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Master muss sein. Oder doch nicht?

Akademiker (Quelle: freeimages.com, Autor: fakhar)

Quelle: freeimages.com, fakhar

Vier Thesen und was Experten dazu sagen.

Mit dem Masterabschluss verdient man ein höheres Gehalt als ohne

"Stimmt", sagt die Vergütungsberaterin Kerstin Koose von gehalt.de, einem Vergleichsportal. "Masterabsolventen verdienen im Schnitt 16 Prozent mehr als Bachelorabsolventen." Koose hat für gehalt.de Bruttogesamtgehälter von knapp 22.000 Vollzeitbeschäftigten verglichen. Neben dem jährlichen Grundgehalt sind dabei auch Boni und Prämien eingerechnet. Spätestens ab dem sechsten Berufsjahr verdienen demnach Masterabsolventen deutlich mehr als Kollegen mit Bachelor, denn zu diesem Zeitpunkt erreichen viele von ihnen eine besser bezahlte Führungsposition. Bachelorabsolventen gelingt das seltener.

Besonders große Unterschiede hat Kerstin Koose bei Banken, im Maschinenbau, im Gesundheitswesen und in der Telekommunikationsbranche gefunden: Der höhere Bildungsabschluss bringt dort 19 bis 28 Prozent mehr Verdienst.

Bei Pharmaunternehmen, Medien und IT-Systemhäusern ist ein Masterabschluss weniger gehaltsrelevant. Der durchschnittliche Vorteil liegt hier bei sieben bis neun Prozent.

Und nicht nur das Unternehmen spielt eine Rolle, sondern auch das, was man dort tut. Wer im Qualitäts-, im Produkt- oder im Marketingmanagement arbeitet, verdient mit einem Master sogar um 20 bis 27 Prozent mehr als mit einem Bachelor. Logistiker, Personalsachbearbeiter oder Kontakter in einer Werbeagentur könnten mit einem Bachelorabschluss auf das gleiche Gehalt kommen wie mit einem Master, sagt Beraterin Kerstin Koose. Doch das sei die absolute Ausnahme.

Unternehmen stellen lieber Master- als Bachelorabsolventen ein

Glaubt man einer Umfrage des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, dann ist diese These falsch. Von etwa 1.500 befragten Firmen beschäftigten 23 Prozent Bachelorabsolventen, 85 Prozent gaben an, dass bei ihnen der Bachelor für den Berufseinstieg ausreicht. "Die Einstiegspositionen der Bachelorabsolventen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der Masterabsolventen", schreiben die Forscher.

Das gilt auch in der Telekommunikationsbranche. "Wer einen IT-nahen Bachelor vorweisen und zum Beispiel Apps entwickeln kann, hat zurzeit sehr gute Chancen", sagt Markus Lecke von der Personalentwicklung der Deutschen Telekom. Das Unternehmen habe 2015 sogar mehr Bewerber mit Bachelor als mit Master eingestellt. "Wir wehren uns dagegen, dass immer nur auf den Abschluss geschaut wird. Kompetenz und Persönlichkeit sind häufig entscheidender als der formale Abschluss", so Lecke.

Wer im Bachelorstudium Praktika absolviert habe, werde gern genommen. Nur in strategischen Bereichen wie der Produktentwicklung hätten Masterabsolventen bessere Chancen. Wer dort hinwill, kann bei der Telekom allerdings auch berufsbegleitend studieren. Spezielle BWL-Studiengänge wie Dienstleistungsmanagement, aber auch Wirtschaftsinformatik oder IT seien besonders gefragt. "Rund die Hälfte der Mitarbeiter, die hier berufsbegleitend studiert haben, konnten anschließend eine höhere Position besetzen oder komplexere Aufgaben übernehmen", sagt Markus Lecke.

Drei Jahre Studium sind zu wenig. Man muss die Inhalte vertiefen

Tatsächlich gilt der Bachelor vielen als Schmalspurabschluss. Bildungsexperte Christian Tauch hält davon aber nichts. "Der Bachelor vermittelt Problemlösungskompetenzen, die in der Arbeitswelt gebraucht werden", sagt er.

Schon während des Bachelorstudiums könnten Studenten viel Erfahrung sammeln, indem sie zum Beispiel Praktika absolvieren oder an der Uni Fallstudien in Zusammenarbeit mit Unternehmen bearbeiten. Das kann das Studium zwar unter Umständen verlängern, sei aber für den Berufseinstieg hilfreich. Tauch findet: Es ist besser, die Regelstudienzeit um ein bis zwei Semester zu überschreiten, als stramm durchzulernen und dafür auf Angebote außerhalb der Vorlesungen oder das Engagement in studentischen Organisationen zu verzichten. "Der Einstieg in den Arbeitsmarkt gelingt Bachelorabsolventen immer besser", sagt Tauch.

Besonders in den Wirtschaftswissenschaften habe sich der Abschluss mittlerweile etabliert. Trotzdem gebe es Fälle, in denen das Wissen aus dem Bachelorstudium einfach nicht ausreiche. Vor allem in der Forschung sei ein Master weiterhin unverzichtbar, denn erst dort bekomme man das fachliche Verständnis, um eigene Ideen zu entwickeln. Für Berufe wie Lehrer oder Arzt ist ein weiterführendes Studium ebenso Pflicht. Auch in den Naturwissenschaften bleibt der Master wichtig, denn wer in Biologie nur mit dem Bachelor abschließt, konkurriert anschließend auf dem Arbeitsmarkt mit den zahlreichen Absolventen von Lehrberufen wie etwa dem Biologisch-Technischen Assistenten.

Besser einen Master machen, als eine Lücke im Lebenslauf haben

Für den Bildungsberater Detlev Kran ist die Antwort klar: "Eine Lücke im Lebenslauf sieht immer schlecht aus." Wer sich eine längere Auszeit nehme, müsse sich spätestens beim ersten Vorstellungsgespräch auf Nachfragen gefasst machen, erklärt Kran.

Einen Master zu machen sei also besser, als nichts zu tun. Als Lückenfüller eigne er sich aber nicht. Wenn man ihn unmotiviert oder unüberlegt anfange, halte man das Studium vielleicht nicht durch oder habe am Ende etwas studiert, was gar nicht zum eigenen Berufswunsch passe.

Wer noch nicht wisse, wie es weitergehen soll, oder nicht den gewünschten Studienplatz bekommen habe, sollte lieber etwas anderes tun, so Kran. Zum Beispiel eine Weiterbildung oder einen Auslandsaufenthalt. "Ein Personalchef schaut immer darauf, ob er einen einigermaßen zielgerichteten Lebenslauf erkennen kann", sagt Detlev Kran. Das gilt auch für die Wartezeit. "Wenn jemand drei Jahre im Robinson Club als Animateur gearbeitet hat und danach kaufmännischer Leiter werden will, passt das nicht zusammen."

Eine Auszeit aus familiären Gründen werde dagegen meist akzeptiert. Oder man sucht sich gleich einen Job. "Übergangszeiten, die man mit Berufstätigkeit füllt, sind keine Lücken, sondern Erfahrungsschätze", so Detlev Kran. Zudem könnten sie helfen, sich zu orientieren, denn wer mit 22 Jahren den Bachelor in der Tasche habe, wisse oft noch nicht, wo er arbeiten möchte. "Es muss nicht für jeden ein Master sein", sagt Kran, "und wenn doch, kann man ihn auch in fünf Jahren noch nachholen."

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Mir missfällt die Selbstverständlichkeit, mit der in vielen Formulierungen hier angenommen wird, das Studium und alle weiteren Aktivitäten seien Mittel zum Zweck für einen möglichst guten Berufseinstieg. Ich habe aus Interesse an der Wissenschaft, am Fach, studiert, und da dieses Interesse nach dem Bachelorstudium noch nicht gestillt war, schrieb ich mich für das Masterstudium ein. Intrinsische Motivation ist, denke ich, stets besser als jedes "um zu".

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