LL.M. in Wellington

Matthias Lodemann, Promovend an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und freiberuflicher Dozent für Arbeits- und Zivilrecht

LL.M. in Neuseeland: Kia ora in Wellington

Im Jahr 2010 absolvierte ich einen LL.M. by Coursework an der Victoria University of Wellington in Neuseeland. Kia ora ist die indigene Begrüßungsformel, die ich in den ersten Tagen – und während des ganzen Jahres – immer wieder zu hören bekommen habe.

Warum gerade nach dem Ersten Staatsexamen?

Ich hatte mich entschlossen, den LL.M. direkt nach dem Ersten Staatsexamen zu absolvieren, da ich mich während des Studiums entschieden hatte, auf ein Auslandsjahr zu verzichten, um das Studium schnell und stringent zu beenden. Dabei empfehle ich ausdrücklich, den LL.M. wegen der besseren Kursauswahl im Februar zu beginnen, auch wenn das – wie bei mir – eine Wartezeit von einigen Monaten mit sich bringt.

Warum gerade Wellington?

Sicherlich gibt es weltweit LL.M.-Programme mit besserem Renommee als das der Victoria University, obwohl auch diese insbesondere Down Under einen ausgezeichneten Ruf genießt. Weil das LL.M.-Jahr aber finanziell und zeitlich eine Herausforderung darstellt, sollte für mich alles stimmen: Fachliches, Umgebung, Land. Da ich bereits ein Jahr in den USA gelebt hatte, wollte ich etwas Neues kennenlernen: Neuseeland. Auch das LL.M.-Programm (by Coursework; die Uni bietet aber auch einen LL.M. by Thesis oder eine Kombination aus beiden Programmen an) sagte mir zu; denn statt einer großen Arbeit wollte ich einen möglichst breit gefächerten Überblick. Schwerpunkte werden an der Victoria vor allem im Bereich Arbitration, aber auch im Public Law gesetzt.

Was gibt es zur Bewerbung zu sagen?

Zunächst eine Empfehlung: Das Institut Ranke-Heinemann, das über Studiengebühren finanziert wird, stellt eine unschätzbare Hilfe im Bewerbungsprozess dar, weil man immer deutsche Ansprechpartner hat. Da Sprachtest, Visum und Bewerbungsmodalitäten etwas Zeit benötigen, empfiehlt sich ein frühzeitiger Beginn der Bewerbung; andererseits hat es in meinem Jahrgang auch in Fällen mit kurzem Vorlauf geklappt. Dennoch sollte man sich möglichst früh bewerben, denn nur mit einer frühen Zusage (drei Monate vor Studienbeginn) lässt sich ein Wohnheimplatz ergattern – denn die Wohnungsnot in Wellington ist im Februar groß. Ich selbst konnte mir meine Wohnung noch auf der Anreise telefonisch vom Flughafen in Sydney sichern; viele andere Studenten mussten jedoch wochenlang im Hostel leben. Die Wohnheime sind durchaus empfehlenswert, auch wenn die Regeln zunächst recht streng wirken. Letztlich handelt es sich um normales WG-Leben in hervorragender Lage. Ich würde dabei jedem empfehlen, sich für das Stafford House zu bewerben. Ausziehen kann man dann immer noch zum zweiten Trimester, wenn die Wohnungsnot überschaubar ist; viele sind aber auch geblieben.

Wie hoch sind die Kosten?

Leider gilt das Abkommen zwischen Neuseeland und Deutschland für niedrigere Studiengebühren, die sogenannten Domestic Fees, nicht mehr. Man zahlt also die International Fees, rund 12.000 Euro. In Sachen Lebenshaltungskosten sind Neuseeland und Deutschland vergleichbar, und auch die obligatorischen Reisen (Sydney, Fidschi, Samoa sowie Rundreisen in Neuseeland selbst) sind nicht überteuert. Ein größerer Kostenpunkt ist natürlich noch das Flugticket. Für Informationen zu Stipendien empfiehlt sich wiederum ein Besuch der Homepage des Instituts Ranke-Heinemann, die sowieso immer erster Anlaufpunkt sein sollte.

Wie lebt und studiert es sich in Neuseeland?

Die Victoria University gibt sich große Mühe, die ausländischen Studenten mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten zu betreuen. Wer dabei vornehmlich auf Einheimische hofft, wird enttäuscht werden: Ein gutes Viertel der Master-Studenten kommt aus Deutschland. Dennoch knüpft man im typischen Einwandererland Neuseeland schnell Kontakte zu Studenten aus aller Welt – in meinem Fall aus Malaysia, von den Malediven, St. Lucia oder aus den USA. Fachlich gesehen hat man bei der Themenauswahl freie Hand, sodass die Arbeit durchaus Spaß macht. Auch die übliche Vollendung in zwei Trimestern stellt keine größeren Probleme dar. Zwar gilt neuseeländisches Recht allgemein als nicht sonderlich bedeutsam; dies ist jedoch ein Trugschluss: Gerade weil Neuseeland nur eine kleine Jurisdiktion darstellt, werden in der Rechtspraxis Fälle aus den großen Common- Law-Jurisdiktionen relevant. Ich musste also diverse Fälle aus England, Kanada, den USA und Australien zitieren, sodass man im Endeffekt einen hervorragenden Überblick über das gesamte Common Law gewinnen konnte. Ein weiteres Plus ist natürlich das Land an sich, dessen Schönheit für sich selbst spricht. Wer hier nicht zum Outdoor-Liebhaber wird, ist selbst schuld (und wahrscheinlich innerlich schon zu Stein erstarrt!).

Fazit

Der LL.M. by Coursework an der Victoria University of Wellington im mehr als multikulturellen Neuseeland empfiehlt sich für einen guten Überblick über das Common Law besonders dann, wenn man neben dem Fachlichen auch Wert auf eine rundum gelungene Erfahrung mit vielen Blicken über den eigenen Tellerrand legt.


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