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Studieren in Spanien

Alles rund um das Studium in Spanien: Hochschullandschaft, Stipendien, spanisch lernen, leben und arbeiten in Madrid, Barcelona oder Salamanca.

Almudenas cathedral Madrid
Almudenas-Kathedrale in Madrid

Spanien ist nicht ohne Grund das beliebteste Austauschland von Erasmus-Studenten: Neben lebendigen Metropolen wie Madrid, Barcelona oder Sevilla locken traumhafte Landschaften und rund 1900 Sonnenstunden pro Jahr. Wer Spanisch lernt, investiert zudem in seine Zukunft: Die Sprache wird von über 380 Millionen Menschen weltweit gesprochen und gewinnt dank der Entwicklung Süd- und Mittelamerikas auch im internationalen Wirtschaftsverkehr an Bedeutung. In Deutschland suchen viele Unternehmen nach Mitarbeitern mit Spanischkenntnissen – und finden sie oft nicht.


Die spanische Hochschullandschaft

Der Bedarf an Akademikern in Spanien wächst, sodass sich die Studierendenzahl innerhalb von 20 Jahren beinahe verdoppelte. Die rund 1,5 Millionen Studenten verteilen sich auf 50 staatliche und 22 private Hochschulen.

Die staatlichen Universitäten unterstehen dem spanischen Erziehungsministerium, wobei die Regierungen der 17 Comunidades Autónomas (Autonome Gemeinschaften) – insbesondere Katalonien und das Baskenland – weitreichende Verwaltungsrechte besitzen. Die Zulassung zum Universitätsstudium sowie die Abschlüsse sind landesweit einheitlich geregelt.

Struktur der Hochschulen

Barcelona university
Universität Barcelona

Die spanische Universität (universidad) bietet Hochschul- und Fachhochschulausbildung unter einem Dach. Sie ist eine integrierte Hochschule, die ebenso den klassischen Fächern in den Fakultäten Raum gibt wie auch den Ingenieurwissenschaften in den Escuelas Politécnicas Superiores.

Studiengebühren

Die Studiengebühren für die staatlichen Universitäten werden jährlich neu festgelegt und betragen etwa 500 bis 800 Euro pro Studienjahr. Die aktuellen Studiengebühren für das bevorstehende akademische Jahr werden jeweils im September vom Boletín Oficial de Estado veröffentlicht.

Rankings

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Spanien kaum Hochschul-Rankings. Am aussagekräftigsten ist das jährlich veröffentlichte Ranking der konservativen Tageszeitung El Mundo, das neben den staatlichen und privaten Hochschulen auch die 50 verschiedenen Studiengänge erfasst. Auf den vorderen Rängen sind meist die Hochschulen aus Madrid und Katalonien zu finden.

Studiensystem

Studienaufbau und -abschlüsse

Das Studium in Spanien ist bisher aus Zyklen, ciclos, aufgebaut. Jeder Zyklus dauert zwei bis drei Jahre. Neben Kurzzeitstudien, die nach einem Ciclo mit einem berufsqualifizierenden Abschluss (diplomado) beendet werden, gibt es Langzeitstudiengänge wie beispielsweise Architektur und Medizin, die mindestens zwei Studienzyklen umfassen. Diese Studiengänge schließen Studenten mit dem Titel licenciado/a, arquitecto/a oder ingeniero/a ab. Der dritte Zyklus, "tercer ciclo", ist Teil der Promotionsstudiengänge.

Bachelor-Studiengänge dauern durchgängig vier Jahre, die darauf aufbauenden Master-Studien ein bis zwei Jahre. Im Rahmen der Umstellung des Studienaufbaus wurde auch das Creditpoint-System eingeführt, wobei ein crédito zehn Stunden in Lehrveranstaltungen oder beim Selbststudium entspricht.

Spanische Hochschulen rechnen nicht in Semestern, sondern in Studienjahren, die von September oder Oktober bis Mai dauern.

Unterrichtsform

An spanischen Universitäten wird vor allem im Frontalunterricht gelehrt. Technische Hilfsmittel wie Beamer oder Projektoren sind in den Vorlesungen selten zu sehen. Der Professor diktiert, die Studenten stenografieren mit (die Mitschriften heißen "apuntes"), Fragen durch die Studenten sind eher unüblich. Nur langsam werden Referate in den Unterricht aufgenommen. Auch die bei uns wichtigen wissenschaftlichen (Haus-)Arbeiten sind noch nicht sehr verbreitet - Noten werden in schriftlichen Prüfungen erworben. Selbst für den studienabschließenden akademischen Titel muss man in aller Regel keine umfangreiche Abschlussarbeit vorlegen: Der Student erhält ihn, wenn er eine bestimmte Anzahl an créditos (Creditpoints) erworben hat. Die Endnote errechnet sich aus den nach jedem Jahr absolvierten Prüfungen. In Bewerbungen werden aber oft auch nur die Einzelnoten angegeben. Deutsche Studenten müssen sich an die Notenskala erst gewöhnen: In Spanien ist "eins" die schlechteste und "zehn" die beste Note (matrícula de honor), die nur für herausragende Leistungen vergeben wird. Eine Note unter fünf (suspenso) bedeutet, dass die Prüfung nicht bestanden wurde und wiederholt werden muss.

Erst während der Promotion befassen sich spanische Studenten mit der Technik wissenschaftlichen Arbeitens: Nach zwei Jahren Postgraduiertenstudium schreiben diejenigen, die den Doktortitel erwerben möchten, zum ersten Mal eine "tesina" genannte Arbeit. Sie umfasst etwa 50 bis 60 Seiten und stellt gewissermaßen die wissenschaftliche Vorprüfung zur folgenden "tesis" (Doktorarbeit) dar.

Studienaufbau

Grundstudium

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Torre del Oro in Sevilla

Das berufsqualifizierende Kurzstudium (ciclo corto) wird nicht an einer Universitätsfakultät studiert. Vielmehr sind die dem deutschen Fachhochschulstudium vergleichbaren "kurzen Zyklen" eine Angelegenheit der Escuelas Universitarias oder der Escuelas Universitarias Politécnicas. Diese Institutionen verleihen den Studierenden in der Regel nach drei Jahren den akademischen Grad des Diplomado, Arquitécto Técnico oder Ingeniero Técnico. Die Absolventen haben sich damit schon für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Weiterstudieren können sie in der Regel nicht. Erst nach Besuch eines einjährigen Aufbaukurses dürfen die Absolventen bestimmter Kurzstudiengänge in den zweiten Studienzyklus einer Hochschule wechseln. Alle anderen Studiengänge münden nach dem ersten Studienzyklus nicht in einen berufsqualifizierenden Abschluss: Sie bereiten auf das Hauptstudium vor.

Studieninhalte

Die Studieninhalte im Grundstudium sind in vier Kategorien untergliedert:

  1. Stamminhalte (asignaturas troncales) müssen in allen Studiengängen angeboten werden, die zu einem bestimmten staatlich anerkannten Titel führen.
  2. Obligatorische Inhalte (asignaturas obligatorias) legt die einzelne Universität als verpflichtend fest.
  3. Wahlinhalte (asignaturas optativas) stellt die Hochschule ihren Studierenden zur Auswahl.
  4. Zehn Prozent ihrer Gesamtstudienleistung dürfen die Studierenden als Inhalte freier Auswahl (materias de libre elección) aus dem Angebot ihrer Universität wählen oder aus den Veranstaltungen einer anderen Hochschule, mit der ein entsprechendes Abkommen geschlossen wurde.

Hauptstudium

Das Langzeitstudium führt nach zwei erfolgreich beendeten Zyklen zum berufsqualifizierenden Abschluss. Je nach Studium und Lehrinstitution existieren verschiedene Grade. Die häufigsten sind:

  1. Die Licenciatura erwerben Studierende nach vier bis sechs Jahren an einer der klassischen Universitätsfakultäten. Der Abschluss hat keine deutsche Entsprechung, da er sowohl in geisteswissenschaftlichen Fächern, aber auch im Medizinstudium erworben wird.
  2. Die Licenciatura con Grado (Promotion) ist die Eintrittskarte für eine wissenschaftliche Karriere oder für die Lehrtätigkeit an einer Hochschule.
  3. Den Titel Arquitécto Superior oder Ingeniero Superior verleihen die Escuelas Técnicas Superiores und Escuelas Politécnicas Superiores nach fünf bis sechs Jahren.

Neben diesen staatlich anerkannten akademischen Abschlüssen (títulos oficiales) bieten spanische Hochschulen auch Grade an, die nicht in dem staatlichen Katalog enthalten sind. In der Regel sind diese Abschlüsse weniger wissenschafts- als marktorientiert. Zumeist sind diese títulos propios de universidad aber erst nach dem erfolgreich abgeschlossenen Hauptstudium zu erwerben.

Promotion

Die Aufnahme eines Promotionsstudiums setzt den Grad als Licenciado, Arquitécto oder Ingeniero voraus. Während des Studiums sind bestimmte Leistungsnachweise in eigenen Lehrveranstaltungen zu erbringen, es muss eine Dissertation angefertigt und diese öffentlich verteidigt werden. Mit dem Doktortitel erwirbt man bereits alle Voraussetzungen für eine Hochschulkarriere, denn eine Habilitation gibt es in Spanien nicht.

Master

Auch in Spanien nehmen die Master-Studiengänge zu; es werden auch englischsprachige Programme angeboten. Die Aufnahme des Studiums setzt einen akademischen Titel voraus, der nach einem Langzeitstudium erworben wurde, und teilweise mehrjährige Berufserfahrung.

Zulassung für das Studium

Typisches Fenster.jpg

Austauschprogramme

Der relativ kurze Studienaufenthalt im Rahmen eines Erasmus-/Sokrates-Programms ist unproblematisch; die hier erworbenen Scheine werden von den deutschen Unis anerkannt. Alternativ kann man sich auch als Gasthörer (oyente) einschreiben.

Vollstudium in Spanien

Für deutsche Studienanfänger gelten dieselben Zulassungsvoraussetzungen wie für ihre spanischen Kommilitonen. Das deutsche Abitur berechtigt ebenso wenig wie der spanische Schulabschluss (bachillerato) zur Aufnahme eines Universitätsstudiums. Dafür muss die "Eignungsprüfung zum Zugang zur Universität" (selectividad) bestanden werden, die für ausländische Bewerber auch gleich eine Sprachprüfung darstellt. Verhandlungssicheres Spanisch ist die Voraussetzung für das Bestehen der Prüfung.

Der Weg zum Vollstudium in Spanien:

  1. Anerkennung des Abiturs bei der Spanischen Botschaft in Berlin (so genannte homologación)
  2. Anmeldung bei der spanischen Fernuniversität UNED (Universidad Nacional de Educación a Distancia) für die selectividad. Diese kann man zweimal jährlich in Köln oder auch direkt an der Wahl-Universität in Spanien ablegen. Das Prüfungsergebnis entscheidet zusammen mit den Durchschnittsnoten der letzten vier Schuljahre über die Endnote, die für die wachsende Zahl der Fachbereiche mit Numerus clausus entscheidend ist. Infos zur selectividad gibt es bei der UNED (http://portal.uned.es)

Wenn die spanische Hochschule die in Deutschland bereits geleisteten Teilstudien anerkennt, muss die selectividad nicht mehr abgelegt werden.

Hauptstudium mit Abschluss in Spanien

Hierfür muss man sich direkt an den jeweiligen Fachbereich wenden; die Facultad oder Escuela entscheidet dann darüber, ob sie die in Deutschland erworbenen Studienleistungen anerkennt. Das Antragsformular und die zahlreichen verlangten Unterlagen müssen beglaubigt und mit einer beglaubigten Übersetzung eingeschickt werden.

Promotionsstudium

Deutsche Absolventen müssen über einen Abschluss verfügen, der dem im Langzeitstudium erworbenen Titel Licenciado, Arquitecto oder Ingeniero entspricht; allerdings bestimmt beinahe jeder Fachbereich (Departemento) seine Promotionsordnungen selbst, sodass Studenten sich direkt dort bewerben müssen. Eine offizielle spanische Anerkennung für deutsche Studienabschlüsse erteilt das spanische Bildungsministerium (vgl. http://www.spanien.diplo.de/Vertretung/spanien/de/11-bildung/hochschulbildung/seite-anerkennung-dt-abschluesse.html).

Sprachliche Voraussetzungen

Gute Spanischkenntnisse sind natürlich die Voraussetzung für ein Studium in Spanien. Je nach Studienort finden die Vorlesungen jedoch nicht (nur) in Spanisch statt, sondern auch in den regionalen Dialekten bzw. Sprachen Katalanisch, Galicisch oder Baskisch.

Bewerbungsverfahren

Die Universitäten entscheiden selbst, wie sie die Bewerbungsprozeduren und Auswahlverfahren gestalten. Studenten in deutschen Stipendien- oder Austauschprogrammen erwarten normalerweise keinerlei Probleme bei der Anmeldung und auch bei der späteren Anerkennung der in Spanien erworbenen Scheine. Als Gasthörer kommt man ebenfalls leicht in die Vorlesungen, kann allerdings keine Scheine erwerben. Oft kann man jedoch mit seinen Professoren in Deutschland vor dem Auslandsaufenthalt aushandeln, dass eine aus dem Studium in Spanien hervorgegangene Hausarbeit in Deutschland benotet und gewertet wird.

In jedem Fall solltest du frühzeitig mit der Bewerbung beginnen – für den Studienstart im Oktober am besten bereits im März. Die Einschreibung verläuft dann in zwei Schritten: Im Juni/Juli wird mit der preinscripción ein Platz reserviert, dann folgt die eigentliche Immatrikulation. Hierfür muss noch kein Nachweis über die Selectividad vorgelegt werden. Bei der Einschreibung müssen bereits die Kurse angeben werden, die man besuchen möchte. Für die eigentliche Immatrikulation im Sekretariat der Fakultät werden neben den Formularen der Fakultät von ausländischen Studierenden (jeweils beglaubigt bzw. in beglaubigter Übersetzung) verlangt:

  1. das Abiturzeugnis mit beglaubigter Übersetzung und amtlicher spanischer Anerkennung
  2. der Nachweis über eine bestandene Selectividad (für Studienbeginner) oder die Anerkennung der Teilstudien (für Studienfortsetzer) bzw. des deutschen Studienabschlusses
  3. Reisepass oder Geburtsurkunde
  4. eine Liste der gewählten Kurse
  5. einen Nachweis darüber, dass die Studiengebühren bezahlt wurden bzw. bei Stipendiaten der Stipendiatenausweis (tarjeta de becario).
  6. zwei Passfotos.

Leben und Studieren in Spanien

Straßenbild barcelona
Straßenbild in Barcelona

Einträgliche Nebenjobs sind rar – viele spanische Studenten bleiben daher während des Studiums bei ihren Eltern wohnen oder ziehen nur während der Veranstaltungszeit in ein piso compartido ("geteilte Wohnung") in der Universitätsstadt. Dem entsprechend herrscht in diesen Wohngemeinschaften starke Fluktuation, dafür sind sie aber bereits vollständig ausgestattet, vom Besteck bis zum Bett. Die privaten oder staatlichen Uni-Wohnheime sind weit weniger beliebt, schon aufgrund der strikten Geschlechtertrennung inklusive Besuchsverbot. Auf der anderen Seite wird den Mietern auch das Zimmer gereinigt und die Wäsche gewaschen.

Nicht zu unterschätzen bei den Berechnungen des finanziellen Bedarfs ist die Tatsache, dass es an spanischen Hochschulen keine Mensa wie in Deutschland gibt. Zwar kann man im spanischen "Comedor" auch essen, aber es ist beinahe so teuer wie außerhalb des Campus.

Die Lebenshaltungskosten in Spanien gleichen sich immer mehr den deutschen an. Insbesondere in den großen Städten, allen voran Madrid und Barcelona, ist das Leben relativ teuer. Ein Stipendium ist ein guter Weg, um zumindest einen Teil dieser Kosten aufzufangen. Informationen hierzu gibt es in der Stipendiendatenbank des DAAD. Der „klassische“ Weg ist ein Erasmus/Sokrates-Stipendium. Auch einige spanische Institutionen vergeben Stipendien an ausländische Studenten, sie sind bei der Bildungs- und Wissenschaftsabteilung des Spanischen Außenministeriums in Deutschland zu finden. Beim BAföG-Amt in Heidelberg kann Auslands-BAföG für Spanien beantragt werden; Infos dazu gibt es auf den BAFöG-Seiten des Bundesbildungsministeriums.

Aufenthaltsbestimmungen

EU-Bürger genießen innerhalb der Europäischen Union Freizügigkeit – sie dürfen wohnen und arbeiten, wo sie wollen. In vielen Staaten besteht allerdings eine Anmeldepflicht; die Anmeldebestätigung (Tarjeta de Residencia) ist auch notwendig, um zum Beispiel ein Girokonto in Spanien einzurichten. Weitere Infos zu Aufenthalt und Studium in Spanien gibt es bei der Spanischen Botschaft in Berlin.


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Weblinks

Allgemeine Informationen zu Spanien:


Informationen zum Studium in Spanien:

Universitäten in Spanien:

Auslandskrankenversicherung für Studium in Spanien:

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