Université Paris-Sud (Paris XI)

Die Université Paris XI hat ihren Sitz in Orsay im Département Essonne (91), etwa 20 km südwestlich vom Stadtzentrum Paris.

Sie setzt sich zusammen aus fünf "Unités de Formation et de Recherche" (UFR), drei "Instituts Universitaires de Technologie" (IUT) und dem "Institut de Formation des Ingénieurs de Paris-Sud" (IFIPS).

Ein Großteil der Universität befindet sich auf einem großen Campus in Orsay, allerdings sind einige Einheiten auch weiter entfernt. Neben Orsay gibt es noch Standorte in Sceaux und Châtenay-Malabry, im Département Hauts-de-Seine (92), sowie in Kremlin-Bicêtre und Cachan, im Val-de-Marne (94).

Die einzelnen Standorte sind recht weit voneinander entfernt und nach Fachrichtungen getrennt, so dass man als Student an einem Standort die anderen so gut wie nie zu sehen bekommen wird, vom Hauptcampus in Orsay vielleicht abgesehen.


Die Einheiten im Einzelnen:

  • UFR de Sciences in Orsay: Mathematik, Informatik, Physik, Chemie, Biologie, Geowissenschaften, Astronomie
  • UFR STAPS (Sciences et Techniques des Activités Physiques et Sportives) in Orsay: Sportwissenschaften
  • UFR Droit-Economie-Géstion in Sceaux: Jura und Wirtschaftswissenschaften
  • UFR de Pharmacie in Châtenay-Malabry
  • UFR de Médecine in Kremlin-Bicêtre
  • IUT d'Orsay: Chemie, Informatik, Physikalische Messtechnik
  • IUT de Sceaux: Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Management
  • IUT de Cachan: Elektronik, Elektrotechnik, Automation, Industrielle Informatik, Mechanik, Robotik, Produktion
  • IFIPS in Orsay: Informatik, Optronik, Materialwissenschaften, Industrielle Elektronik

Die UFR entsprechen einer "gewöhnlichen" deutschen Universität, mit dem Anspruch, zur Grundlagenforschung auszubilden, während IUT und IFIPS sich am ehesten als Zwischending zwischen TU und FH beschreiben lassen.

Wie man an der Liste sieht, liegt der Schwerpunkt der Uni ganz klar im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Die Ingenieursausbildung ist natürlich nicht so renommiert wie an den Grandes Ecoles, aber in Sachen Grundlagenforschung (z.B. in Physik) hat Orsay einen gewissen Ruf im Ausland. So befinden sich in unmittelbarer Nähe des UFR de Sciences einige nicht unbedeutende Labore und Forschungsinstitute (Synchrotron SOLEIL, Laboratoire de l´Accelerateur Lineaire, Forschungsreaktor in Saclay um nur einige zu nennen).

Studentisches Leben

Bat232
"Résidence Les Rives de l´Yvette", Batiment 232
Als ausländischer Student wird man wohl, mindestens für die ersten Monate, in einem Wohnheim in Orsay landen. Auf dem Campus gibt es "La Pacaterie", "Les Rives de l´Yvette" und "L´Ile", außerdem die "Jardins de Fleming" im Ort Orsay, etwa eine Viertelstunde Fußweg vom Campus entfernt. Die Wohnheime sind (außer L´Ile) alle recht alt, und notorisch renovierungsbedürftig.

Der Wohnstandard ist unter dem in deutschen Wohnheimen üblichen. Auf einer Etage leben zwanzig bis fünfzig Studenten, die sich eine recht spartanische Küche (i.d.R. vier Herdplatten, ein Kühlschrank, ein Waschbecken, eine Mikrowelle) teilen. Die Zimmer haben knapp zehn Quadratmeter und sind mit eigenem Waschbecken. Toiletten und Duschen sind auf dem Flur.

Die Gebäude sind insgesamt sehr hellhörig. Außerdem sind sie nur schlecht wärmeisoliert und die Heizung wird zentral gesteuert. Als Folge sind manche Zimmer (wie meines damals) im Winter sehr kalt, andere sehr heiß. Dann sitzt man halt in Decken am Schreibtisch, oder halbnackt.

OrsayWald
keine Angst, es ist nicht alles schlecht...
L'Ile ist eine Ausnahme: das Wohnheim ist recht neu, die Zimmer größer und mit richtigem Balkon. Dementsprechend groß ist der Andrang, und die Zimmer werden praktisch nur an Franzosen vergeben, die langfristig dort wohnen bleiben. Erasmusstudenten bekommen dort prinzipiell kein Zimmer, möglicherweise lässt sich da aber etwas machen, wenn man länger als ein Jahr an der Uni bleibt (auch wenn mir kein Fall bekannt ist).

Bei allem Grund zu hochgezogenen Augenbrauen über die Wohnbedingungen: die Zimmer sind sehr günstig. Für etwa 150€ kann man dort ein Zimmer in absoluter Uni-Nähe und noch in Reichweite zur Innenstadt haben. Außerdem ist die Bewerbung sehr bequem: die Universität besorgt die Zimmer für die Erasmusstudenten, man muss nur Interesse signalisieren.

Trotzdem ein Tip für diejenigen, die lieber näher am Zentrum wohnen wollen: die Cité Universitaire in Paris ist auch (wie Orsay) an der RER B, wenn man dort wohnt, ist man in Paris, und kann trotzdem die Uni in vernünftiger Zeit erreichen. Die Wohnheime sind dort auch etwas besser als in Orsay, allerdings auch ein bisschen teurer. Außerdem muss man sich dann selbst um die Bewerbung für das Zimmer kümmern.

Was das Nachtleben auf und um den Campus in Orsay betrifft: vergesst es. Auch wenn da bestimmt knapp tausend Studenten wohnen, Nachtleben findet dort praktisch nicht statt. Meist bleibt es an den ausländischen Studenten hängen, Partys zu organisieren, wobei richtige Räumlichkeiten dafür nicht vorhanden sind. Entweder man trifft sich in den Küchen, oder mietet ein "Spielzimmer", die sonst fest in der Hand von Rollenspielcliquen sind. Irgendwann kommt dann der Nachtwächter und macht einem die Party dicht.

Einziger Lichtblick ist eine winzige Blechhütte auf dem Campus, die sog. "K´fet", in der an manchen Freitagen Konzerte von ziemlich alternativen Amateurbands stattfinden. Ich fand es dort persönlich gar nicht so schlecht, aber wer eher auf angesagte Nachtclubs oder schicke Leute steht, muss nach Paris fahren. Ich habe gehört, dass es seit neuestem auch eine Nachtbusverbindung bis nach Orsay gibt.

Nach all dem Gemaule aber auch mal etwas positives: Der Campus in Orsay ist sehr grün, und sogar als botanischer Garten anerkannt. Das Foto unten habe ich tatsächlich an einem Morgen auf meinem Weg vom Wohnheim zum Institut gemacht.


--Martin.deppe 21:23, 29. Mai 2006 (CEST)