LL.M. in London und Dresden

Isabella Schnöpf, Rechtsanwaltsanwärterin bei Baker & McKenzie – Diwok Hermann Petsche Rechtsanwälte GmbH

LL.M. International Studies in Intellectual Property Law an der Queen Mary, University of London und der TU Dresden

Nach Abschluss des österreichischen Diplomstudiums der Rechtswissenschaften und Absolvierung der ersten Gerichtsstation habe ich von Oktober 2009 bis September 2010 an einem LL.M.-Programm an der Queen Mary, University of London und der TU Dresden teilgenommen. Auf der Suche nach einem geeigneten LL.M.-Programm war es mir einerseits wichtig, einen auf IP-Recht spezialisierten, möglichst praxisbezogenen Studiengang zu finden und andererseits, Zeit im englischsprachigen Ausland zu verbringen. Relativ rasch fiel meine Wahl daher auf den LL.M.-Studiengang "International Studies in Intellectual Property Law", der seit über zehn Jahren von der TU Dresden organisiert wird und ein sehr aktives Alumni-Netzwerk hervorgebracht hat.

Die Möglichkeit, unterschiedliche Jurisdiktionen in einem durchaus harmonisierten Rechtsgebiet kennenzulernen und die praxisnahe Ausrichtung des Studiums durch das Angebot verschiedener Workshops, regelmäßiger Vorträge aus der Praxis, Moot Courts, Studienfahrten, einem Pflichtpraktikum sowie die Möglichkeit zur Absolvierung der Fachanwaltsprüfung für gewerblichen Rechtsschutz gaben letztlich den Ausschlag für die Programmwahl. Da ich fest entschlossen war, an diesem Studiengang teilzunehmen, habe ich mich an keiner weiteren Hochschule beworben.

Finanzierungsmöglichkeiten

Im Vergleich zu anderen LL.M.-Programmen sind die Studiengebühren relativ human, wobei es davon abhängt, für welche Partneruniversität man sich entscheidet. Dank eines Stipendiums ist es mir zudem gelungen, einen Teil der Kosten direkt zu finanzieren. Während der Semesterferien ist ein fachbezogenes Pflichtpraktikum zu absolvieren. Ich konnte dem europäischen Winter entkommen und sechs Wochen in Malaysia verbringen, die ich durch mein Praktikantengehalt problemlos finanziert habe. Festhalten möchte ich, dass es meines Erachtens nach nicht zu empfehlen ist, während des Studienjahres Nebenjobs anzunehmen, da einem ansonsten zahlreiche soziale Aktivitäten, die das LL.M.-Jahr erst so richtig bereichern, entgehen.

Studieninhalt und -ablauf

Das Studienjahr gliedert sich in zwei Teile: Das Wintersemester verbringen die Studenten an einer ausländischen Partneruniversität und das Sommersemester an der TU Dresden. Ein Einstieg ist in beiden Semestern möglich, und die Vorbereitungen für das Studium lassen sich bei sorgfältiger Planung meiner Erfahrung nach binnen weniger Monate erledigen.

London: An der Queen Mary, University of London konnten wir neben einem verpflichtenden Grundlagenkurs zum britischen IP-Recht aus einer Fülle von Kursen aus dem Bereich des geistigen Eigentums wählen, wie beispielsweise "IP Aspects of Medicine", "Cyberspace Law", "IP Fashion and Design" oder "IP Transactions". In den Vorlesungen standen Diskussionen im Vordergrund, auf die man sich mit umfangreichen Literaturlisten penibel vorzubereiten hatte. Einzelne Kurse wurden auch gemeinsam mit Studenten der LSE und UCL, die alle Mitglieder der Russell Group sind, abgehalten. In den gewählten Kursen war zu Semesterende eine Abschlussklausur abzulegen und daneben eine wissenschaftliche Arbeit im Umfang von rund 7.500 Worten zu verfassen. Um in das britische Studentenleben richtig einzutauchen, sollte man sich neben dem Studium unbedingt auch Zeit für das vielfältige Angebot der einzelnen Clubs und Societies der University of London Union nehmen. Abgesehen von Pub Crawls oder kulturellen Ausflügen sollte man auch den Einladungen von Großkanzleien zu Karriereveranstaltungen für LL.M.-Studenten folgen. Einige Kommilitonen nützten diese Möglichkeit gezielt, um sich über die Voraussetzungen für den Berufseinstieg in Großbritannien zu informieren.

Dresden: Das Sommersemester an der TU Dresden war vom Aufbau her sehr klar strukturiert. Neben dem Vorlesungsangebot standen regelmäßige Arbeitsgemeinschaften zum Marken-, Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht auf dem Programm. Pro Studienjahr werden nur rund 20 Studenten aufgenommen. Diese kleine Anzahl an Studenten gewährleistet eine ausgesprochen angenehme Arbeitsatmosphäre. Im Rahmen der wöchentlichen Praktikerforen mit Richtern und Rechtsanwälten konnten wir die theoretischen Kenntnisse auf ihre Praxistauglichkeit testen und Networking mit potenziellen Arbeitgebern betreiben. So war unter den Vortragenden beispielsweise auch einer meiner heutigen Anwaltskollegen aus dem Frankfurter Office von Baker & McKenzie vertreten. Weitere Bestandteile des Semesters bildeten unter anderem noch ein Moot Court am OLG Dresden, die mündliche Abschlussprüfung im Rahmen eines Kolloquiums und eine Studienabschlussfahrt nach München. Nach Semesterende verblieben noch rund zwei Monate für die Verfassung der Master-Arbeit.

Fazit

Auch wenn sich das LL.M.-Programm als durchaus arbeitsintensiv erwiesen hat – gelohnt hat es sich für mich in jeder Hinsicht. Abgesehen von der sozialen und kulturellen Bereicherung hilft mir das Erlernte bei meiner täglichen Arbeit in einer international ausgerichteten Großkanzlei vor allem dabei, Verständnis für den Zugang zu den verschiedenen Jurisdiktionen meiner ausländischen Arbeitskollegen aufzubringen. Ich kann somit nur jedem, der mit dem Gedanken spielt, ein LL.M.-Studium zu absolvieren, raten, nicht lange zu zögern und rechtzeitig mit den Vorbereitungen zu beginnen.

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