LL.M. in Krakau

Martin Smagon, Referendar am Hanseatischen Oberlandesgericht

LL.M.-Programm in Osteuropa statt in den USA? Aber ja!

Inhalt und Zeitpunkt

Ich habe mich für das LL.M.-Programm an der Jagiellonen Universität entschieden, weil die Uni in Polen eine lange Tradition und gute Dozenten bietet, die Möglichkeit eines DAAD-Stipendiums besteht und mich das vielfältige Angebot gereizt hat. Ich habe mich deswegen auch nicht alternativ an anderen Universitäten beworben, sondern mich gezielt für dieses Programm entschieden. Das gesamte Programm dauert ungefähr ein Jahr. Der erste Block fängt im März an und dauert bis Ende Juli. Er besteht aus mehreren Vorlesungen zum polnischen Recht, einem Intensivsprachkurs und einem Landeskundeteil. Die Pflichtfächer behandeln in Vorlesungen das polnische Wirtschaftsrecht, bestehend aus Handelsrecht, internationalem Privatrecht, allgemeinem Zivilrecht und Prozessrecht. Daneben werden Vorlesungen aus dem polnischen Verfassungsrecht, dem Verwaltungsrecht und dem öffentlichen Wirtschaftsrecht als Wahlfächer angeboten. Die Kurse werden von deutschsprachigen Dozenten gehalten. Es besteht aber auch die Möglichkeit, polnische Vorlesungen zu besuchen. Falls man der Sprache ausreichend mächtig ist, kann ich hierzu nur raten. Auf diese Weise kann man sich das Rechtspolnisch am besten aneignen. Am Ende des ersten Blocks werden in den oben genannten Fächern Klausuren geschrieben. Im Anschluss hat man die Möglichkeit, in polnischen oder internationalen Kanzleien und Unternehmen Praktika zu absolvieren.

Der zweite Block dauert von Oktober bis Februar. In dieser Zeit sucht man sich ein Thema im Rahmen der oben genannten Fächer und einen Betreuer aus. Im Anschluss daran verfasst man die LL.M.-Arbeit. Man kann jedoch die beiden Blöcke entweder am Stück oder getrennt absolvieren. Es bietet sich an, den ersten Block vor dem Ersten Staatsexamen und den zweiten danach zu absolvieren. Man muss für sich selbst herausfinden, was einem besser liegt. Ich habe mich entschieden, beide Blöcke zu trennen. Dadurch konnte ich bereits im Studium für ein Semester nach Krakau gehen und in der Wartezeit auf meinen Referendariatsplatz meine LL.M.-Arbeit verfassen.

Vorbereitung, Stipendium und Kosten

Ich habe ungefähr vier bis fünf Monate vor Studienbeginn mit der Vorbereitung begonnen und dabei meine vollständigen Bewerbungsunterlagen zusammengestellt. Diese können auch in deutscher Sprache eingereicht werden. Daneben habe ich mir zwei Einschätzungen beziehungsweise Gutachten von zwei Professoren in Deutschland eingeholt. Am besten geeignet sind hierfür Professoren, die einen aus Vorlesungen oder Seminaren kennen. Mit der Wohnungssuche habe ich erst vor Ort angefangen. Sehr hilfreich waren hierbei diverse Studentenvereine mit Wohnungsdatenbanken. Ein Zimmer in einem Studentenwohnheim bekommt man schon ab 150 Euro im Monat. Wohnungen mit ca. zwei Zimmern fangen bei ungefähr 200 Euro an. Ich bin bereits zwei Wochen vor Vorlesungsbeginn in Krakau gewesen und habe entsprechend gut eine Wohnung gefunden.

Bei der Vorbereitung sollte man sich explizit für das angebotene DAAD-Stipendium entscheiden. Vorteilhaft ist hier, dass es deutlich weniger Mitbewerber als bei anderen Auslandsstipendien gibt. Die Chancen, eines der Stipendien zu erhalten, sind entsprechend höher. Das Stipendium umfasst eine Reduzierung der Studiengebühren auf ungefähr 3.000 Euro (regulär sind es 4.500 Euro), einen Reisekostenzuschuss von rund 100 Euro und Lebenshaltungskosten für vier Monate in Höhe von circa 300 Euro pro Monat.

Ein großer Vorteil ist auch, dass die Lebenshaltungs- und Programmkosten in Polen deutlich niedriger sind als in Deutschland. Die Lebenshaltungskosten in Krakau liegen im Verhältnis zu Deutschland bei 55 bis 65 Prozent.

Krakau

Krakau liegt im Südosten Polens. Man kann von dort gut Reisen in die polnischen Tatra- Berge machen. In der Altstadt in Krakau finden sich unzählige Bars, Restaurants und gute Jazz-Clubs. Krakau ist eine Stadt mit einer großartigen Studentenkultur. Die Universität ist sehr zentral gelegen.

Fazit

Viele Studenten entschließen sich für einen LL.M. im angloamerikanischen Ausland. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn Gutes so nah liegen kann? Ich denke, dass heutzutage eine Ausbildung in noch wenig erkundeten Rechtsgebieten spannender und ertragreicher ist. Das polnische Recht ist seit dem Beitritt Polens zur EU kein unbedeutendes Rechtssystem mehr. Insbesondere der Markt für deutsch-polnische Juristen ist vergleichsweise noch wenig überschwemmt, und man kann durch die Teilnahme an einem solchen LL.M. eine Nische für sich finden.

Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.