Oxforder Magister Juris

Dr. Moritz Hennemann, Referendar

"Historisch bedingt": Der Oxforder Magister Juris

In Oxford gibt es keinen LL.M. Das kanonische Recht wird in Oxford bereits seit Jahrhunderten nicht mehr gelehrt. Ein Master of Laws verbietet sich daher. Historisch bedingt – ein in Oxford stets wiederkehrendes Argumentationsmuster – gibt es nur die Aufteilung der Postgraduierten-Studiengänge in einen Bachelor of Civil Law (BCL) und in einen Magister Juris (M.Jur.). Während sich der BCL an Common-Law-Juristen richtet, absolvieren Juristen aus kontinentaleuropäischen Rechtstraditionen den M.Jur. – den "Oxforder LL.M."

Der Weg nach Oxford

Im Anschluss an die Erste Juristische Prüfung und eine einjährige Tätigkeit als akademischer Mitarbeiter habe ich in Oxford studiert und die Zeit dort sehr genossen. Bereits bei der Bewerbung wird man mit den oxfordeigenen Besonderheiten konfrontiert. Zusätzlich zu den üblichen Bewerbungsunterlagen wird man dazu aufgefordert, eine Präferenz für eines der Colleges anzugeben – eine Wissenschaft für sich, gilt es doch, fachliche Ausrichtung, Lage des Colleges und der College-Wohnungen, soziale Aktivitäten, Renommee und Architektur zu berücksichtigen – um nur die gängigsten Kriterien zu nennen. Von außen gesehen mag die Wahl eher unbedeutend scheinen; einmal in Oxford angekommen, ist man schnell anderer Meinung. Ich würde jedem empfehlen, sich vorab mit den Colleges zu beschäftigen und Ehemalige zu befragen. Ich habe mich für das Lincoln College entschieden – ein kleines College im Zentrum Oxfords, das den mittelalterlichen Charme des klosterähnlichen Aufbaus mangels finanzieller Möglichkeiten über Jahrhunderte hinweg bewahrt hat. Ich kannte das College von vorherigen Besuchen in Oxford und durch Freunde, die dort studiert hatten. Der Wunsch, einmal in Oxford zu studieren, existierte dagegen seit meiner teilweise in England verbrachten Schulzeit.

Die Bewerbungsvorbereitungen sollte man mindestens ein Jahr vor Beginn des Studiums treffen – trotz des relativ späten Bewerbungsschlusses im Januar. Zudem mag auch entscheidend sein, dass man sich – wie auch ich – bei einer weiteren englischen Universität bewirbt, deren Bewerbungsschluss früher angesetzt ist. Hinsichtlich Oxforder Stipendien ist zu beachten, dass man sich bereits bei der Bewerbung nicht nur für die Universitätsstipendien bewerben muss, sondern – durch Eingabe eines auf der Fakultätshomepage verfügbaren Codes – automatisch und ohne weiteren Aufwand auch für die Fakultätsstipendien berücksichtigt wird. Das eigene College hält gegebenenfalls weitere Stipendien bereit. Die Studiengebühren belaufen sich auf rund 12.500 Britische Pfund zuzüglich ungefähr 10.000 Britische Pfund Lebenshaltungskosten.

Aufbau und Organisation

In fachlicher Hinsicht wählen M.Jur.-Studenten vier Fächer aus einem ca. 30 bis 40 Fächer umfassenden Pool aus. Jedes Fach wird durch Vorlesungen und/oder Seminare vermittelt und durch Tutorials ergänzt. Tutorials sind Fachgespräche mit der jeweiligen Lehrkraft im kleinen Kreis (in der Regel zwei bis drei Studenten). Tutorials auf Postgraduierten-Ebene sind ein echtes Privileg der Oxforder Ausbildung und ein absoluter Höhepunkt meiner Oxforder Zeit. Fakultativ kann eines der Fächer durch eine Dissertation ersetzt werden, die durch eine Lehrkraft der Fakultät betreut wird. Ferner besteht für M.Jur.-Studenten die Möglichkeit, ein Undergraduate-Fach (etwa Contract Law oder Company Law) zu wählen und damit intensiv ins Common Law einzusteigen. Die Wahl eines Undergraduate-Fachs ist unbedingt zu empfehlen. Das Studium des Common Law erfolgt gemeinsam mit Undergraduates vor allem in Tutorials und vermittelt das Wesen der klassischen Oxforder Ausbildung in Reinform. Ich habe mich für Contract Law entschieden und diese Wahl zu keinem Zeitpunkt bereut. Zudem wählte ich die Kurse European Private Law: Contract, Competition Law und Transnational Commercial Law. Fast alle Fächer werden mit einer Abschlussklausur am Ende der rund zehn Monate dauernden Studienzeit abgeschlossen. Die Graduierung erfolgt zumeist einige Zeit später, wenn man für eine Graduation Ceremony nach Oxford zurückkehrt.

Clubs, Societies und Rudern

Das soziale Netz des Colleges bietet neben zahlreichen Veranstaltungen zudem hervorragende Sportmöglichkeiten. Das – natürlich nicht obligatorische – Rudern zählt für viele dazu. Darüber hinaus buhlen auf Universitätsebene mannigfaltige Clubs und Societies um die knappe Zeit der Studenten. Hervorgehoben sei nur die Oxford Union – der traditionsreiche Oxforder Debattierclub. Das Angebot ist so vielfältig, dass man auch nach einem Jahr nur eine vage Ahnung hat, was verteilt über Colleges und sonstige Einrichtungen tagtäglich stattfindet – von der Liste der fachlichen Vorträge ganz zu schweigen.

Fazit

Wer das mittelalterliche Oxford und seine Traditionen ernst, aber keinesfalls zu ernst nimmt, wird ein überaus bereicherndes Jahr erleben. Oxford ermöglicht eine Ausbildung auf höchstem Niveau und ein fachübergreifendes Miteinander, das eine unvergessliche Studienzeit ermöglicht.

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