Studieren in Russland

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Alles rund um das Studium in Russland: Wohnen und Leben, Infos und Weblinks zum Studium in Russland.

Studieren in Russland

Vor einigen Jahren galt Russland noch als sehr ungewöhnliche Destination für ein Auslandssemester, heute lernen immer mehr deutsche Studenten Russisch und entscheiden sich dann, das Land aus eigener Anschauung kennen zu lernen. In Russland bieten sich Austauschprogramme für Studierende aller Fachrichtungen - ein Sprachkurs mit Kulturprogramm in Sankt Petersburg, Management in Moskau oder die Erforschung der sibirischen Pflanzenwelt, die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Akademischen Auslandsämter und der DAAD informieren über universitäre Partnerschaften und Austauschprogramme.

Für Auslandssemester in Russland sollte man am besten frühzeitig planen. Die postsowjetische Bürokratie macht die Organisation eines Studiums durch Aufenthaltsbestimmungen, Gesundheitstests, Einschreibungsregeln, Sprachbarrieren, usw. nicht gerade zum Vergnügen. Doch heutzutage hat fast jede deutsche Hochschule ein Austauschprogramm mit einer russischen Hochschule. Die Partner vor Ort sind sehr kompetent und stellen den fast reibungslosen Aufenthalt sicher. Anfangs kommt es häufig zu Schwierigkeiten wegen der ungewohnten russischen Bürokratie, doch gilt auch hier der russische Grundsatz "Все будет хорошо", es klappt schon irgendwie. Im Vorfeld des Auslandsaufenthalts sollte man sich vom Akademischen Auslandsamt, der Partneruni und am besten auch von Studenten beraten lassen, die schon vor Ort waren.

Praktische Tipps

Wohnungssuche

Meistens werden vom Auslandsamt der jeweiligen Fakultät Wohnheimzimmer an ausländische Studierende vermittelt. Russische Wohnheime sind selten komfortabel und haben nur Mehrbettzimmer, sind allerdings unschlagbar günstig und meist zentral gelegen. Internet, Waschmaschine, Sportangebot, Cafeteria etc. ist fast immer vorhanden. Privatunterkünfte sind wesentlich schwieriger zu organisieren und oft ein vielfaches teurer. Falls man ein Auslandssemester in Moskau plant, sollte extra Geld fürs Wohnen eingeplant werden, falls man kein günstiges Studentenzimmer bekommt. Bei Praktika ist es ratsam, beim Arbeitgeber anzufragen, ob Wohnungen an Praktikanten vermittelt werden.

Transport

Öffentliche Verkehrsmittel in Russland sind sehr günstig, außerdem ist innerhalb der Städte alles per Zug, Metro, Bus oder Marschrutka gut erreichbar. Zudem kann man sehr günstig "Taxi" fahren, d.h. gegen ein kleines Entgelt bei Privatpersonen mitfahren.

Metro In Moskau und Sankt Petersburg gibt es ein sehr gutes Metronetz, das man bis 1.00 nutzen kann. Eine Einzelfahrt mit der Metro kostet ca. 22 Rubel. Die Metro ist wohl das zuverlässigste und schnellste Transportmittel in den Großstädten, zudem sind in Moskau die Stationen ein kulturelles Erlebnis - besonders schön sind zum Beispiel die Novoslobodskaja und Majakovskaja.

Bus und Trollejbus Die Busse und Trollejbusse (eine Art Tram) sind besonders praktisch, wenn man kürzere Distanzen überwinden muss. Es ist ratsam, ein Ticket für mehrere Fahrten zu lösen, solche Karten lohnen sich preislich.

Marschrutka Marschrutkas sind Kleinbusse, die zwar immer eine bestimmte Strecke fahren, allerdings nur auf Winken oder Zurufen anhalten. Sie werden privat betrieben, deshalb muss man immer bar beim Fahrer zahlen. Außerdem sind sie etwas teurer als Lininebusse, dafür aber wesentlich schneller. Wenn man aussteigen will, sollte man dem Fahrer einfach quer durch den Bus zurufen, wo man aussteigen will - die Haltemöglichkeiten sind durchaus nicht auf offizielle Haltestellen begrenzt.

Zug Zugfahren in Russland ist ein Erlebnis, dass man sich bei einem Studienaufenthalt mindestens einmal gönnen sollte. Wichtig zu wissen: Bei längeren Fahrten das Ticket lang genug im Voraus kaufen, wenn man eine günstige Fahrkarte haben will. Die meisten russischen Züge haben keine Sitzplätze, sondern Betten, die man manchmal zu Sitzgelegenheiten umbauen kann. Es wird unterschieden zwischen "купейный вагон" und "плацкарт". Ersteres bedeutet die Unterbringung in einem geschlossenen 4er-Schlafabteil, "plackart" dagegen heißt üblicherweise, dass man entlang des Gangs Betten bekommt (die man meistens in Sitzgelegenheiten umbauen kann). Bei der Buchung von Zugfahrten sollte man immer auf die Lage der Betten achten (nicht zu nah an den Toiletten). Eine Besonderheit des russischen Zugverkehrs ist auch, dass man vor Reiseantritt immer den Reisepass vorweisen muss, sowohl beim Kartenkauf als auch beim Einsteigen. Falls man für Freunde und Familie Karten kaufen möchte, immer Nummer, Ausstellungsdatum, Gültigkeit etc. der Reisepässe notieren!

Taxi Taxifahren in Russland kann sehr günstig oder sehr teuer sein, je nachdem, ob man sich vor Ort etwas auskennt. Für kürzere Strecken (auf dem Nachhauseweg von der Bar, von Freunden etc.) wird meist kein Taxi im Voraus bestellt, sondern man hält vorüberfahrende Privatfahrzeuge an. Der Fahrpreis wird im Vorhinein ausgehandelt. Man sollte das Fahrziel und am besten auch den kürzesten Weg dorthin kennen, den häufig fragen die Fahrer ihre Fahrgäste nach dem richtigen Weg. Diese Art des Taxifahrens wirkt auf Westeuropäer anfangs meist etwas befremdlich (in kaum mehr fahrtüchtige Autos steigen, deren Fahrer zwar den Weg nicht kennen und sich eventuell öfter mal verfahren, den Zeitverlust aber durch atemberaubende Geschwindigkeit wieder wett machen), ist aber relativ sicher und sehr kostengünstig. Für Fahrten von und zum Flughafen sollte man ein Taxi bei einer offiziellen Taxigesellschaft bestellen. Am besten vorher bei mehreren Unternehmen anrufen und Preise vergleichen!

Lebensmittel

In Russland sind fast alle Lebensmittel erhältlich, die man auch in deutschen Kleinstädten findet. Generell gilt, dass die russischen Marken deutlich billiger sind als die westlichen. Für alle die, die auch im Auslandssemester Nestle, Danone & Co. nicht vermissen wollen sei gesagt, dass man in Universitätsstädten üblicherweise eine große Auswahl europäischer Produkte vorfindet. Tee ist in allen Varianten erhältlich, Cafe überwiegend in Form von Pulvercafe zum Anrühren. Sehr günstig sind in Russland Zigaretten und Alkohol, relativ teuer dagegen Obst und Gemüse.

Geld abheben

Geld kann man in Russland in den größeren Städten ganz bequem mit seiner EC-, Maestro- oder Kreditkarte an jedem Geldautomaten in Rubel abheben. Der Wechselkurs ist meistens ziemlich gut. Man sollte aber nicht vergessen, dass für die Geldautomatenbenutzung von den Banken Gebühren erhoben werden. Diese sind ungefähr so hoch die Benutzung des Geldautomaten einer fremden Bank in Deutschland (bei den meisten Banken derzeit 4,00 Euro pro Abhebung). Es kann häufig zu Problemen bei Bargeldabhebung kommen (der Vorgang wird abgebrochen wegen Zeitüberschreitung etc.), in diesem Fall sollte man sich umgehend an das Personal der Bank wenden und regelmäßig den Kontostand überprüfen. Eine Übersicht über Kosten des Bargeldtransfers über verschiedene Möglichkeiten findet sich bei www.bargeld-ausland.de. Hier wird auch aufgezeigt, wie man in Russland über deutsche Konten direkt kostenlos Bargeld abheben kann. Eine Möglichkeit, kostenlos Geld im Ausland abzuheben, bietet die Postbank mit der Karte ihres Sparkontos. Jedoch nur vier mal im Jahr kostenlos. Einige Directbanken bietet kostenloses Geldabheben per Visakarte an. Es lohnt sich solche Angebote zuprüfen. Mittlerweile bieten auch viele Restaurants und Geschäfte in Moskau und Petersburg theoretisch die Möglichkeit an, mit EC- oder Kreditkarte zu zahlen. Verlässlicher ist aber immer noch Bargeld.

Gastgeschenke

In Russland freut man sich vielleicht etwas mehr als hier über kleine Aufmerksamkeiten. Es lohnt sich also ein paar Tafeln "typisch deutsche" Schokolade mitzunehmen und an das Studienbüro etc. zu verteilen.

Visum

Meist beantragt man zunächst ein einfaches Einreisevisum, um anschließend vor Ort ein Multivisum zu beantragen, das dann zur wiederholten Aus- und Einreise berechtigt.

Hier meine Erfahrung zum einfachen Einreisevisum, das man zum Reiseantritt braucht (Studentin aus Bayern):

In München besteht die Wahl zwischen Russischer Botschaft und Visazentrum. Achtung: Die Russische Botschaft nimmt täglich nur ca. 45 Minuten lang neue Anträge entgegen. Mein Tipp: Spart Euch (im Gegensatz zu uns) einen zweiten Trip in die Landeshauptstand und geht direkt zum Visazentrum (= VHS = Visa Handling Services). Auf www.vhs-germany.com findet man alle Informationen über benötigte Unterlagen, den Link zum Antrag (visa.kdmid.ru - nicht vergessen, im Kopf "Visazentrum" anzugeben) etc.

Öffnungszeiten Montag-Freitag: 9:00 - 17:00 Uhr , Prinzregentenstrasse 78, 81675 München.

Achtung Unterschied: Im Konsulat braucht man nur die Kopie der Einladung der Gastuniversität, beim Visazentrum aber das Original. Meine Empfehlung ist also, gleich zum Visazentrum zu gehen und das Original mitzunehmen. Außerdem muss der Reisepass noch 6 Monate nach Aufenthalt gültig sein. Nach der Beantragung hat es nur ca. 10 Tage gedauert, bis unsere Reisepässe samt Visa abholbereit waren.

Natürlich kann man gegen eine Gebühr auch einen Visum-Service beauftragen. Hiermit habe ich allerdings keine Erfahrung, von der ich berichten kann.

Sprache

Generell gilt für ein Auslandssemester : Ohne Kenntnisse der Landessprache ist es schwieriger und macht weniger Spaß. In Russland gilt dies umsomehr, als außerhalb von Moskau und Petersburg Einheimische mit Englischkenntnissen spärlich gesät sind - eher findet man Russen mit Deutschkenntnissen. Unbedingt sollte man sich vor dem Auslandsstudium zumindest Grundkenntnisse aneignen - dafür reicht ein zweiwöchiger Crashkurs kaum, deshalb am besten ein Jahr vorher zu lernen anfangen! Als Ergänzung kann man sich über die Angebote des DAAD informieren, der vorbereitende Sprachkurse vermittelt und finanziell unterstützt. Außerdem bieten die meisten Universitäten ihren ausländischen Studierenden Russisch-Kurse an. Wenn es für ein Studium der Sprache zeitlich nicht reicht, zumindest das kyrillische Alphabet lernen! Lateinische Buchstaben sucht man außerhalb Moskaus umsonst, und auch da sind sie nur in Umgebung von Touristenattraktionen zu finden.

Viele Studenten sprechen Englisch oder sogar Deutsch. Damit man genug selber zum üben kommt, kann es manchmal ratsam sein, seine eigenen Sprachkenntnisse zu verbergen.

Auslandssemester in Sankt Petersburg – Ein Erfahrungsbericht

Im Wintersemester 2005/2006 nahm ich an einem Austauschprogramm im Rahmen einer Partnerschaft der Universität Siegen mit der Sankt Petersburger Staatlichen Universität für Wirtschaft und Finanzen (FINEC) teil. Die Partnerschaft ist in vielerlei Beziehungen für Austauschstudenten ein echter Glücksfall. Wie üblich entfallen bei einem Austausch natürlich die Studiengebühren an der Gastuniversität. Doch die Uni genießt außerdem noch in Russland einen sehr guten Ruf und nimmt bei diversen Rankings zwischen den Wirtschaftshochschulen seit geraumer Zeit den ersten Platz ein.

Warum St. Petersburg

Dazu kommen auch sehr viele praktische Argumente, die für die FINEC sprechen. Die Uni und das Wohnheim für internationale Studenten befinden sich direkt in der Innenstadt von SPb. Dadurch kann man alles zu Fuß erreichen und spart sich eine Menge Geld für Taxifahrten, wenn man nach 24 Uhr unterwegs ist und die U-Bahn geschlossen ist. Außer dem zentralen International Office wurden für ausländische Studierende noch ein Deutsches und ein Französisches Zentrum eingerichtet. Die Mitarbeiter des Deutschen Zentrums sind sehr freundlich und helfen in allen Angelegenheiten. Für Studenten die einen Russischkurs besuchen möchten werden nach einem Einstufungsgespräch Unterrichtseinheiten von 4 bis 20 SWS angeboten. Zusätzlich vermittelt das Deutsche Zentrum Sprachtandems. Die Tutoren des Zentrums helfen bei der Auswahl der Vorlesungen und anderen organisatorischen Fragen.

Die Vorlesungen

Die Vorlesungen und Übungen finden in kleinen Gruppen (ca. 20-30 Studenten, in Ausnahmefällen werden Gruppen zusammengefasst) statt und sind meistens Pflichtveranstaltungen. Das macht das Arbeiten effektiver; die Dozenten gehen, besonders in den Übungen, auf die einzelnen Studenten ein und vergeben oft auch für Zwischenleistungen, wie Hausaufgaben und Tests, Noten, die in die Endnote mit einfließen. Ein Nachteil stellt für ausländische Studierende die Methodik in den Vorlesungen dar. Einige Dozenten, besonders die Älteren, beschränken sich auf den mündlichen Vortrag des Unterrichtsmaterials, was bei mangelhaften Kenntnissen der Sprache Schwierigkeiten beim Mitschreiben hervorruft. Doch dieses ist nicht sonderlich schlimm, da sie meistens auch auf Quellen verweisen und die einheimischen Studenten sehr bereitwillig ihre Mitschriften zur Verfügung stellen. Ich nahm an Kursen in Makroökonomie, Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Internationales Marketing teil und legte auch erfolgreich Prüfungen in den Fächern ab.

St. Petersburg

Die Stadt selber ist an Sehenswürdigkeiten wohl kaum von einer anderen Stadt der Welt zu überbieten. Der Prunkt der Zaren und der Fürsten ist allgegenwärtig. In der Innenstadt sowie außerhalb der Stadt kann man wunderschönen Paläste, Kathedralen, Festungen, Brücken usw. besichtigen. In der kälteren Jahreszeit bieten sich Museumsbesuche sowie abends diverse Veranstaltungen an. Dabei hat man die Auswahl von ca. 25 Theatern und unzähligen Konzertsälen, in denen von Oper bis modernen Komödien alles geboten wird. Mit den russischen Studentenausweisen bekommt man auch sehr viele Rabatte. So gibt es sogar ein ziemlich gutes Theater für Opern und Ballett, in dem der Eintritt ab 60 Rubel (ca. 1,80 EUR) kostet.

Wohnen und leben

Das mit ca. 50 EUR pro Monat sehr günstige Wohnheim für ausländische Studenten ist fast das Beste an der Uni. Die Wohnheimverwaltung kümmert sich sehr liebevoll um jeden Einzelnen und versucht ständig ihre Leistungen zu verbessern. Während unseres Aufenthaltes wurden diverse neue Geräte angeschafft und es wurden gründliche Reparaturarbeiten durchgeführt. Es herrschte eine sehr gemütliche Atmosphäre. Dies bot nicht nur eine wunderbare Gelegenheit andere Nationen kennen zu lernen und dadurch Sprachkenntnisse in Russisch und Englisch zu verbessern; mit der guten Gemeinschaft des Wohnheims wurden in kleineren und größeren Gruppen sehr viele Ausflüge unternommen, sowohl in der Stadt, sowie an Wochenenden auch Fahrten nach Moskau, Nowgorod, Pskow, Finnland und die Baltischen Staaten. Eine kleine Gruppe unternahm sogar, nach Semesterende, eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. von Daniel Rogalsky

Weblinks

Allgemeine Infos

Informationen zum Studium

Informationen über die FINEC

Visum