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Hochschul-Absolventen bringen gute soziale Kompetenzen mit

Studieren, Buch, Bachelor, Master (Quelle: www.sxc.hu/lusi)

Studieren, Buch, Bachelor, Master (Quelle: www.sxc.hu/lusi)

Personaler bemängeln jedoch die geringe Praxiserfahrung der Bachelor-Studenten.

 Vor zehn Jahren begann der Bologna-Prozess, der die unterschiedlichen Hochschulsysteme in Europa vereinheitlichen soll. Zu den Forderungen der Wirtschaft an die Reform gehört, dass die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge die Studenten stärker auf den Arbeitsmarkt vorbereiten und überfachliche Schlüsselqualifikationen vermitteln sollen. Was die Unternehmen darunter verstehen, hat bereits eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) deutlich gemacht: 71 Prozent der 2.100 befragten Unternehmen bewerten Teamfähigkeit als wichtigste Kompetenz. Berufseinsteiger sollen außerdem selbstständig arbeiten, Einsatzbereitschaft zeigen und gut kommunizieren können.
 
 Viele Personalverantwortliche in großen Unternehmen sehen heute den Reformprozess bei der Einbindung von sozialen Kompetenzen als gelungen an; sie kritisieren jedoch die mangelnde Mobilität der Studenten und die oft geringe Praxiserfahrung. Schuld daran seien vor allem die verschulten Studiengänge.
 
 "Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen hat sich positiv entwickelt", erklärt Andreas Schilling, zuständig für Personalmarketing bei Vattenfall Europe. Jedes Jahr stellt das Energieunternehmen konzernweit 40 bis 50 Trainees ein. Ganz zufrieden ist er mit der Entwicklung der Reformprozesse in den Hochschulen jedoch nicht. Bewerber brächten zwar mehr soziale Kompetenzen mit, beim Transfer des Hochschulwissens in die Praxis hapere es jedoch. Das betrifft sowohl Bachelor-Absolventen als auch Bewerber mit Diplom- und Masterabschluss.
 
 "Man sieht, dass die Studenten an der Hochschule Bewerbertrainings absolviert haben und wissen, wie ein Assessment-Center funktioniert", sagt Schilling. Doch viele von ihnen hätten aber nur unklare Vorstellungen, was sie später im Beruf erwarte.
 
 Auch Michael Kobl, Leiter der Nachwuchsentwicklung bei der HypoVereinsbank, sieht die Bilanz des Reformprozesses gemischt. Positiv sei die Aufwertung der Fachhochschulen und der dualen Studiengänge mit ihren Möglichkeiten, Praxiserfahrung zu erwerben. Auch wenn viele Hochschulen die Bologna-Reform positiv genutzt und umgesetzt haben, seien an einigen Universitäten längere Praktika oft schwierig zu integrieren, weil das "Studium zu starr und verschult" sei.
 
 Vor allem aber haben die Universitäten die Wünsche der Wirtschaft nach kürzeren Studiengängen seiner Ansicht nach überinterpretiert. Die Studiengänge müssten wieder flexibler werden, um mehr Auslands- und Praxiserfahrung zu ermöglichen. "Es ist wichtig, auf die persönliche Entwicklung der Studenten zu achten", sagt Kobl, doch der Erwerb von Soft Skills sollte nicht in eigene Lernveranstaltungen eingebettet werden, sondern zum Beispiel als Projektarbeit in die Seminare.
 
 Dirk Pfenning, der bei Bayer unter anderem für Hochschulrekrutierung zuständig ist, betont, wie sehr sich die Ansprüche der Unternehmen an die Bewerber geändert haben: "Der permanente Informationsaustausch spielt heute eine wesentliche Rolle; in der Vergangenheit konnte beispielsweise ein Forscher auch als Einzelkämpfer erfolgreich sein. Heute hingegen werden Forschungsprojekte von Beginn an in interdisziplinären Teams mit Teilnehmern unterschiedlichster Fachgebiete bearbeitet." Die Hochschulen sollten mehr das Bewusstsein dafür schärfen, dass neben dem Erwerb und der Anwendung von Fachwissen auch persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten für einen erfolgreichen Berufseinstieg notwendig sind.
 
 Die meisten Hochschulen haben die Vermittlung von sozialen Kompetenzen und die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt intensiviert - mit unterschiedlichen Methoden. Nach Ansicht von Michael Borchardt, dem Leiter des Freiburger Career Centers, brauchen die Bachelor-Studenten anders als früher konkrete Infos zu einzelnen Berufen. Sie haben wenig Zeit, sich selbst zu informieren.
 
 "Die Studenten suchen Berufsorientierung. Vielen geht es auch erst einmal darum, ihre Stärken und Schwächen herauszufinden", sagt auch Doris Klinger, Leiterin des Studienzentrums der FH Wiesbaden. Sie hält nichts von einem Zwang zum Erwerb von Schlüsselfähigkeiten, weil man Teamfähigkeit nicht einfach so verordnen könne. Eine gute Möglichkeit sei es, die Kurse als Wahlpflichtveranstaltung in das Curriculum zu verankern.

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