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Studieren im Wohnzimmer – klappt das wirklich?

Computer schreiben (Quelle: freeimages, Autor: mmagallan)

Quelle: freeimages, mmagallan

Gemütlich zuhause vor dem PC sitzen, Tee schlürfen und nebenbei noch etwas lernen? Klingt gut! Plattformen, auf denen Online-Kurse kostenfrei zur Verfügung stehen, machen es möglich. Wir haben den Selbsttest gemacht und uns an coursera versucht. Dabei haben wir festgestellt, dass ein Selbststudium nicht so einfach ist, wie es klingt.

Es ist Dienstagabend, das e-fellows.net-Büro leert sich. Patricia und ich starten unseren Selbsttest mit der Online-Plattform coursera. Weil wir noch keinen konkreten Kurs ins Auge gefasst haben, stöbern wir zuerst ein wenig auf der Plattform. Und stehen schon vor der ersten Hürde: Viele Vorlesungen, die uns interessieren, starten erst in einigen Wochen. Aber wir wollen doch jetzt studieren!

Erster Versuch: "Analyzing Global Trends"

Kurzerhand entscheiden wir uns für das Thema "Global economies" – das klingt doch spannend. Außerdem wird der Kurs von der Wharton School angeboten, die einen der weltbesten MBAs im Programm hat. Muss also gut sein, oder? Die Anmeldung ist schnell abgeschlossen; wir sollen nur dem Verhaltenskodex zustimmen und ankreuzen, was unsere Ziele sind. Ehrlicherweise geben wir an: "I'm just checking out the course for now".

Das erste Video dauert nur zehn Minuten. Was uns erwartet: eine klassische Vorlesung vor laufender Kamera. Der Dozent spricht über die Entwicklung globaler Märkte; im Hintergrund werden Stichpunkte zu seinem Vortrag eingeblendet. Leider ist das ziemlich dröge – und auch das Niveau lässt zu wünschen übrig. Da ist die Rede von globaler Wirtschaft und Globalisierung, ohne dass wir jemals eine Definition zu sehen bekommen. Nach fünf Minuten haben wir den Faden verloren. Eine Woche später wissen wir nur noch, dass der Dozent zehn Bücher geschrieben hat.

Das Schöne an Coursera: Wir müssen uns nicht mit einem mittelmäßigen Kurs aufhalten. Wären wir in einer Präsenzvorlesung, würden wir wahrscheinlich nicht einfach aufstehen und gehen – aber hier bemerkt niemand unser Verschwinden.

Zweiter Versuch: "Inspiring Leadership"

Der zweite Versuch führt uns an die "Case Western Reserve University". Thema: "Leadership". Auch dieser Kurs ist wie eine Vorlesung angelegt – Setting und Kameraführung lassen sie aber eher wirken wie ein Fernseh-Interview mit einem Politiker. Ob das positiv ist? Immerhin fordert uns der Dozent zum Mitmachen auf: Wir sollen das Video pausieren und überlegen, was für uns einen guten und einen schlechten Chef ausmacht. Mit dieser Übung will uns der Dozent vorführen, dass wir intuitiv ohnehin schon wissen, was "effective leadership" ist. Perfekt, dann gibt es hier ja nichts mehr zu lernen – und weg sind wir.

Dritter Versuch: "Understanding the Brain"

Bislang hat uns coursera noch nicht überzeugt. Sind unsere Erwartungen zu hoch? Oder hatten wir einfach nur Pech? Schon ein bisschen frustriert starten wir einen dritten Versuch und wechseln dafür in ein Fach, in dem wir keinerlei Vorkenntnisse haben: Neurobiologie.

Die nächsten 45 Minuten vergehen wie im Flug, denn unsere Dozentin hält uns mit ihrem interaktiven Vortrag bei der Stange. Zwischendrin stoppt das Video automatisch und wir müssen kleine Quizzes lösen. Das zwingt uns zum Aufpassen. Denn erst nach der richtigen Antwort (oder drei Fehlversuchen) können wir weiterschauen. Das macht Spaß – besonders zu zweit! Ganze vier Vorlesungen halten wir durch und übertrumpfen uns gegenseitig mit unserem Wissen. Und wäre es nicht schon so spät, würden wir noch weiter machen.

Unser Fazit

coursera bietet kostenlos jede Menge Kurse – in Exotenfächern wie Ernährungswissenschaften oder Musiktheorie ebenso wie in BWL oder Recht. Doch dieses Überangebot gibt uns immer wieder das Gefühl: Da müsste es noch etwas Besseres geben. Die Tatsache, dass wir jederzeit abschalten können, macht es nicht einfacher, konsequent bei der Sache zu bleiben. Hier fehlen Gruppenzwang und Leistungsdruck, die wir aus der Uni gewöhnt sind.

Daher hängt die Motivation noch stärker als im Hörsaal vom Redner ab – und von der Anwesenheit eines Lernpartners. Alleine, da sind wir uns sicher, hätten wir auch am dritten Kurs nicht so viel Spaß gehabt. Online-Kurs mit Lernpartner wäre für uns ein gutes Konzept – sofern uns der Dozent überzeugt.  

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    RE: Kommentar

    Hallo Anonym, vielen Dank für deine Beitrag. In der Community werden momentanen auch E-Learning-Plattformen diskutiert. Gerne kannst du deine Einschätzung auch hier mit anderen e-fellows teilen: https://www.community.e-fellows.net/qanda/thread/view/id/5144525 Viele Grüße Patricia

  2. Anonym

    Udacity

    Ich kann Udacity nur empfehlen. Da ist das Angebot zwar ein wenig überschaubarer, aber dafür sind alle Vorlesungen interaktiver gestaltet mit Programmieraufgaben oder Quizzes.

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