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Mind Mapping

Artikel zu Mind-Mapping – einem Grundwerkzeug für die Wissensgesellschaft.

Neue Herausforderungen in der Wissensgesellschaft

Seit einigen Jahren sprechen Wissenschaftler von einem Paradigmenwechsel von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft. Wir leben heute in einer Gesellschaft, die auf Wissen basiert, in der Wissen einen unmittelbaren Produktions- und Wettbewerbsfaktor darstellt. Wissen ist im Gegensatz zu Informationen nicht in Büchern oder auf Festplatten gespeichert, sondern in Organisations- und Managementstrukturen, sowie in jedem einzelnen Menschen und beschreibt die Gesamtheit seiner Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse.

Vor diesem Hintergrund kommt es heute mehr denn je darauf an, die unglaubliche Menge an Informationen zu verarbeiten, zu filtern und mit bereits bestehendem Wissen zu vernetzen. Jeder Einzelne benötigt dabei Strategien, vorhandene Komplexität zu reduzieren und das für ihn individuell Wichtigste herauszuarbeiten und zu strukturieren.

Mind Mapping als Antwort

Im Artikel Lesetechniken kann noch auf bereits bekannte Methoden verwiesen werden, den Prozess der Informationsaufnahme und Informationssichtung zu beschleunigen. Ein weiteres Element stellt das Strukturieren, Organisieren und Visualisieren von Informationen und Gedanken dar. Neben der Fähigkeit zu Aufnahme von Informationen, z.B. durch Lesen, beeinflusst die Fähigkeit der Informationsverarbeitung unser Lernen und unseren Umgang mit Wissen.

Geschichte

Bereits in den 1970ern beschäftigte sich der britische Wissensschaftsjournalist Tony Buzan mit dem Gehirn, dem Lernen und Art und Weise wie viele Menschen mit Informationen umgehen. Erstaunlich ist dabei, wie wir Menschen in der Schule, in der Universität und später im Beruf eine Art und Weise des Umgangs mit Information anerzogen bekommen, die die natürliche Funktionsweise unseres Gehirns wenig unterstützt und dieser sogar oft entgegen steht. Hier hat sich bis heute leider nur wenig geändert! Buzan entwickelte daraufhin eine Technik, Gedanken und Informationen zu Strukturieren, zu Organisieren und zu Visualisieren, die sich an den damals anerkannten Erkenntnissen über die Arbeitsweise unseres Gehirns und den Eigenschaften unserer beiden Gehirnhälften orientierte. Es entstand eine gehirngerechte Methode, die er Mind Mapping nannte, da es bei Mind Mapping darum geht, eine Karte der eigenen Denkprozesse zu erstellen (siehe Bild).

Das Besondere an Mind Mapping

Mind Mapping vereint auf natürliche Weise verschiedene Fähigkeiten unseres Gehirns: Es wird mit Wörtern und Zahlen gearbeitet, aber auch mit Farben, Bildern und Symbolen. Es wird eine Struktur (in Form von Zweigen) und eine Hierarchie (von innen nach außen) von Informationen abgebildet, dennoch wird die Information nicht wie z.B. bei diesem Text von oben nach unten in sequenzieller Form dargestellt, sondern breitet parallel in Form von Assoziationsketten von innen nach außen aus. Mind Mapping spricht die unterschiedlichen Fähigkeiten und Sinneskanäle unseres Gehirns an und führt so zu einer sehr effektiven Art der Informationsverarbeitung, da Information mehrfach kodiert werden, z.B. durch Bilder, Farben und Worte.

Es gibt einige wenige Regeln zur Erstellung, die für den richtigen Einsatz der Technik äußerst wichtig sind, z.B., dass auf jeden Zweig nur ein Schlüsselwort geschrieben wird.

Wenn 10 Menschen ein Mind Map zum gleichen Thema erstellen, dann kommen 10 zum Teil völlig verschiedene Ergebnisse heraus, weil Mind Maps ein Abbild der individuellen Gedanken darstellen. Darin liegt auch der große Nutzen für den Autor eines Mind Maps, durch die Individualität ist das Speichern und Abrufen von Informationen sehr einfach. Das bedeutet allerdings auch, dass Mind Maps, wenn sie mit anderen geteilt werden sollen, kommuniziert werden müssen.

Die Vorteile

Miteinander Reden 1 klein
Beispiel eines Mind Maps zum Buch "Miteinander Reden" von Friedemann Schluz von Thun

Mit Hilfe von Mind Maps können sehr große Informationsmengen sehr stark verdichtet auf einem Blatt oder wenigen Blättern dargestellt werden (Das obige Beispiel zeigt den Inhalt des Buches Miteinander Reden 1, von Friedemann Schulz von Thun). Sie erleichtern es so, immer einen Überblick über das gesamte Thema zu haben und Zusammenhänge und Verknüpfungen zu erkennen. Sie vereinfachen das Organisieren und Strukturieren komplexer Daten und eignen sich hervorragend zur Planung und Darstellung verschiedenster Projekte, egal ob es sich um eine Präsentation oder eine Prüfungsvorbereitung handelt.

Mind Maps sparen Zeit, sie sind schnell erstellt und schnell wiederholt. Anstatt viele Seiten zu schreiben und zu lesen genügt jetzt ein Mind Map.

Sie fördern Kreativität und Ideen. Kreativität entsteht durch das verlassen ausgetretener Pfade und durch die Neukombination vorhandener Ideen. Durch die assoziationsgeleitete Herangehensweise und den Einsatz von Bildern und Farben sind die Möglichkeiten für Kreativität und neue Ideen vielfältig. Jeder einzelne Ast eines Mind Map ist wiederum Ausgangspunkt für viele weitere neue Ideen.

Anwendungsgebiete

Die Einsatzgebiete sind (fast) unbegrenzt. Mind Mapping ist weit mehr als eine Kreativtechnik auf die sie oft reduziert wird. Immer dann, wenn es darum geht, mit Gedanken und Informationen umzugehen, kann Mind Mapping verwendet werden. Egal ob Brainstorming, Aufzeichnungen bei Vorlesungen und Vorträgen, Konzepterstellung und Planung oder bei der Ausarbeitung von Präsentationen, der Vorbereitung von Besprechungen und als Bestandteil des Wissensmanagements eines Unternehmens, in allen diesen Bereichen kann Mind Mapping zu effektiverem und kreativerem Denkmanagement führen.

Neue Entwicklungen

Seit einigen Jahren gibt es Software, die den professionellen Mind Mapper unterstützt. Dabei können die Möglichkeiten elektronischer Datenverarbeitung mit den Prinzipien des Mind Mapping verbunden werden. Dadurch eröffnen sich eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten und Einsatzgebiete. Einzelne Zweige eines Mind Maps können jetzt z.B. mit Dateien und anderen Anwendungen verknüpft werden, es entsteht buchstäblich ein persönliches Wissensnetz. Besonders gern genutzt wird die Software von Unternehmen, die hier einen Weg entdeckt haben, Organisation und Planung zu beschleunigen. Durch den Computereinsatz wird die ursprüngliche Form und einige der ursprünglichen Prinzipien des Mind Mapping verändert. Am Computer erstellte Maps heißen daher Business Maps.

Die Softwarelösung MindManager [1] genießt besonders in Unternehmen eine weite Verbreitung. Ihr stehen jedoch auch kostenlose Alternativen wie FreeMind [2] gegenüber. Ähnlich funktioniert auch die kostenlose Website juraLIB, auf der man unkompliziert Mindmaps erstellen und mit Freunden teilen kann.

Anwendungsbeispiel

Seit 2001 hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das so genannte "Forschungs-Informations-System (FIS)" aufgebaut und weiterentwickelt, bei dem nach der Mind-Mapping-Methode erstellte Wissenslandkarten das zentrale Struktur- und Navigationselement darstellen. Das Ziel von FIS ist die Unterstützung des Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und (politischer) Praxis. (http://www.forschungsinformationssystem.de/) --Thomas sauterservaes 09:17, 22. Aug 2006 (CEST)

Autor

Florian Rustler (26) ist e-fellow und einer von sechs zertifizierten Mind Mapping®-Trainern in Deutschland. Er gibt mit seiner Firma creaffective Seminare für Organisationen und Unternehmen in Deutschland und Taiwan.

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