Leben in Frankreich

Wohnen in Frankreich

Mangelware Wohngemeinschaft

Viele Franzosen wohnen während ihres Studiums noch bei den Eltern. Wohngemeinschaften sind eher selten. Viele Studentenwohnheime bieten Gemeinschaftsräume, in denen Partys gefeiert werden können - eine preiswerte Alternative zu Bars und Diskotheken. Wie ausgeprägt die Feierneigung ist, hängt stark von der Region und vom Fachbereich ab. Im Süden wird mehr gefeiert.

Öffentliche Studentenwohnheime

Am preisgünstigsten sind Zimmer in Studentenwohnheimen, die von den CROUS oder anderen gemeinnützigen Einrichtungen verwaltet werden. Am wenigsten anspruchsvolle (ca. 9 qm, Gemeinschaftsküche etc.) kosten zwischen 100 und 140 Euro im Monat. Um ein Zimmer im Studentenwohnheim muss man sich in der Regel schon im Frühjahr bewerben. Gemmeinnützige und private Wohnungsvermittlungen für Studierende geben ihre Angebote gegen ein relativ geringes Entgelt heraus. Allerdings ist die Anzahl der Wohnheimplätze für ausländische Studierende begrenzt. Freie Zimmer werden auch dann nicht vergeben, wenn sich kein französischer Student findet der sie beziehen möchte.

Privater Wohnungsmarkt

Auf dem privaten Wohnungsmarkt zahlst du für eine Einzimmerwohnung in der Provinz 200 bis 300 Euro. In Paris und anderen Großstädten wie z.B. Toulouse musst du mindestens (mit viel Glück) 350 Euro, meist aber um die 500 Euro aufbringen. Diese Summen gelten für eine bescheidene Unterkunft. Möchtest du mehr, musst du mit einer entsprechend höheren Miete rechnen. Mehr zahlen musst du auch, wenn du erst spät anfängst zu suchen.

Idealer Zeitpunkt

Auf dem privatem Markt ist das Angebot im Juni/Juli noch sehr groß und der Zeitdruck gering. Der Nachteil: Du musst die Wohnung dann schon ab August oder noch früher mieten. Im September und Oktober fallen Wohnungssuchende wie Heuschrecken in den Wohnungsmarkt ein und grasen die guten Angebote blitzschnell ab. Vorsicht: Im August fahren alle Franzosen in den Urlaub. Der Wohnungsmarkt ist eine Wüste.

Formalia

Auch wer es endlich geschafft hat, hat noch einiges vor sich: Vor der Unterzeichnung des Mietvertrags muss oft eine Gehaltsbescheinigung oder ein anderer Einkommensnachweis vorgelegt werden. Die Kaution beträgt meist ein bis zwei Monatsmieten. Zudem musst du eine assurance multirisques abschließen - für den Hausrat und als Haftpflicht für die Wohnung. Die studentischen Genossenschaften (mutuelles) bieten solche Versicherungen zu relativ günstigen Tarifen an.

Staatlicher Mietzuschuss

Wer nur geringe Einkünfte hat und in einer bescheidenen Wohnung wohnt, kann in Frankreich einen staatlichen Mietkostenzuschuss bekommen. Diese 'aide personnalisée au logement' (APL) kannst du bei derjenigen 'Caisse locale d'allocation familiale' beantragen, die für deinen Wohnort zuständig ist. Die Franzosen kennen sie übrigens nicht unter ihrer offiziellen Bezeichnung, sondern nennen sie nach der auszahlenden Stelle 'CAF' (sprich kaff). Achtung: Die CAF bekommt nur der Hauptmieter, was scheinbar günstige Zimmer zur Untermiete mangels CAF-Zuschuss unter dem Strich zu einer teuren Angelegenheit macht.


Medizinische Versorgung

Kassenpatient?

Ohne den Nachweis eines bestehenden Krankenversicherungsschutzes kannst du dich in Frankreich nicht immatrikulieren. Hierfür genügt eine Bescheinigung der Europäischen Krankenversicherungskarte deiner Heimat- krankenkasse (früher: Versicherungsbescheinigung E-111). Sie sollte nicht nur ein Semester, sondern bis zum 1. September des Studienjahres gültig sein.

Privat versichert?

Bist du privat versichert, sieht die Sache etwas anders aus. Nicht alle französische Hochschulen akzeptieren die Bescheinigung eines privaten Versicherungsträgers. Du kannst aber der studentischen Krankenversicherung beitreten (sécurité sociale étudiante (SSE)). Hierfür darfst du noch nicht älter als 28 Jahre sein. Der Jahresbeitrag liegt bei etwa 180 Euro (Angaben von 2004).

Vorsicht: Kostenlücke!

Gesetzliche Krankenversicherungen bieten nicht immer eine hundertprozentige Kostendeckung. Bei einem Krankenhausaufenthalt erstatten sie dir unter Umständen nur 80 Prozent der Kosten. Bei einem Arztbesuch sind es 70 Prozent. Kosten für Medikamente zu 35 Prozent, zu 75 Prozent und ganz selten zu 100 Prozent. Schließe für einen vollständigen Versicherungsschutz eine Zusatzversicherung bei einer studentischen 'mutuelle' ab. Einen guten Überblick dazu und zu allen weiteren Fragen der Krankenversicherung als Student in Frankreich bietet die Website des Informations- und Dokumentationszentrums für das Studium in Frankreich.

Kein Arztbesuch ohne Bares

Die Kosten für Arztbesuche und Medikamente musst du vorstrecken. Ein Besuch bei einem Allgemeinarzt kostet zwischen 20 und 26 Euro. Den Arzt kannst du Arzt frei wählen. Achte darauf, dass dein Arzt einen Vertrag mit der 'sécurité sociale' abgeschlossen hat. Du erhältst nach der Behandlung eine 'feuille de soins'. Die legst du zusammen mit dem Rezept in der Apotheke vor. Auf den Medikamenten befinden sich kleine Aufkleber (vignettes). Die musst du unbedingt auf die 'feuille de soins' an vorgesehener Stelle aufkleben und an deine Versicherung schicken. Sonst gibt es kein Geld zurück. In der Regel erstattet dir deine Krankenversicherung innerhalb weniger Wochen das Geld zurück.


Weblinks

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