Universitet Umea (Schweden)

ERASMUS-Erfahrungsbericht

Umea, Nordschweden (WS 2004/05)

Vorbereitung auf den Studienaufenthalt

Nach der ERASMUS-Info-Veranstaltung für Biologen im Januar 2004 hatte ich das Übersichtsblatt über die verschiedenen Partneruniversitäten Heidelbergs endlich in der Hand und konnte zusammen mit meiner Freundin, die ebenfalls fest vorhatte, ein Auslandssemester zu bestreiten, eine Auswahl treffen. Hierbei fiel unsere Wahl sehr schnell auf Schweden, da die Homepages der dortigen Unis erstens sehr übersichtlich und informativ gestaltet waren und wir deshalb schon viel über das dortige Campus- und City-Leben erfahren konnten, und zweitens, weil die freundliche Mentalität der Leute dort uns sogar schon über das Internet auffiel. Um die Chancen zu maximieren, zusammen in eine Stadt zu kommen, war Umea weit oben auf unserer Prioritätenliste zu finden, denn diese Partneruniversität schien ein Geheimtipp in Sachen Bekanntheitsgrad (fast niemand von unseren Vorgänger-Biologen war jemals dort) und Kursangebot (die Kursbeschreibungen klangen verlockend) zu sein. Tatsächlich erfuhren wir im Februar 2004, dass wir beide für den Austausch in Umea angenommen wurden. Sofort nach dieser freudigen Nachricht kaufte ich mir ein Schwedisch-Lernbuch mit Audio-CDs, um mich in den Semesterferien mit diesem Selbstlernkurs schon einmal auf die schwedische Sprache, die für Deutschsprachige aufgrund der nahen Verwandtschaft zum Deutschen leicht zu erlernen ist, vorzubereiten. Eine Sprachvorbereitung in der Form von Sprachlabor-, Selbstlern- oder Volkshochschulkursen ist auf jedem Fall zu empfehlen, da sie einem den Einstieg in das dortige Leben stark erleichtert.

Bewerbungsphase

Die Bewerbung für die Kurse bzw. für das Studentenwohnheim konnte ich schon früh abschicken und erfuhr schon im Mai 2004, welche Kurse ich belegen konnte. Hierbei sei angemerkt, dass ich für alle Kurse, die ich angab, auch eine Zusage bekam und ich dann entscheiden musste, welche ich nicht nehmen werde, da manche parallel stattfanden – dies spiegelt die etwas privilegierte Stellung wider, die man als ERASMUS-Student/in innehat bzw. zeigt, dass sich die Leute in den Einrichtungen an der Uni in Umea generell mehr um das Wohl der Studenten kümmern, als man das von HD gewohnt ist. Die Wohnungszusage war auch bald danach fix – allerdings konnte man mir noch nicht meine Adresse mitteilen, da oft noch Rochaden in der Wohnungszuteilung stattfinden, weshalb ich erst vor Ort erfuhr, dass der Wunsch meiner Freundin und mir, in einem sog. Korridor innerhalb eines Wohngebäudes zusammenzuwohnen, erfreulicherweise erfüllt wurde. Auch hier sei wieder auf die herausstechende Freundlichkeit der Leute der zuständigen Einrichtung (International Housing Office) hingewiesen. So konnte ich auch schon bald den Flug mit Ryanair nach Stockholm buchen, wo ich zusammen mit meiner Freundin einen 4-tägigen Kurzurlaub verbrachte und schon einmal einen Einblick in das schwedische Leben bekam (übrigens sehr zu empfehlen – mit der Stockholm-Karte „Stockholm kortet“ kann man alle Museen besuchen und die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, und das für einen einmalig bezahlten Preis, der sich schon nach zwei Tagen gelohnt hat). Mit Scandinavian Air ging es dann mit dem billigen „Youth-Ticket“ weiter nach Umea.

Studium an der Gastuniversität

Der Empfang gestaltete sich sehr freundlich, denn die die für die Hausschlüssel zuständige Person im International Office hatte extra auf uns gewartet, obwohl wir einige Minuten außerhalb der Arbeitszeit ankamen (deshalb ist es so wichtig, dass ihr eure ungefähre Ankunftszeit angebt). Das Studentenwohnheim lag relativ nahe (ca. 12 min Fußweg) an der Uni und die Zimmer waren wie in der Beschreibung, die ich zuvor mit einem umfangreichen Katalog mit vielen Tipps für die Anreise und das Leben in Umea von der Homepage ausgedruckt hatte, groß (18 qm, zusätzlich Flur und Bad) und recht gut eingerichtet. Der Korridor, auf dem wir wohnten, umfasste insgesamt zehn Zimmer (was typisch ist), wobei in den verbleibenden acht Zimmern ausschließlich Schweden wohnten. Die meisten Schweden – zumindest die Nordschweden – sind übrigens genauso, wie man sie sich vorstellt: still, zurückhaltend (fast schon kontaktscheu) und teilweise deshalb etwas desinteressiert wirkend, aber trotzdem freundlich, wenn man sie um etwas bittet. Dieser Zustand ändert sich allerdings schlagartig, wenn sie alkoholisiert sind (was an den Wochenenden der Regelfall ist) – plötzlich hat man es mit herzlichen, aufgeschlossenen, fast schon plauderhaften Menschen zu tun, die sich unglaublich für einen interessieren. Die Gelegenheit, das zu erleben, bietet sich am besten bei den sog. Korridor-Parties, bei denen eigentlich jeder, der davon erfährt, eingeladen ist. Der in Schweden so teure Alkohol ist allerdings in der Regel selbst mitzubringen. OK, nun genug des Ausschweifens, zurück zur Beschreibung der Wohnsituation: die Küche wurde gemeinsam von uns Zehn genutzt und (leider nicht allzu oft) geputzt. Der Küchenputzdienst war wöchentlich eingerichtet, wobei einige ihre Pflicht nicht allzu ernst nahmen und der Raum deshalb zeitweise unglaublich verkam. Erst nach einer Grundsatzdiskussion, die wir (leider erst einen Monat vor unserer Abreise) mit anregten, war eine deutliche Besserung spürbar. Der Waschraum und auch eine Bügelmöglichkeit (beides kostenlos) befand sich separat zugänglich im Keller, wobei man sich für die sechs dort befindlichen Waschmaschinen in eine Liste eintragen musste, da sehr viele Studenten diese nutzten. Die Miete (inklusive Nebenkosten) betrug ca. 210€, wobei auch bis zu 20€ mehr oder weniger möglich sind, wobei mir nie ganz klar wurde, wonach sich der Wohnungspreis genau richtete, da im selben Korridor die Zimmer verschieden teuer waren.

Die genau durchstrukturierte Orientation Week ermöglichte allen Austauschstudenten (es waren zu meiner Überraschung viele Deutsche dort) das Kennenlernen des Campus bzw. der Stadt und natürlich ein erstes Annähern untereinander. Innerhalb dieser Orientation Week zeigte der zuständige ERASMUS-Koordinator Lennart Johansson uns Biologen die für unsere Kurse relevanten Gebäude bzw. nahm die endgültige Bestätigung für die Kurse entgegen. Alles lief also ohne das obligatorische Chaos, wie man es als Erstsemester von HD gewohnt war, ab.

Kurse

Ich hatte mich für zwei Kurse angemeldet: einen Biochemie-Kurs (Protein Separation Methods and Techniques) und einen Kurs in Ökologie (Evolutionary Ecology), die beide – wie die Titel schon verraten – auf Englisch abgehalten wurden, übrigens wie fast jeder Kurs dort. Eine Kennzeichnung, in welcher Sprache der jeweilige Kurs geführt hat, ist der Homepage zu entnehmen. Beide Kurse, vor allem jedoch ersterer, waren sehr empfehlenswert und eigentlich mit nichts in HD zu vergleichen. Im Biochemie-Kurs ging eine überaus gründliche Methoden-Vorlesung einem praktischen Kursteil voraus, nach der ein Home Exam geschrieben wurde, bei dem man die Aufgaben mit nach Hause nehmen durfte. Man löste sie aufgrund der Kenntnisse, die man sich in der Vorlesung bzw. dem begleitenden Buch angeeignet hatte. Im Praxis-Teil sollte man in Zweier-Gruppen die Experimenten-Folge mithilfe der Beratung eines persönlichen Tutors planen, um eine Strategie zur Reinigung eines bestimmten Proteins zu entwerfen, das man von den Praktikumsleitern zugeteilt bekam und an dem der jeweilige Tutor aktiv Forschung betreibt bzw. betrieb. Als Abschluss sollten wir noch eine virtuelle Grant Application (eine Beantragung für weitere Forschungsmittel mit Begründung und ausgearbeiteter Strategie, falls man wirklich weiter forschen würde) ausarbeiten, einen Vortrag über die Ergebnisse halten und ein Poster zur Präsentation der Resultate entwerfen und basteln. Insgesamt war dieser Kurs unglaublich lehrreich und hat sehr großen Spaß gemacht, nicht nur wegen der erstklassigen Betreuung, sondern auch wegen der facettenreichen Anforderungen und der eigenen Planung der Experimente. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass meiner Freundin und mir ein Platz für das Schreiben der Diplomarbeit angeboten wurde – leider konnten wir beide nicht annehmen, da wir beide noch einige Scheine in HD zu machen hatten. Also seid darauf gefasst, dass ihr mehrfach Angebote bekommt, dort zu bleiben. Der Ökologie-Kurs war eigentlich ähnlich gut organisiert, bestand leider aber nur aus Vorlesung, Seminar und einer Klausur – d.h., der Praxis-Teil fehlte ganz. Nichtsdestotrotz ging man durch (fast) das gesamte Spektrum der Evolution hindurch, was in (sogar für mich als alten Evolutions-Fan) teilweise sehr interessanten Erkenntnissen mündete.

Abschlussklausur

Als Abschluss war kurz vor Weihnachten 2004 eine sechs-stündige Klausur angesetzt, die jedes Themengebiet sehr gut abdeckte und eigentlich ohne Probleme sehr gut zu bewältigen war. Was neben der informativen Vorlesung als extrem positiv auffiel, war der Punkt, dass jeder ein eigenes Thema zum Themenkreis Evolutionsforschung wählen durfte und darüber – auf Basis von fünf bis zehn selbst herausgesuchten wissenschaftlichen Artikeln – eine Review-artige, zehnseitige Hausarbeit schreiben sollte. Das ganze lief natürlich wieder unter Beaufsichtigung eines persönlichen Mentors ab. Hier bildete ein 20-minütiger Vortrag innerhalb eines Seminars den Abschluss, was ebenfalls großen Spaß machte, da man nun die Ergebnisse, die man in der Recherche herausgefunden hatte, endlich einmal den anderen präsentieren konnte. Trotz der schon zu Hause angelernten Schwedisch-Kenntnisse belegte ich einen Schwedisch-Kurs, der für Austausch-Studenten kostenlos angeboten wird. Doch schon bald bemerkte ich, dass der Selbstlernkurs im Prinzip den Anfängerkurs (Level I von IV), den ich vor dem danach angebotenen Level II-Kurs in Umea belegte, ersetzt – man kann also schon bei Level III anfangen, wenn man sich schon zuvor mit Schwedisch beschäftigt hat. Level I und III werden zu Semesterbeginn Ende August angeboten, Level II und IV folgen dann zu Mitte des Semesters und gehen bis Mitte Dezember. Die Lerngeschwindigkeit ist auf jeden Fall sehr moderat – man kommt gut mit, wenn man die Hausaufgaben macht und sich einfach mit Schwedisch beschäftigt. Die Kurse werden zeitlich relativ flexibel angeboten (nachmittags und abends) und finden zweimal wöchentlich je zwei(zeit)stündig statt. Auf das Schwedisch-Lernen, indem man mit den Schweden Schwedisch spricht, sollte man nur vermindert bauen, da das anfangs naturgemäß gebrochene Schwedisch das Gegenüber dazu veranlasst, bevorzugt auf Englisch umzuschwenken, da eigentlich alle Schweden fließend Englisch sprechen. Man muss schon sehr hartnäckig sein, um auf diese Weise sein Schwedisch zu verbessern, da bei einem einmal ins Englisch abgedrifteten Gespräch das Gegenüber das nächste mal wieder mit Englisch ankommt.

Hindernisse

Probleme gab es gegen Ende mit der Korrelation der Dauer des Vertrags, der mir ein Zimmer garantierte, und der Dauer des Semesters: das Semester war genau eine Woche länger als mein Vertrag (das ging übrigens allen anderen Austauschstudenten, die ein Semester blieben, genauso), weil sich dieses Jahr ausnahmsweise eine Verschiebung der Lehrveranstaltungen um eine Woche ergeben hatte, was aber niemand vom International Housing Office registriert hatte. Glücklicherweise konnte ich den Vertrag für mein Zimmer um ein paar Tage verlängern, da mein Nachfolger erst ein paar Tage später ankam als ursprünglich geplant. Manch andere mussten sich aber anderweitig umsehen bzw. sich kurzzeitig bei anderen Studenten einquartieren, was aber aufgrund der regen Kontakte besonders unter den Austauschstudenten kein allzu großes Problem darstellte. Insgesamt ist mir – wie schon erwähnt – die unheimlich positive Atmosphäre an der Uni aufgefallen, wie ich es eigentlich noch nie in HD gespürt hatte. Ich fühlte mich einfach pudelwohl dort oben im hohen Norden! Dies mag auch unter anderem daran liegen, dass der Norden Schwedens extrem dünn besiedelt ist und deshalb – um dem Abhilfe zu verschaffen – großen Wert auf die (Gast)freundlichkeit gelegt wird, um möglichst viele Leute zum Bleiben zu verleiten.

Das Leben in der Gaststadt

Die Stadt Umea – auch „Zentrum des Nordens“ genannt - hat ca. 106.000 Einwohner ist somit von der Größe her mit HD zu vergleichen. Da hören die Parallelen aber auch schon auf, denn Umea hat ansonsten ein ziemlich anderes Statdbild als das heimische HD. Es existiert keine vergleichbare Altstadt oder gar ein Schloss, denn Umea ist in der Vergangenheit einmal komplett abgebrannt bzw. besaß nie eine derartige Kulisse. Das studentische Nachtleben spielt sich häufig in Studentenkneipen, die auch auf dem Campus zu finden sind und für die man einen gültigen Studentenausweis braucht, um hineinzukommen, und auf den schon oben erwähnten Korridor-Parties ab. Natürlich gibt es auch Kinos und Discos, aber nach meiner Einschätzung werden die nicht so häufig besucht, wie hier in Deutschland. Restaurants gab es nicht so viele, wie man es von einer Stadt dieser Größe gewohnt ist, dafür umso mehr Bars und vor allem Cafés. Kaffee ist übrigens wahrscheinlich das einzige Nahrungsmittel, das billiger ist, als in Deutschland, da er in größere Mengen und inklusive Nachschenken verkauft wird. Eine typische Eigenschaft schwedischer Studenten ist es, unter der Woche keinen Tropfen Alkohol zu trinken, am Wochenende aber dann ins Extrem-Trinken zu verfallen. Dies mag an der hohen Altersgrenze von 21 Jahren für das Konsumieren von Getränken mit mehr als 3,5% Alkoholgehalt, dem gleichzeitigen restriktiven Verkauf (Beschränkung auf Läden, die den Namen „Systembolaget“ tragen und bei denen man nur unter Vorlage des Personalausweises einkaufen kann) und des hohen Alkoholpreises (wenn, dann gleich richtig zuschlagen) liegen. Auf jeden Fall kann es deshalb am Wochenende im Wohnheimviertel schon um 8 Uhr abends zu dem Sichten von orientierungslos umherirrenden, torkelnden Gestalten kommen, die verzweifelt nach einer Korridor-Party suchen, vor der sie sich schon zu Hause eingetrunken haben ;-) !

Teures Schweden

Aber nicht nur der Alkohol, sondern auch sämtliche andere Konsum- und Nahrungsmittel sind – wie schon oben angedeutet – teurer als in Deutschland. Man sollte also bei allen Einkäufen etwas mehr kalkulieren, als man es gewohnt ist. Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen kleinen und großen Verkaufs-Ketten, wobei natürlich die kleinen sehr nahe an meinem Wohn-Standort lagen, was dazu führte, dass ich doch immer bei dem bis zu einem Viertel teureren Geschäft einkaufte – das große Geschäft war ohne Auto nicht in einer vernünftigen Zeit zu erreichen. Das Knüpfen von Kontakten ist in Nordschweden relativ schwer, wenn man es darauf anlegt, mit den Einheimischen zu kommunizieren, da die Nordlichter, wie schon oben erwähnt, oft sehr zugeknöpft sind, ganz im Gegensatz zu den Südschweden, die vom Verhalten eher Deutschen ähneln. Allerdings lernte ich andere, sehr nette Austauschstudenten/-innen kennen, die z.B. aus dem Iran, der Türkei oder auch aus Deutschland kamen, zu denen teilweise immer noch Kontakt besteht. Gelegenheit zum Sport-Treiben gab es auch, da sich direkt am Campus das größte Sportzentrum Nordschwedens (IKSU genannt) befindet. Die Möglichkeiten für körperliche Betätigung reichen vom Klettern an der Kletterwand und einer Schwimmhalle mit Whirl-Pool und den obligatorischen Saunen über viele Mannschaftssportarten und Aerbobic-Training bis hin zu einem großen Bereich, in dem viele Laufbänder und Trainingsgeräte für Arm-, Bein und Rückenmuskulatur stehen. Mit einer Dauerkarte, die je nach Menge an nutzbaren Aktivitäten verschiedene Preise hat, hat man das große Los gezogen, wenn man regelmäßig hingeht. Hier kann man selbst (oder gerade) im Winter fit bleiben.

Die stille Zeit

Der Winter, die sog. dunkle Jahreszeit, machte übrigens weniger Probleme, als ich zunächst annahm, da sich Umea erstens noch deutlich unter dem Polarkreis befindet und somit selbst am kürzesten Tag des Jahres am 21. Dezember noch viereinhalb Stunden Sonne von zehn bis halb drei Uhr zu sehen ist. Zweitens bemerkte ich die Dunkelheit nicht in dem Maße, wie man es sich vielleicht vorstellt, da ich mich zu großen Teilen des Tages in Gebäuden aufhielt, die oft sehr schön und ausgiebig beleuchtet waren. Drittens sind sämtliche Gebäude auf dem Campus mit sehr vielen Glasanteilen gebaut, was das Licht zu großen Teilen nach Außen dringen lässt und somit die Leute im Freien erfreut. Viertens sind oft zusätzliche Beleuchtungsanlagen angebracht, die die Gebäude oder auch Bäume anstrahlen und somit alles etwas freundlicher erscheinen lassen. Die Kälte war in diesem Winter (2004/05) unerwartungsgemäß nicht in dem Maße vorhanden, wie sie anscheinend in den letzten Jahren immer (oder besser gesagt: seit der letzten Warmzeit ;-) ) präsent gewesen war. Das Kälteste, was ich erlebte, waren -20°C, und das auch nur wenige Tage, ansonsten dümpelte die Temperatur zumeist im Bereich von -10°C oder gar bei -5 oder 0°C und mehr umher, was auch den sonst so intensiven Schneefall manchmal in Regen umschlagen ließ oder er einfach komplett wegfiel. Bei der trockenen Luft, die dort oben anzutreffen ist, empfand ich die Kälte sowieso nicht als so intensiv, wie man das bei uns in Süddeutschland mit unserem oft nasskalten Herbst-/Winter-Klima empfunden hätte. Ein Kuriosum war noch, dass der erste Schneefall wahrscheinlich zum ersten Mal in Deutschland früher als in Umea kam – nämlich Anfang November. Normalerweise kann es dort schon im Oktober schneien bzw. sind Temperaturen von bis zu -35°C im Dezember, Januar und Februar zumindest zeitweise keine Seltenheit.

Freizeit

In das Umland haben wir natürlich auch einige Ausflüge unternommen, entweder selbst, indem wir ein Auto gemietet hatten, mit dem Bus fuhren oder an vom International Office organisierten Touren teilnahmen. Hierbei will ich einen Ausflug in die Berge an die norwegische Grenze im November erwähnen, für den wir uns ein Auto mieteten und ca. 350 km in die Wildnis fuhren und dort in der schneebedeckten Landschaft wanderten, die unbeschreibliche Weite und Ruhe Schwedens genossen und gegen Nachmittag wieder zurückfuhren. Außerdem unternahmen wir noch eine Hundeschlittentour durch Schwedens Wildnis, was auch ein absolut empfehlenswertes Erlebnis war. Einige Ausflüge in Umeas Umland alleine oder mit von der Uni organisierten Gruppen sollten auf jeden Fall auf dem Programm des ERASMUS-Austauschstudenten stehen, wenn er das nötige Kleingeld übrig hat, denn einen Elch oder Rentiere sollte man schon gesehen haben.

Abschlussbemerkung

Insgesamt war das Semester in Umea eine rundum positive Erfahrung, die sich in jeder Beziehung gelohnt hat und uneingeschränkt zu empfehlen ist. Lasst euch nicht von der Lage im hohen Norden abschrecken – wenn ihr ein Jahr bleibt, bekommt ihr die langen Tage auch noch mit – und das soll auch ziemlich genial sein =)


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