm thematisch immer nur um Marihuana und andere Drogen geht. Es mag vielleicht sein, dass die meisten Konsumenten wie die meisten bei Alkohol auch sich lediglich einmal am Wochenende berauschen. Die Harmlosigkeit von Cannabis mag ich aber basierend auf den o.g. Punkten durchaus mindestens anzweifeln. Das Thema der gleichgeschlechtlichen Ehe ist für mich ein deutlich relevanteres. 1996 hatten noch 53% aller Ehepaare Kinde. 2015 waren es nur noch 44%. Die Mehrheit der Ehepaare ist also heute kinderlos. Dass die Ehe also ein Privileg zur Schaffung einer Basis für die Familiengründung ist, mag zwar nicht obsolet, jedoch aber nicht mehr vollends tragfähig zu behaupten sein. Überdies ist auch zu berücksichtigen, dass 2010 19% der Kinder von alleinerziehenden Eltern großgezogen wurden. Wer also der Ansicht ist, ein Kind bräuchte eine Mutter und einen Vater, übersieht zum einen, dass auch dies längst nicht mehr absolut selbstverständlich ist und unterschätzt zum anderen auch, dass homosexuelle Paare durchaus unterschiedliche charakterliche Grundzüge in die Erziehung eines Kindes einfließen lassen können. Auch Kinder von homosexuellen Paaren verstehen recht früh, dass es die biologische Norm ist, dass ein Mann und eine Frau sich zu einem Paar zusammenfinden. Sie werden dadurch nicht schwul oder lesbisch. Wer bis heute nicht verstanden hat, dass Homosexualität kein Wahlbekenntnis ist, und wer noch nie die Geschichten von alten Menschen gehört hat, die an ihrem Lebensabend ihren Kindern und Enkelkindern offen gestanden haben, dass sie diese in ihrem Leben nie missen wollten, es jedoch bereuen sich nie zu ihrer wahren Sexualität bekannt zu haben, dem vermag ich nicht die nötige Kompetenz beizumessen eine reflektierte Entscheidung zu treffen in Bezug auf die Angemessenheit der Einführung der Ehe auch außerhalb heterosexueller Strukturen. Sollte jemand anderer Meinung sein, würde mich der anregende Diskurs an dieser Stelle sehr erfreuen.

  4. Anonym

    Ich möchte meine Ansicht zu ein paar deiner Punkte geben: "Aber es steht mir nicht zu, Fremde in meine vorgefertigten Schubladen "Geschlecht" (oder auch "Herkunft") zu stecken." Warum sollte das jemanden nicht zustehen? Wir haben Meinungsfreiheit und du darfst denken was du willst. Ich halte es sogar wichtig Sachen schnell in Schubladen zu schieben, nur so können wir mit der Informationsflut fertig werden. Wenn 20.000 Leute an meiner Uni studieren kann ich mir nicht die Zeit nehmen von jedem die Hintergrundgeschichte zu lernen. Zum Thema Ehe: ich finde es handelt sich hier eher um Privilegien als um Rechte. Man fördert Ehen um Kinder und unsere Zukunft zu fördern und unterstützen. Hierbei muss sich dann natürlich die Frage stellen, ob nicht ein Vater und einer Mutter in einer funktionierenden Familie das optimale für ein Kind sind. Mit einigen Sachen würde ich mich nie an meine Mutter wenden und umgekehrt. Hier kann ich natürlich nur für mich Sprechen, die Frage müssen andere Leute klären, ich habe dafür nicht die Expertise. Warum Frauen jetzt ein Pissoir benutzen dürfen müssen verstehe ich leider nicht, ich habe mich mit dieser Frage aber auch noch nie beschäftigt. Zum Canabis: es wäre doch wohl wichtiger etwas gegen die aktuellen Drogenprobleme zu kümmern als neue zu schaffen oder? Ganz unbedenklich ist er sicher auch nicht, das ist wohl keine Droge. Man kann sich ja informieren wozu ein übermäßiger Canabis Konsum führt. Worin ich das größte Problem sehe: es ist schon schlimm genug wenn 6. Klässler regelmäßig rauchen, die brauchen nicht noch mehr Drogen. (Soweit ich weiß fehlen einem halt bei Canabis die großen Studien wie sich 40 Jahre und mehr Canabis-Konsum auswirken.) Abschließend bin ich nun auch wirklich der Meinung wir haben wichtigere Probleme zu lösen. Viele Probleme die einfach zu lösen wären, und nicht Stundenlange Philosophie Diskussionen benötigen, ob es nicht doch unser Freiheit sein muss die Erde nach unseren willen zu zerstören. Um zwei kleine solche Probleme anzusprechen: es könnte fast jeder Blut spenden, das kostet keine Stunde des Jahres; es ist auch nicht nötig alles 20 fach zu Verpacken, nur damit uns der Abfall nicht ausgeht. Die Frage ob es sinnvoll ist, dass Homosexuelle Kinder erziehen dürfen, ist die einzige die ich hier als wichtig einstufe.

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