Aktionen

Uppsala Universitet

Artikel über das Studium an der Uppsala Universität.

Uppsala, die Stadt

Die Stadt Uppsala liegt ca. 50 km nördlich von Stockholm. Also im Zentrum Schwedens. Sie behauptet von sich selbst die größte Universitätsstadt zu sein. Sollte das nicht stimmen, ist sie immer noch die schönste - so die Bürger von Uppsala.

Schon in Uppsala gibt es viele kulturelle Angebote und auch Einkaufsmöglichkeiten. Durch die Nähe zu Stockholm wird die Stadt aber besonders attraktiv. Denn in Schweden sind die Städte eher klein und das Leben viel ländlicher als hier in Deutschland. Besonders auffällig wird das, wenn man abends aus Stockholm wieder zurück nach Uppsala möchte.

Studieren in Uppsala

An der Universität bekommt man folgende Geschichte erzählt:

Eine Delegation aus Kopenhagen und eine Delegation aus Uppsala durften gleichzeitig beim Papst vorsprechen und für ihre Stadt eine Universität beantragen. Beiden Delegationen wurde dieser Wunsch bewilligt. Da daraufhin die Delegierten aus Uppsala schnellstmöglichst nach Hause eilten und ihre Universität errichteten, die Kopenhagener aber in Rom blieben, um die Bewilligung zu feiern, ist Uppsala heute die älteste Universität Skandinaviens. Allerdings scheint inzwischen der Sinn fürs Feiern zurückgekehrt zu sein.

Die Universität soll allerdings nicht nur die Älteste, sondern auch eine der besten der Welt sein. Der Direktor ist übrigens - man bedenke den Namen "kungliga Uppsala Universitet" - der König Schwedens, der vom Vize-Direktor vertreten wird.

Die Atmosphäre an der Universität ist locker und eher kollegial als hierarchisch (geduzt wird in Schweden ohnehin jeder). Dennoch fehlt keineswegs der Respekt gegenüber den Lehrenden, eigentlich eher im Gegenteil. Man merkt sofort, dass einem vieles leichter fällt, wenn man sich an jeden wenden kann. Hinzu kommt, dass es wenig Vorlesungen gibt, dafür mehr Seminare. Das zwingt einen erstens, in der Uni zu erscheinen und zweitens, die "Hausaufgaben" zu machen. Allerdings haben gerade Geisteswissenschaftler sehr wenig Stunden in der Woche und müssen den Rest der Zeit viel lesen. Das ist sehr effektiv, denn man beschäftigt sich so viel intensiver mit dem Stoff, als man es hier in Deutschland jemals neben den ganzen Vorlesungen tun könnte.

Das Studienjahr ist in zwei Semester eingeteilt, die fast parallel zu den Semestern in Deutschland verlaufen. Allerdings sind die Semester u.U. noch mal unterteilt in zwei Teile. Man belegt maximal zwei Kurse in einem dieser Untersemester, die dann nach der Hälfte des Semesters enden, worauf man zwei neue Kurse beginnt. Fast alle Kurse enden entweder mit einer Klausur oder mit einer Hausarbeit (zumindest in den Geisteswissenschaften).

Wichtig ist außerdem, dass man in Schweden auch auf Englisch studieren kann und das sehr gut. Fast alle Austauschstudenten sprechen kaum oder sogar gar kein Schwedisch (Wobei Sprachkenntnisse immer empfehlenswert sind), wenn sie nach Schweden kommen. Entweder man besucht dann an der Uni einen Sprachkurs oder man schlägt sich ein Jahr ohne Schwedisch durch, denn die Schweden sprechen sehr gut Englisch, häufig sogar Deutsch.

Studentenleben

Wohnungen

Die Studenten wohnen in Uppsala meist in den Studentenwohnheimen. Der Wohnungsmarkt in Uppsala ist relativ angespannt und Wohnungen sind teuer. Als ERASMUS-Student hat man einen Anspruch auf ein Zimmer im Wohnheim und die Uni regelt das alles für einen. Im Masterprogramm muss man sich allerdings selbst um seine Unterbringung kümmern.

  • Flogsta: Die meisten Studenten wohnen im größten Wohnheim, Flogsta, das etwas außerhalb liegt. Legendär ist der allabendliche Flogsta-Scream. Den Korridor teilt man sich in der Regel mit 7-12 Mitbewohnern. Jedes Zimmer hat einen Internetanschluss von der Uni.
  • Rackarberget oder Kantorsgatan liegen zentraler als Flogsta, sind aber älter. Hier teilt man sich Bad, Küche und Flur mit 2-6 Mitbewohnern (i.d.R sind es 5 Zimmer pro Korridor). Der Mietpreis für Rackarberget liegt im Dezember 2008 bei umgerechnet unter 260 €.
  • Lilla Sunnersta: Die Wohnungen in Lilla Sunnersta sind etwas größer, aber recht weit vom Zentrum entfernt.

Nationen

Ganz wichtig sind die Nationen. Von denen gibt es 13 in Uppsala und jeder Student, also auch die Austauschstudenten, muss Mitglied in einer der Nationen sein. Die Nationen übernehmen viele Aufgaben, für die in Deutschland das Studentenwerk zuständig ist und sind außerdem für das Studentenleben zuständig (jede Nation hat einen Pub, es gibt günstiges Mittagessen und verschiedene Aktivitäten). Wer an diesen Aktivitäten nicht teilnehmen möchte (wer nicht Mitglied in einer Nation ist, kann von den Angeboten aller Nationen keinen Gebrauch machen), kann sich bei der nicht-existierenden 14. Nation einschreiben. Die Einschreibungsgebühren werden zusammen mit einer Abgabe für die Nation dort bei der Einschreibung bezahlt, im Semester handelt es sich hierbei um weniger als umgerechnet 40 €. Traditionell sind die Nationen "Landsmannschaften" und man war Mitglied der Nation, die die Gegend Schwedens repräsentiert, aus der man stammt. Die meisten Studenten entscheiden sich aber für die Nation, die ihnen am sympathischsten ist.

Jede der Nationen hat einen Pub, in dem man sich jeden Abend treffen kann und für wenig Geld trinken und essen kann. Außerdem werden von den Nationen Parties zu verschiedensten Anlässen organisiert. Es besteht auch die Möglichkeit, für die Nationen zu arbeiten. Der Lohn ist zwar eher gering, aber erstens lernt man dabei viele nette Leute kennen und zweitens ist ein kleiner Zuverdienst in Schweden fast unabdingbar und ein Job, gerade in Uppsala, für Ausländer schwer zu finden. Außerdem organisieren die Nationen regelmäßig traditionelle Festessen ("Gasque") oder Bälle, die in schwedischer Tradition mit viel Gesang gefeiert werden. Dort lernt man viele neue und nette Leute kennen. Man sollte nur daran denken, in eleganter Garderobe aufzutauchen. Für die Gasques sollte es ein Anzug bzw ein etwa knielanger Rock mit schönem Oberteil sein, für einen Ball Frack und Abendkleid.

Valborg/Sista April

Am letzten Tag des April wird in Uppsala traditionell der Frühling begrüßt. Der Rektor der Universität steht auf dem Balkon der Bibliothek, der Carolina Rediviva, und verkündet, dass es nun wieder Frühling ist. Daraufhin werfen die Studenten ihre weißen Mützen in die Luft, laufen zum Fluss und feiern die Rückkehr der warmen Jahreszeit.

Jahreszeiten

Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Tage in Uppsala sehr kurz werden. Um die Wintersonnwende sinkt die Tageslichtdauer auf unter 6 Stunden und die Sonne sieht man manchmal Wochen lang nicht. Zum Ausgleich dafür brennen überall Kerzen und bunte Lichter.

Ankunft in Uppsala und nützliche Tipps

Vor Beginn des Semesters gibt es eine Orientierungswoche mit vielen Veranstaltungen für Austauschstudenten um die Stadt, die Uni und die Nationen kennenzulernen. Die Zimmer im Wohnheim können i.d.R. zwei Wochen vor Semesterbeginn bezogen werden. Nach der Ankunft in Uppsala einfach zum entsprechenden Vermieter gehen, den Vertrag unterschreiben und Schlüssel abholen. Das geht recht unkompliziert. Gut ist es auch, das Willkommenspaket bei dem Koordinator abholen. Dieses enthält unter anderem auch eine Sim-Karte, mit der man sehr günstig in Schweden und auch in viele andere Länder telefonieren kann. Man kann bereits in Deutschland ein Konto bei der SEB eröffnen. Damit kann man dann an allen SEB-Automaten in Schweden kostenlos Geld abheben. Eine Kreditkarte (sehr nützlich!) bekommt man als Student auch kostenlos. Ob man ein Konto bei einer der schwedischen Banken eröffnen kann, scheint von der Laune des jeweiligen Bankangestellten abhängig zu sein. Ein Fahrrad kann man entweder in einem Fahrradladen oder auf einem der Märkte kaufen. Viele der Fahrräder sind zwar schrottreif, aber ein Fahrrad ist in Uppsala wichtig.

Günstig einkaufen

Die hohen Lebenskosten in Schweden können durch die Nutzung von Secondhand-Läden etwas gemindert werden, es gibt mehrere davon in Uppsala. Zu empfehlen ist besonders die Secondhand-Kette "MYRORNA", der sehr gut sortiert ist und eine große Auswahl bietet. Zwei Stück davon gibt es in Uppsala: Einer liegt neben dem Vasapark (Sysslomansgatan 16-18, 75313 Uppsala) und bietet Geschirr, Elektronikartikel, einige Kunstartikel, einiges an Kleidung. Der andere liegt südlich der zentralen Einkaufsstraße (Kungsängsgatan 20, 75322 Uppsala) und offeriert viel Kleidung, viele Kunstartikel, Fahrradhelme und vieles mehr (der zuletzt genannte Laden scheint mir der größere von beiden zu sein), hat aber keine Eletronikartikel. Es gibt noch einen anderen Second Hand Laden mit Möbel u.a.m. (Rackarbergsgatan 10, 75232 Uppsala, www.coopcapella.se), dort im Laden ist auch ein Café.

Bewerbung in Uppsala oder an einer schwedischen Uni generell

Die übliche und auch empfehlenswerte Variante ist das ERASMUS-Programm. Dazu hat jede Fakultät an jeder deutschen Uni ein eigenes Verfahren. Sollte kein ERASMUS-Platz für Uppsala oder überhaupt für Schweden vorhanden sein, kann man sich als Student mit den Fakultäten der Austausch-Uni und der eigenen Uni in Verbindung setzen. Manchmal werden dann extra Plätze geschaffen.

Eine weitere, sehr interessante Möglichkeit ist, sich direkt an der Uni zu bewerben. In Uppsala ist das allerdings sehr schwer, an jeder anderen Uni jedoch sehr einfach. Da Schweden ein EU-Land ist, außerdem keine Studiengebühren hat und die Unis sich über ausländische Studierende freuen, ist das eine wirkliche Alternative zu den Programmen.

Weblinks