MPA in Public Policy and Management (London School of Economics, LSE)

Allgemeine Informationen

Seit einigen Jahrzehnten bieten US-Amerikanische Universitäten einen spezialisierten Master of Public Administration, MPA, (mit einer Spezialisierung) an. Die London School of Economics and Political Science (LSE) bietet seit mehr als 10 Jahren als eine der wenigen europäischen Einrichtungen ebenfalls einen MPA an. Mittlerweile wird der MPA in Form von vier sogenannten Streams angeboten: Public and Economics Policy, Public Policy and Management, European Public and Economic Policy, sowie International Development.

MPA - was ist das?

Ein MPA ist gleichzusetzen mit einem MBA (Master of Business Administration), wobei das B für Business durch das P für Public ersetzt wird. Der MPA ist ein 'interdisziplinärer Abschluss [...] um den Bedarf an hoch-qualifizierten und politik-erfahrenen Menschen in öffentlichen Einrichtungen aller Art zu decken' (LSE Website).

Was macht den MPA so 'besonders'?

Wie der MBA ist der MPA ein 'professional degree' - es wird daher Berufserfahrung erwartet (aller Art, aber im öffentlichen Sektor wird bevorzugt). Es ist außerdem ein Master-Abschluss so wird auch ein abgeschlossenes Bachelor Studium erwartet (oder equivalent) in irgendeiner Disziplin.
Reguläre M.A. oder M.Sc. Abschlüsse in England laufen über ungefähr ein Jahr - ein MPA dauert dagegen 21 Monate und beinhaltet neben einer Abschlussarbeit (Dissertation) und den Kursen auch ein 'Capstone Project'.

MPA an der LSE

Die London School of Economics and Political Science ist eine der weltweit führenden Universitäten (besonders in International Relations und Economics - 'social sciences') und verfügt daher über ein besonders anspruchsvolles und aufregendes Angebot an Kursen, die oftmals von den führenden Köpfen ihres Fachbereiches unterrichtet werden. Mit über 140 Ländern aus denen Komilitonen stammen, hat man die Möglichkeit zu globalen Wissens- und Kulturaustausch.

Studienaufbau - kein MPA wie der andere

Neben 'Core Courses' (Pflichtkursen) in Micro- und Macroökonomie, sowie in Politik (Politics and Policy) und in Gruppenarbeits-, Präsentations- und 'Leadership', und vor allem (Public-)Management, haben MPAler die Möglichkeit aus der ganzen Palette der LSE auszuwählen. So ist sehr einfach eine Spezialisierung in Wirtschaft (Economics), Recht (Law), Städtebau (Urban Policy), Umweltpolitik (Environmental Policy), Psychology (Organizational Psychology) oder vielem anderen möglich, aber nicht zwingend.
Die Kurse sind durch Fallstudien und Projektanalysen sehr für den 'Praktiker' konzipiert, lassen aber auch Theorie zu (es gibt also auch MPAler, die nach dem anwendungs-orientierten Studium die akademische Laufbahn zu einem PhD einschlagen).
Neben der Abschlussarbeit (der Dissertation), ist das 'Capstone Project' eine Kurseinheit, die trotz Komplexität sehr geliebt wird. Im Projekt haben 4-8 Studenten über 10 Wochen die Aufgabe, beigeordnet zu einer öffentlichen Einrichtung, für ein Problem welches im Aufgabenbereich der Organisation liegt, eine Lösung zu erarbeiten - und diese dann vor Entscheidungsträgern selbiger vorzustellen.
Mit 20 bis 30 Studenten pro Stream ist das Studium exzellent betreut. Dazu werden MPA-spezifische ('Core') Kurse auch so limitiert, dass diese Kurse von nicht-MPA Master-Studenten nur in Ausnahmefällen gewählt werden können.

Double-Degree: Science Po/Columbia University/Hertie School of Governance

Neben den regulären 21 Monaten an der LSE, kann man auch das zweite Jahr an der Sciences Po Paris, der Hertie School of Governance in Berlin, der Lee Kuan Yew School of Public Policy der National University of Singapore (NUS) oder der Columbia University in New York (SIPA) verbringen. Einer kleinen Gruppe von MPAlern steht diese Option nach Annahme an einer der vier Institutionen offen (man wird im Lent Term darüber informiert). Alle vier Institutionen haben ihre MPAs so aufgebaut, dass Kurse und Semesterzeiten ohne Probleme zusammen passen.

MPA in Public and Economic Policy vs. MPA in Public Policy and Management

Auf den ersten Blick gibt es keinen Unterschied in Kosten, Dauer und Auswahlmöglichkeit von Zusatzkursen ('Optionals'). Wie allerdings der Name schon sagt, liegt der Fokus beider Studiengänge verschieden. Der letzte orientiert sich dabei an der immer (in der anglo-amerikanischen Verwaltung) populäreren Idee des 'New Public Management' - der Übernahme von Lösungsansätzen aus dem privaten Sektor auf den öffentlichen. Die Idee, dass der klassische Bürokrat oder Politiker auch gleichzeitig ein Manager ist. Der MPA in Public Policy and Management setzt also seinen Schwerpunkt auf Budgetierung, Auditing, Management und (Verwaltungs-)Führung, im 21. Jahrhundert. Dabei kann der Student sich mit der Wahl von Zusatzkursen auf z.B. Themen (wie Umwelt oder Einwanderungspolitik) oder Erdteile/Regionen (wie China oder Lateinamerika) spezialisieren.

An wen richtet sich das Studium

Wie schon eingangs bemerkt, ist das Studium ganz klar für solche Studenten konzipiert, die später im öffentlichen Sektor tätig werden wollen. Ob dies auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene (wie der Weltbank oder den Vereinten Nationen) stattfindet, ist dabei nicht festgelegt. Dass allerdings am Ende des Studiums die Studenten eine Laufbahn in diesem Sektor einschlagen (oder fortsetzen) ist allerdings keineswegs automatisch. Das Studium - durch die Konzeption sowie den praktischen und analytischen Abschnitten - befähigt ebenfalls für eine Karriere in den Medien und dem privaten Sektor.

Vor- und Nachteile

Kleine Lerngruppen, fallstudienorientiert, in London (wer die Metropole liebt), an einer Uni mit Weltruf (und die Möglichkeit zum 'Double-Degree'), und beste Berufsaussichten... das sind einige der Faktoren, die den MPA besonders attraktiv machen.

Die negativen Aspekte sind vor allem in den Kosten zu finden. Zum einen ist der Master - wie in den USA - zweijährig, was gegenüber dem einjährigen Studium zeitlich zu Buche schlägt. Vor allem aber sind die Studiengebühren, die ungefähr bei 16.000 Pfund (2009/2010) pro Jahr liegen, beachtlich. Berechnet man also den Umrechnungskurs mit ein, liegt man bei ungefähr 40.000 Euro. Dazu kommen natürlich noch die Lebenshaltungskosten in einer der teuersten Metropolen der Welt, die von der LSE mit mindestens 800-1000 Pfund pro Monat betitelt werden.

Abhilfe können da Stiftungen wie Haniel schaffen.

Bewerbung

Berufserfahrung, Praktika, soziales Engagement sind ein Muss. Dazu ist die Kenntnis der englischen Sprache - zu zertifizieren mit TOEFL oder IELTS, wenn nicht schon der Bachelor in England gemacht wurde - Pflicht. Weitere Sprachen können angegeben werden, addieren aber 'nur' zum Gesamtbild. Ein Motivationsschreiben und die Zeugnisse der (universitären) Abschlüsse sind ebenfalls wie auch zwei Referenzschreiben beizulegen. Bei letzteren muss eines ein akademisches sein, wobei das zweite auch vom Vorgesetzen stammen kann (aber nur in gewissen Umständen). Da nur etwa jeder zehnte Bewerber/in genommen wird, werden exzellente Studienabschlüsse vorrausgesetzt.

Weblinks