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Einzigartiger Studiengang in Deutschland

Frau im Labor [Quelle: pexels.com, Polina Tankilevitch]

Quelle: pexels.com, Polina Tankilevitch

Ein einzigartiger naturwissenschaftlicher Studiengang, der Studenten auf pharmazeutische Tätigkeiten in Industrie und Forschung vorbereitet: Pharmaceutical Sciences an der LMU. e-fella Sarah erklärt, wie das Studium aufgebaut ist und für wen es geeignet ist.

Studiengang Pharmaceutical Sciences B.Sc./M.Sc.

Seit dem Wintersemester 2004/05 gibt es an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) an der Fakultät für Chemie und Pharmazie die Möglichkeit, Pharmaceutical Sciences zu studieren. Der in Deutschland einzigartige Studiengang ist besonders auf Tätigkeiten in der pharmazeutischen Industrie und Forschung ausgerichtet und gliedert sich in ein sechssemestriges Bachelorstudium und ein viersemestriges Masterstudium. Umfragen des Departments Pharmazie bei verschiedenen Firmen und Verbänden aus dem Bereich der pharmazeutischen Forschung und Entwicklung haben ergeben, dass für Absolventen mit Master- oder Doktortitel ein deutlich höherer Bedarf besteht als für Bachelorabsolventen.

Aufbau des Bachelorstudiums

Im Bachelorstudium, das seit dem Wintersemester 2008/09 einer geänderten Studien- und Prüfungsordnung unterliegt, erwerben die Studenten Grundwissen in den vier Hauptfächern des Studiums: Pharmazeutische Chemie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische Technologie und Pharmakologie/Toxikologie. Der Anteil der Veranstaltungen am gesamten Studienplan im Bachelor nimmt dabei von Pharmazeutischer Chemie zu Pharmakologie/Toxikologie in dieser Reihenfolge ab. Zusätzlich zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen wurden im Bachelorstudium mit Beginn vor dem Wintersemester 2008/09 Seminare zu EDV- und Patentrecherche, interdisziplinären pharmazeutischen Wissenschaften sowie Arzneimittel- und Patentrecht angeboten, diese sind jedoch im neuen Studienplan nicht mehr vorgesehen.

In einem Wahlpflichtpraktikum und während der Bachelorarbeit können die Studenten selbstständiges Arbeiten im Labor erlernen und auf diese Weise auch ihre Interessen vertiefen. Für die Bachelorarbeit ist dabei im Vergleich zu anderen naturwissenschaftlichen Studiengängen eine relativ kurze Zeit für praktische Arbeit im Labor vorgesehen.

Aufbau des Masterstudiums

Das Masterstudium kann seit dem Wintersemester 2008/09 aufgenommen werden. Der Studienplan im Master enthält weiterführende Veranstaltungen in den vier Hauptfächern. Einen größeren Anteil machen jedoch selbstständige Forschungspraktika und -seminare sowie die sechsmonatige Masterarbeit aus, durch die die Studenten sich in ihrem favorisierten Gebiet spezialisieren können. Allgemein ermöglicht das Masterstudium den Studenten durch die flexible zeitliche Gestaltung der Praktika einen individuelleren Stundenplan als im Bachelorstudium.

Ort der Veranstaltungen

Fast alle Lehrveranstaltungen werden am Hightech-Campus in München-Großhadern abgehalten. Dieser neue und sehr gut ausgestattete Komplex wurde im Jahr 1999 eingeweiht und umfasst die gesamte Fakultät für Chemie und Pharmazie. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie, das Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB), das Genzentrum und die Fakultät für Biologie. Gehalten werden die Veranstaltungen – einige auch auf Englisch – von Dozenten der Fakultät für Chemie und Pharmazie, der Fakultäten für Physik und Medizin sowie externen Experten aus der Berufspraxis.

Auswahlverfahren des Studiengangs

Aus einer großen Zahl von Bewerbern werden jedes Semester nur wenige Studenten im Auswahlverfahren zugelassen. Für den Bachelorstudiengang, der nur zum Wintersemester begonnen werden kann, können Interessenten ihre Bewerbung bis zum 15. Juli eines jeden Jahres einreichen. Der Masterstudiengang kann sowohl zum Wintersemester (Frist: 15. Juli) als auch zum Sommersemester (Frist: 15. Januar) begonnen werden.

Bestanden die ersten Semester in Bachelor- und Masterstudiengang noch aus weniger als 10 Studenten, sind es mittlerweile durch den gestiegenenen Bekanntsheitgrad und der damit verbundenen deutlichen Erhöhung der Bewerberzahlen ca. 30 Studenten pro Semester. Diese immer noch kleine Zahl der Studenten garantiert eine intensive persönliche Betreuung durch die Dozenten und Professoren sowie einen guten Kontakt der Studenten untereinander.

Die Auswahl der Bewerber im Eignungsfeststellungsverfahren für das Bachelorstudium erfolgt auf Basis der Abiturnote, v.a. auch in naturwissenschaftlichen Fächern, sowie weiteren Engagements beispielsweise bei Wettbewerben wie "Jugend forscht" oder ersten Praktika in der Industrie. Für das Masterstudium können sich Absolventen eines mindestens sechssemestrigen Studiengangs aus dem Bereich der Life Sciences bewerben. Für das Eignungsfeststellungsverfahren für das Masterstudium wird zusätzlich ein Motivationsschreiben, das den Studienwunsch begründet, gefordert. Eventuell kann auch ein Auswahlgespräch stattfinden.

Persönliche Erfahrungen

Als Absolventin des ersten Jahrgangs Pharmaceutical Sciences kann ich sagen, dass dieses Studium grundsätzlich gut geplant ist. Durch die kleine Semestergröße und die häufige Gruppenarbeit entsteht ein starker Zusammenhalt innerhalb der Studentengruppe, so werden Teamfähigkeit und Konfliktlösung gefördert und so manche Freundschaft geknüpft. Zwar gab es zu Anfang des Semesters einige Male organisatorische Probleme und Anlaufschwierigkeiten, diese ließen sich aber durch ein wenig Engagement und Einsatz schnell beheben. Mit jedem nachfolgenden Jahrgang ist das System besser eingespielt und so wird es bei den künftigen Erstsemestern sicherlich weitaus weniger bis überhaupt keine derartigen Schwierigkeiten mehr geben.

Positiv war meiner Meinung nach auch die interdisziplinäre Zusammenstellung des Studienplans, wodurch Transferdenken und ein breites Grundwissen gefördert wurden. Während das Bachelorstudium sehr viele zeit- und arbeitsaufwändige Pflichtveranstaltungen enthält, bietet das Masterstudium deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten, auch z.B. für Auslandsaufenthalte, und fördert so jeden Studenten individuell nach seinen Fähigkeiten und Interessen.

Der Masterabschluss bietet den Studenten theoretisch die Möglichkeit, direkt nach dem Studium in die Industrie einzusteigen. Allerdings hat dieser Weg unter den bisherigen Absolventen wenige Anhänger gefunden. Die meisten begannen nach dem Masterabschluss eine Promotion, die eine Qualifikation für spannende Forschungsstellen in der Industrie oder an der Universität verspricht.

Für wen ist Pharmaceutical Sciences geeignet?

Wie für jedes naturwissenschaftliche Studium ist auch für Pharmaceutical Sciences großer Arbeits- und Zeitaufwand nötig. In der Vorlesungszeit verbringen die Studenten ihre Vormittage in Vorlesungen und Seminaren, die Nachmittage meistens im Labor. Da das Grundstudium viele chemische Fächer enthält, ist es sicher von Vorteil, einen Leistungskurs oder zumindest den Grundkurs Chemie belegt zu haben. Natürlich ist das Pensum auch mit weniger Chemie-Grundwissen zu bewältigen, allerdings ist dann wieder erhöhter Einsatz erforderlich, um den Stoff nachzuholen.

Wer Spaß an den Naturwissenschaften hat und insbesondere verstehen will, wie Arzneistoffe entwickelt, synthetisiert, analysiert, in Arzneiformen gepackt und angewendet werden, wie sie wirken und welche Vorgänge sie im Körper beeinflussen und wer außerdem bereit ist, viel Zeit und Arbeit in sein Studium zu investieren, ist im Studiengang Pharmaceutical Sciences genau richtig.

FAQs zu Pharmaceutical Sciences

Kann man mit diesem Abschluss auch in einer Apotheke arbeiten? Nein, allerdings ist es möglich, während des Studiums zum klassischen Staatsexamens-Studiengang Pharmazie zu wechseln. Je später man sich allerdings für den Wechsel entscheidet, desto mehr Fächer müssen nachgeholt werden, sodass dafür auch ein Semester "verlorengehen" kann. Die Anerkennung von Bachelor- und Masterabschluss für Teile des Staatsexamens ist im Moment noch in der Diskussion.

Wie schwierig ist der Anteil an Mathematik und Physik? In Mathematik und Physik werden hauptsächlich Grundlagen behandelt, also sind diese beiden Fächer ohne größere Schwierigkeiten zu schaffen, wenn man in der Schule gut mitgekommen ist.

Kann man während des Studiums noch nebenher arbeiten? Das ist eigentlich nur schwer möglich, wenn man einen guten Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit erreichen will. Logistisch am einfachsten ist natürlich ein Nebenjob als HiWi an einem Lehrstuhl der Fakultät. Hier lässt sich auch noch praktische Erfahrung im späteren Arbeitsbereich sammeln. Am besten eignet sich ein solcher Nebenverdienst nach den ersten beiden Semestern, da dann schon etwas Vorwissen vorhanden sein sollte. Im Masterstudium können Forschungspraktika teilweise außerhalb der Fakultät absolviert werden, sodass eine Bezahlung theoretisch möglich ist.

Ist es möglich, mit einem anderen Bachelorabschluss als Pharmaceutical Sciences das Masterstudium zu beginnen? Das ist theoretisch möglich, wenn die Auswahlkomission die Zulassung erteilt. Allerdings baut das Masterstudium inhaltlich auf dem Bachelorstudium Pharmaceutical Sciences auf und zumindest eine Vorlesung beginnt im Bachelorstudium und wird im Masterstudium fortgesetzt, sodass eventuell fehlende Grundlagen selbstständig nachgeholt werden müssen. Mit genügend Eigeninitiative und Ehrgeiz ist es aber durchaus zu schaffen.

Wie hoch ist der Arbeitsaufwand für dieses Studium? Die Semesterwochenstundenzahl liegt im Bachelorstudium jedes Semester zwischen 30 und 35 SWS, davon ist meistens jeden Tag vormittags Vorlesung / Seminar (Beginn 8 bis 10 Uhr) und nachmittags Praktikum im Labor (Ende 17 bis 19 Uhr). Danach ist aber durchaus noch eine Menge zu tun, wie z.B. Protokolle schreiben, Vorlesungen nachbereiten, Referate vorbereiten etc. Am Wochenende gibt es auch immer genug zu tun, sodass die Freizeit während des Semesters sehr gering ist. Dafür sind die Semesterferien (zumindest in den ersten Semestern) ganz frei. Später kann die vorlesungsfreie Zeit für Wahlpflichtpraktikum oder Bachelorarbeit genutzt werden. Im Masterstudium hängt das Pensum während des Semesters davon ab, ob man Forschungspraktika während des Semesters absolviert und so die Veranstaltungen komprimiert oder ob man die Forschungspraktika in die vorlesungsfreie Zeit legt und so die Semesterwochenstunden gleichmäßig verteilt.

Wie wichtig sind Englisch-Kenntnisse für das Studium? Englischkenntnisse sind im Bachelorstudium nicht nötig, im Masterstudium aber für die Zulassung gefordert. Einige Veranstaltungen des Masterstudiums werden auf Englisch abgehalten und beinhalten Studentenreferate auf Englisch. Das ist insofern sinnvoll, als die Arbeitssprache in einer späteren Tätigkeit in Industrie und Forschung mit einiger Wahrscheinlichkeit Englisch sein wird und so die Möglichkeit besteht, bereits im Studium darauf vorbereitet zu werden.

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