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"Wir sind nicht für Trennungen veranwortlich"

Manager (Quelle: freeimages.com,Autor: Aj-Ream-O)

Quelle: freeimages.com, Aj_Ream-O

Im Film 'Up in the Air' reist George Clooney als Outplacement-Berater pausenlos um die Welt und verkündet Arbeitnehmern ihren Rausschmiss. Das negative Image haftet ihrer Branche zu Unrecht an, findet Sophia von Rundstedt, Geschäftsführerin von Rundstedt HR Partners. Im LTO-Interview spricht sie über Vorurteile, Talent-Management und den besten Zeitpunkt für eine Kündigung.

LTO: Frau von Rundstedt, wie hat Ihnen der Film "Up in the Air" gefallen?

von Rundstedt: Ich fand ihn unterhaltsam – das Berufsbild "Trennungsberater" wird jedoch stark verzerrt dargestellt. Im Gegensatz zur Darstellung im Film spricht in Deutschland in der Regel der jeweilige Vorgesetzte die Trennung aus und kein Externer. Zudem sind "Knall-auf-Fall"-Trennungen nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Im wirklichen Leben ist ein anderer Trend erkennbar: Trennungen sollen konstruktiv gestaltet und gut vorbereitet sein. Idealerweise erfolgt das Auseinandergehen durch freiwillige Aufhebungsverträge. Nach unserer Philosophie sehen wir Trennungsmanagement und die Outplacement-Beratung in einem anderen Zusammenhang. Wir befähigen Unternehmen, den Trennungsprozess strategisch schlüssig und konstruktiv zu gestalten und zeigen dem betroffen Mitarbeiter Wege auf, wie er sich am Arbeitsmarkt nachhaltig platziert. Um den Mitarbeiter in der Trennungssituation effektiv zu unterstützen, werden immer häufiger Orientierungsberatungen und Entscheidungsworkshops angeboten. Der Effekt: Der Mitarbeiter bekommt eine aktuelle Einschätzung seines Marktwertes und kann entscheiden, was wirklich in seine Lebensplanung passt. Insgesamt also schon eine recht andere Sicht als sie im Film vermittelt wird.

LTO: Wie würden Sie jemandem, der noch nie von Outplacement gehört hat, diese Tätigkeit beschreiben?

von Rundstedt: Wir unterstützen Menschen gezielt in Situationen, die eine Veränderung der Tätigkeit erzwingen. Das sieht im Einzelnen wie folgt aus: Unsere Berater arbeiten mit den Klienten zunächst die Trennung auf. Dies ist ein wichtiger und notwendiger Schritt, um sich auch emotional vom alten Arbeitgeber zu lösen und den Blick für neue Perspektiven zu öffnen.

Danach folgt die Standortbestimmung: Wo liegen Stärken und Schwächen? Welche Erfolge hat der oder die Betroffene in seiner / ihrer beruflichen Tätigkeit erzielt? Was machte besonders viel Spaß? Wie sieht die private Lebensplanung aus? Auf dieser Grundlage definiert der Klient sein Karriereziel.

Weitere Schritte sind die Erstellung einer Bewerbungskampagne und aussagekräftiger Bewerbungsunterlagen. Bei der Umsetzung der Kampagne stellen wir unseren Klienten einen Arbeitsmarktexperten als zweiten Berater zusätzlich zur Seite. Wenn er Unterstützung bei der Auswahl des passenden Angebots benötigt, agieren wir auch gern als Sparringspartner.

LTO: Ihr Unternehmen gilt als älteste deutsche Agentur im Bereich Outplacement-Beratung. Wie entstand vor rund 30 Jahren die Idee Ihres Vaters zur Firmengründung?

von Rundstedt: Bei seiner Arbeit in einer Anwaltskanzlei lernte mein Vater, der wie ich auch Jurist ist, einen Franzosen und einen Amerikaner kennen. Beide hatten geplant, in Deutschland ein Unternehmen für Outplacement zu gründen und hatten dazu rechtliche Fragen. Mein Vater hatte von dieser Dienstleistung noch nie gehört. Als ihn das Geschäftsmodell begeisterte, fragten ihn die beiden kurzerhand, ob er Interesse hätte, das Geschäft in Deutschland aufzubauen. Er sagte zu und wurde einziger Lizenznehmer in Deutschland – und damit Pionier der Branche im hiesigen Markt.

LTO: Wie reagiert ein Betroffener typischerweise auf dessen Kündigung?

von Rundstedt: Das ist von Mitarbeiter zu Mitarbeiter sehr unterschiedlich. Es gibt "Beherrschte", die ruhig und gefasst reagieren. Es gibt "Emotionale", die Wut und Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Andere reagieren geschockt.

Worauf es ankommt: Jeder Mensch hat Talente und muss diese in unterschiedlichen Phasen seines Lebens einschätzen und einsetzen lernen. Zum Beispiel in Bewerbungsphasen oder bei Beförderungsgesprächen. In der Sondersituation der Entlassung ist dies besonders schwierig. Hier hilft unsere Expertise. Wir wissen wie man Talent managt – in welcher Situation auch immer.

LTO: Welche "goldenen Regeln" gelten für Kündigungen?

von Rundstedt: Wichtig ist die Vorbereitung der Führungskraft, die Kündigungen aussprechen muss. Dazu gehört auch die Auswahl des Termins für das Gespräch. Dieser sollte idealerweise in der Wochenmitte stattfinden, damit der Mitarbeiter die Möglichkeiten hat, an den Folgetagen weitere Fragen zu klären. Zu einer guten Vorbereitung gehört ebenfalls, dass die Trennungsmodalitäten schriftlich vorliegen, so dass der Mitarbeiter diese direkt mitnehmen und erneut durchlesen kann.

Im Gespräch sollte man schnell auf den Punkt kommen und die Trennung direkt zu Beginn des Gesprächs auszusprechen. Wir raten dazu, die Entscheidung zu erklären – ohne sie zu verteidigen. Im Anschluss sollte es dem Mitarbeiter freigestellt werden nach Hause zu gehen, um die Nachricht verarbeiten zu können.

LTO: Was muss ein Bewerber mitbringen, um in Ihrem Unternehmen im Bereich Outplacement tätig zu sein?

von Rundstedt: Wir suchen Personen, die an Menschen und deren Talententwicklung interessiert sind. Hierzu gehört Empathie, psychologisches Gespür, ein Sinn fürs Machbare und ein genaues Auge für den Kandidaten. Da wir Talente suchen, entwickeln und im Sonderfall der Trennung auch in neue Positionen bringen, suchen wir Leute mit Rundumblick und langem Atem – anders als im Film dargestellt. Uns ist es wichtig, dass unsere Klienten bei uns Berater finden, mit denen sie auf Augenhöhe sprechen können. Deswegen arbeiten wir nur mit Beratern zusammen, die selbst Erfahrung in Führungspositionen und Branchenkenntnisse mitbringen.

LTO: Im Kino ("Up in the Air") bringt das Berufsleben eines Outplacement-Beraters viel Reisestress mit sich und macht einsam. Inwiefern trifft dieses Bild auf Ihren Alltag zu?

von Rundstedt: Gar nicht, denn der Erfolg unserer Beratung beruht auf Kontinuität und unserem Kontaktnetz. Unsere Berater arbeiten mit ihren Klienten in unseren Büros über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten. Da wir in Deutschland mit 12 Standorten sowie einem Büro in Wien und Basel vertreten sind, ist weder für unsere Berater noch die Klienten reisen erforderlich. Der Großteil der Klienten findet die neue Position über das Kontaktnetz.

LTO: Warum haben Sie den Anwaltsberuf bei einer Großkanzlei gegen eine Tätigkeit im Bereich Outplacement eingetauscht?

von Rundstedt: Der Impuls kam durch die Möglichkeit, eng mit Menschen zusammenzuarbeiten, ihre Talente entdecken, Karrieren entwickeln und damit Zukunft gestalten zu können. Das hat mich einfach fasziniert, wie vermutlich auch meinen Vater damals.

LTO: In der öffentlichen Wahrnehmung gehört eine Tätigkeit als Outplacement-Berater sicherlich zu den unbeliebtesten Jobs überhaupt ("Die helfen noch dabei, dass ich meinen Job los bin!"). Wie gehen Sie persönlich damit um, dass Ihr Job in einem so schlechten Licht steht?

von Rundstedt: Unsere Klienten und Kunden schätzen unsere Beratung sehr und empfehlen uns weiter. So beraten wir jedes Jahr rund 2.000 Menschen  – ob in Bewerbungsphasen, in Phasen beruflichen Aufstiegs, oder eben auch bei Trennungen.

Das falsche Bild in der Öffentlichkeit entsteht wohl vor allem durch Unwissenheit. Filme wie "Up in the air" tragen ebenfalls dazu bei. Das Bild, das der Film zeichnet, ist unrealistisch. Dieses Berufsbild, dass jemand herumreist und Trennungen ausspricht, gibt es in Deutschland nicht. Deswegen erklären wir wo immer möglich, was wir tun.

Die Menschen verstehen, dass nicht wir für die Trennungen verantwortlich sind. Diese Entscheidung trifft das jeweilige Unternehmen. Und nochmals: Der jeweilige Vorgesetzte kommuniziert diese an den Mitarbeiter. Unsere Aufgabe ist es, den Mitarbeitern, die von dieser unumstößlichen Entscheidung betroffen sind, neue berufliche Perspektiven aufzuzeigen und sie auf dem Weg zum nächsten Karriereschritt professionell zu unterstützen.

Das Bild wird sich nach und nach wandeln. Denn immer mehr Menschen erleben, dass Trennungen zum Berufsalltag gehören und nicht mehr wie früher ein Makel sind. Eine professionelle und konstruktive Trennung ist auch Teil eines professionellen Talentmanagements. Denn man trifft sich immer zweimal im Leben. Und man weiß nie, in welcher Rolle der Mitarbeiter, von dem man sich heute trennt, einem morgen wiederbegegnet.

LTO: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch, Frau von Rundstedt.

© lto.de. Artikel zum Jura-Studium bietet die Rubrik "Studium & Referendariat" von Legal Tribune ONLINE.

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Kommentar (1)

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  1. Ulrike Aigner

    Radiointerview zum Thema

    Hallo, eine verzerrte Darstellung / Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist oft schwierig zu revidieren. Für Betroffene ist die persönliche Situation nicht immer leicht, jedoch muß jeder für sich die Chance auf Veränderung sehen. Ich hab vor einiger Zeit ein Radiointerview aurf Antenne Bayern zum Thema mit einem Berater gehört, das ich persönlich sehr aufschlußreich fand: http://www.vblp-outplacement.de/home/infos/presse.html Gruß Ulrike Aigner http://www.vblp-outplacement.de/home/infos/presse.html

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