Villigst - das Evangelische Studienwerk

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Artikel zu Villigst, dem Stipendium des Evangelischen Studentenwerks.

Villigst - was ist das?

Das Evangelische Studienwerk e.V. Villigst ist das protestantische unter den elf Begabtenförderungswerken in Deutschland. Gegründet wurde es im Jahre 1948. Eines der Hauptmotive war das Versagen der akademischen protestantischen Schichten während des Dritten Reiches, sich wirksam gegen das Regime Hitler aufzulehnen. Nie wieder sollte es ein menschenverachtendes und kriminelles politisches System in Deutschland geben. In einem alten Gutshaus an der Ruhr im Schwerter Stadtteil Villigst (seitdem Synonym für das Evangelische Studienwerk) fand es seitdem seinen Sitz.

Was ist anders an Villigst?

Villigst setzt es sich als Ziel, kritische und urteilsfähige Menschen von morgen auszubilden, die sich für die Gesellschaft einsetzen und Verantwortung tragen wollen und können. Die Studierenden sind auf allen Entscheidungsebenen innerhalb des Studienwerkes vertreten und gestalten die Arbeit im Studienwerk wesentlich mit. Zum Beispiel arbeiten sie im Vorstand und der Leitung mit. Einzigartig ist es auch, dass sie an den Auswahlen der neuen Stipendiaten maßgeblich beteiligt sind.

Wer kann / soll / hat besonders gute Chancen sich zu bewerben?

Grundsätzlich kann sich JEDER bewerben, der das 5. Fachsemester (Uni) bzw. das 4. Fachsemester (FH) nicht überschritten hat. Auch sind Bewerbungen von römisch-katholischen Studis oder Studenten, die sich als Atheisten bezeichnen würden willkommen. Das unterscheidet Villigst z.B. vom katholischen Cusanuswerk. 8% (!) der aufgenommenen Studenten eines Semesters müssen NICHT einer evangelischen Landeskirche angehören. Wichtig ist, gut zu begründen, warum der Bewerber dennoch zu dem protestantischen Villigst gehören möchtet. Ein guter Anhaltspunkt, das abzuklären, ist, einen Blick auf das Leitbild von Villigst zu werfen:

Wer sich "exzellent fachlich qualifizieren und (...) gesellschaftliche Verantwortung im Rahmen protestantischer Grundorientierungen übernehmen" will, ist hier richtig. Die überschaubare Größe von Villigst garantiert eine Individualförderung, bei der der Stipi bestimmt, was er aus seinem Studium machen will. Ein Vertrauensmitglied der Leitung steht bei Fragen zur Studienplanung (Praktika, Auslandsstudium, etc.) beratend zur Seite und Villigst hält seinen Stipis finanziell den Rücken frei - vor allem für teure Studienabenteuer, besonders im angloamerikanischem Raum. Jedes Leitungmitglied wird geduzt und man ist Teil einer "Gemeinschaft", die sich überwiegend für Werte wie "Frieden, Gerechtigkeit und Erhaltung der Schöpfung" einsetzt.

Villigst ist zwar von den evangelischen Kirchen in Deutschland gegründet worden und wird nach wie vor von diesen gesponsert, aber Villigst ist kein "Betclub" für noch übrig gebliebene fromme Mohikaner unter Deutschlands Studierenden. Villigst gefallen auch extravagante Lebensläufe. Man freut sich über jeden Bewerber, der es sich zum Ziel setzt, die Welt von morgen zu gestalten und ein klein wenig besser zu machen.

Einige Tipps zur Bewerbung und dem Auswahlverfahren

Bewerbungfristen sind der 1. März und 1. September eines jeden Jahres und JEDE und JEDER, der die formalen Voraussetzungen erfüllt, wird zu einem halbstündigen Gespräch eingeladen. Die doch umfangreichen Unterlagen werden zentral gesammelt und dann an die Vorauswahlausschussvorsitzenden in die Uni bzw. FH - Stadt des Bewerbers geschickt. Etwa 2 bis 3 Monate nach Bewerbungsschluss flattert dann eine Einladung in das Postfach eines JEDEN Bewerbers und man bekommt die Gelegenheit, sich als Mensch mit Stärken und Schwächen vorzustellen.

Diese Vorauswahl vor Ort ist ein halbstündiges Gespräch mit einem zumeist dreiköpfigen Ausschuss, darunter auch ein aktueller Stipi. Es werden vor allem Fragen zu der Studienmotivation gestellt, das Allgemeinwissen wird getestet (vor allem Politisches ist wichtig!) und es wird in Form offener Meinungsfragen gecheckt, ob sich der Bewerber reflektiert mit Argumenten mit Fragen wie "Halten Sie es für gerechtfertigt, embryonale Stammzellen nach Deutschland zu Forschungszwecken zu importieren?" auseinandersetzen kann.

Hat man die Hürde der Vorauswahl genommen, hat man eine gute Chance (besser als 50/50) VilligsterIn zu werden und die Hauptauswahl in Villigst zu meistern. Dort führt man mit einem dreiköpfigen Ausschuss ein weiteres halbstündiges Gespräch, bei dem dieses Mal auch studienfachspezifische Fragen gestellt werden. Natürlich hängt die Schwere der Fragen davon ab, wieviele Fachsemester der Bewerber schon hinter sich hat. Eine einstündige Gruppendiskussion in einer Zehnergruppe und eine Art Case Study (erneut in der Gruppe) sind die weiteren Elemente, die von demselben Dreiergremium beobachtet werden. Ganz wichtig ist es, natürlich zu sein und nicht zu versuchen, sich zu verstellen. Eingestehen, dass man eine Antwort mal nicht weiß, ist weit weniger schlimm, als etwas zu erfinden um zu verschleiern, dass man gerade davon eben keine Ahnung hat. Zeitung lesen ist ebenfalls sehr wichtig und hilfreich als Vorbereitung für die Gespräche.

Für Studenten, die aus Osteuropa stammen aber in Deutschland studieren, gibt es seit 2001 eine eigene Auswahl und Förderung, das "Europastipendium".

Zusammenfassend kann man sagen, dass man bei Villigst viel darf, aber wenig muss. Während einer Einführungswoche nach erfolgreicher Hauptauswahl öffnet sich für erfolgreichen Bewerber der Vorhang des Studienwerks. Es stellen sich (prominente) Altvilligster vor und berichten aus vergangenen Zeiten. Man begegnet der aktuellen stipendiatischen Vertretung (Senat und Programmausschuss) und erfährt die Vielfalt der Möglichkeiten, wie man sich in Villigst einbringen kann (AGs, Senat, Programmausschuss, Auswähler, Teilnahme an Sommerunis etc.).

Die Bundesregierung hat beschlossen, die Zahl der zu vergebenden Stipendien bis 2009 um etwa 50% zu erhöhen. Zu meiner Zeit (2003) wurden knapp 60 Studierende pro Semester aufgenommen. Im September 2006 waren es 81 und ein Jahr später bereits deutlich über 100. Und wenn Du Dich bewirbst, kannst Du einer/eine von noch mehr pro Semester sein!

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