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Wie mache ich mich selbstständig?

Business (Quelle: freeimages.com, fakhar)

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Ein Gründer erzählt, eine Expertin kommentiert.

Die Idee

Das sagt der Gründer: Mein Kumpel und ich haben für unsere WG einen Mitbewohner gesucht. In kürzester Zeit flatterten 100 Bewerbungen rein. Wir beschlossen, die Leute bei einem Bierchen kennenzulernen, und haben ein WG-Casting angesetzt. Aber nach Bewerber Nummer 20 wussten wir nicht mehr, wer eigentlich zu Besuch war. Wir fanden, getreu unserer Studiengänge Psychologie und Soziologie, dass man einen Matching-Test bräuchte.

Das sagt die Expertin: Mir gefällt die Motivation: Benjamin Pause und sein Mitbewohner haben einen Test entwickelt, weil sie ihn selbst gebraucht hätten. Die eigene Erfahrung ist schon einmal ein gutes Indiz für eine Marktlücke. Darüber hinaus bringen die beiden die nötige Fachkompetenz mit. Das hört auch die Bank gern.

Die Planung

Das sagt der Gründer: Um einen wissenschaftlich fundierten Test entwickeln zu können, ergründeten wir erst einmal die wichtigsten Kriterien für die Mitbewohnersuche. Dafür haben wir 500 WGs in Deutschland befragt, was zu Streitereien und Auszügen führte. Dann haben wir uns überlegt, wie der Onlineauftritt aussehen könnte. Dazu haben wir auch andere WG-Portale im Internet angeschaut und Suchkriterien weiterentwickelt.

Das sagt die Expertin: Hier wurde eine beachtliche Marktanalyse betrieben, das machen leider zu wenig Gründer.

Die Umsetzung

Das sagt der Gründer:Unsere erste Lektion: So ein Projekt stemmt man nicht zu zweit, erst recht nicht, wenn beide noch an ihrer Diplomarbeit sitzen. Nach einem anstrengenden Jahr holten wir uns deshalb einen Designer und Fotografen, zwei Programmierer und jemanden fürs Marketing und die Konzeption mit ins Boot – alles Freunde von uns. Wir begannen mit einer Betaversion, luden 100 Bekannte zum Probelauf ein und holten uns von ihnen Feedback, etwa zu den Testfragen und zur Gestaltung der Seite. Nach der Überarbeitung starteten wir offiziell.

Das sagt die Expertin: Es ist eine wichtige Erkenntnis, dass man nicht alles allein stemmen kann. Ratsam ist es allerdings, auch mit Freunden Verträge zu schließen. Unverzichtbar ist außerdem jemand, der sich mit Dingen wie Buchführung auskennt. Ein weiterer wichtiger Punkt: die Rechtsform einer Gründung. Am besten lässt man sich dazu beraten. Industrie- und Handelskammern bieten das kostenlos an.

Die Finanzierung

Das sagt der Gründer: Wir haben vier Kostenvoranschläge für die Programmierung des Internetauftritts von Profis eingeholt und sind fast hintenübergekippt. Seitdem läuft alles über Freundschaftsdienste und Ersparnisse. Da der Test für die WGs kostenlos sein soll, wollen wir Verträge mit lokalen Autovermietungen abschließen, die ihre Transporter für Leute, die unseren Test machen, günstiger abgeben und dafür bei uns werben. Ich bin nicht weltfremd und weiß, dass wir damit erst einmal nicht reich werden. Wenn sich die Ausgaben nächstes Jahr refinanzieren, bin ich glücklich.

Das sagt die Expertin: Dass man sich für den Start etwas bei Freunden und Familie leiht, ist nicht unüblich. Auf Dauer müssten neben den Werbekooperationen vielleicht noch andere Einnahmequellen erschlossen werden – vor allem wenn die Seite zum Broterwerb dienen soll. Dann lohnt sich auch ein Businessplan.

Die Vision

Das sagt der Gründer: Zurzeit klappern wir Unis und mögliche Kooperationspartner ab, starten Postkartenaktionen und vernetzen uns online, um besser gefunden zu werden. Immer öfter kommen Danke-Mails von Leuten, die eine WG gefunden haben. Das motiviert uns. Ende des Jahres wollen wir den Test auch für Österreich und die Schweiz anbieten.

Das sagt die Expertin: Damit ein Gründerprojekt nachhaltig ist, muss es langfristig geplant werden. Man könnte sich etwa fragen, ob es noch weitere Zielgruppen gibt.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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