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Wofür du das Latinum benötigst

Beim examen Latinum, Kurzform: Latinum, handelt es sich wörtlich übersetzt um eine Prüfung, die Kenntnisse der lateinischen Sprache bescheinigt. Es ist Voraussetzung für die Zulassung zum Studium zahlreicher Fachgebiete, vor allem aus den Geisteswissenschaften und Fremdsprachen.

Obwohl mit der Herausbildung der romanischen Sprachen ab der Spätantike das Hochlateinische kaum noch gesprochen wurde, besteht es doch in der Wissenschaftssprache fort, sodass Latein-Kenntnisse heute an vielen deutschen Hochschulen Voraussetzung zur Zulassung für bestimmte Studienfächer sind. Nach Aussage des Altdeutschen Philologenverbandes gibt es derzeit 120 Fächer, bei denen Latein-Kenntnisse verlangt werden.

Eine weit verbreitete Binsenweisheit lautet, dass man Latein am Besten in der Schule und nicht erst später während des Studiums lernt. Tatsächlich berichtet das Magazin Focus, dass Latein in den letzten Jahren Französisch als alternative Fremdsprache an den Gymnasien verdrängt habe, und das, obwohl vor fünf Jahren das Interesse an Latein so stark zurückgegangen war, dass viele Kurse überhaupt nicht mehr zustande kamen. Latein galt als "tote" Sprache und angesichts der gern verbreiteten Devise, die Welt würde zunehmend globaler, entschieden sich viele für die offenbar lukrativeren "lebenden" Sprachen wie Französisch und Spanisch. Diese Entscheidung, getroffen oftmals zu einem Zeitpunkt, zu dem zukünftige Studienabsichten noch unklar waren, holt jedoch jährlich Studienanfänger bei der Wahl des Studienfachs wieder ein. Möchte man das Studium nun trotz fehlender Latein-Kenntnisse aufnehmen, muss das fehlende Wissen entweder an den Universität oder in Privat-Kursen nachgeholt werden.

Unterscheidung großes und kleines Latinum

Schüler, die im Verlauf der Sekundarstufe I die Möglichkeit haben, Latein zu wählen, werden in der Regel im Vorfeld der Wahlen darüber informiert, dass Latein notwendige Voraussetzung für viele Studienfächer ist. Neben der Tatsache, dass die Entscheidung über Studienfach oder Hochschule von vielen Schülern zu diesem früher Zeitpunkt noch nicht getroffen werden kann, spielt auch die Uneinheitlichkeit der Regelungen, die je nach Bundesland voneinander abweichen, eine entscheidende Rolle, warum das Argument von vielen Schülern nicht ernst genommen wird.

Früher war die gängige Praxis, zwischen dem großen Latinum und dem kleinen Latinum zu unterscheiden, allerdings wurde diese Unterscheidung in den letzten Jahrzehnten immer weiter aufgehoben. So kann man heute das kleine Latinum in vielen Bundesländern (z.B. in Bayern) nicht mehr erwerben, wohingegen andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen es weiterhin anbieten. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass viele Hochschulen das kleine Latinum zur Dokumentation von Latein-Kenntnissen nicht mehr anerkennen, sondern das große Latinum verlangen. Das große Latinum erhält man in der Regel nach fünf aufeinander folgenden Jahren Latein-Unterricht, den man mindestens mit der Abschlussnote ausreichend beendet hat. Aufgrund der zunehmenden Zurückdrängung des kleinen Latinums wird das große Latinum oftmals auch lediglich als Latinum oder KMK-Latinum (von Kultusministerkonferenz) bezeichnet.

Grundsätzlich gilt, dass die Bezeichnungen und jeweiligen Erfordernisse in so gut wie jedem Bundesland unterschiedlich sind. Am besten ist, man informiert sich frühzeitig über die mögliche Qualifikation, die man in einem Bundesland erhalten kann, sowie bei den jeweiligen Hochschulen, was für Latein-Kenntnisse sie als Voraussetzung für bestimmte Studiengänge verlangen. Einheitliche Regelungen zwischen den Bundesländern und Hochschulen wären hier zur Vereinfachung und besseren Übersichtlichkeit jedoch sicherlich wünschenswert.

Möglichkeiten zum nachträglichen Erwerb

Hat man es versäumt, während der Schulzeit sein Latinum zu machen, bieten sich einem anschließend in der Regel zwei Möglichkeiten des Nachholens. Eine naheliegende Option ist sicherlich, fehlende Latein-Kenntnisse an der Uni zu erwerben. Hochschulen, die Latein-Kenntnisse für bestimmte Studiengänge fordern, bieten oft interne oder auch externe Latein-Kurse an, die in der Regel kostenlos sind. Die Dauer, bis die geforderten Latein-Kenntnisse erreicht sind, ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich und hängt auch von Motivation und Begabung des Studierenden ab. Um das große Latinum zu erreichen, benötigt man jedoch in der Regel zwischen 1,5 und 2 Jahren. Die höheren Anforderungen an der Uni werden an dieser Stelle deutlich, muss doch der Stoff, der am Gymnasium in fünf Jahren unterrichtet wird, nun in nicht einmal der Hälfte der Zeit aufgearbeitet werden.

Ein entscheidender Nachteil der Uni-Kurse ist jedoch, dass sie in der Regel gnadenlos überfüllt sind. Im Durchschnitt hat ein Latein-Kurs an der Uni zwischen 90 und 100 Teilnehmern, was es dem Dozenten unmöglich macht, auf den einzelnen individuell einzugehen, auch wenn die Kursgröße in der Regel im weiteren Verlauf aufgrund der hohen Ansprüche kontinuierlich abnimmt. Um einen qualitativ besseren Latein-Unterricht mit höheren Erfolgschancen zu erhalten, gibt es deshalb auch die Möglichkeit, die Kurse privater Anbieter zu belegen. Hier ist die Teilnehmerzahl in der Regel deutlich geringer und liegt im Durchschnitt bei etwa 20. Die Qualität des Unterrichts ist bei privaten Anbietern oft besser, da diese miteinander im Wettbewerb stehen und so ein Interesse an motivierten und qualifizierten Lehrkräften und guten Unterrichtsmaterialien haben. Ein Nachteil von Privat-Kursen ist hingegen, dass sie kostenpflichtig sind. Die Preise sind in der Regel vom Standort und dem Unternehmen, das die Kurse anbietet, abhängig. Abhängig vom Angebot schwanken die Preise von Privat-Kursen in der Regel zwischen 100 und 500 Euro.

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