LL.M. in Edinburgh, Schottland

Anja Schöder, Rechtsanwältin bei Clifford Chance

Edinburgh: LL.M. zwischen Kilt und Common Law

Nach fünf Jahren Jurastudium und zwei Jahren Referendariat war es höchste Zeit für einen Tapetenwechsel. Um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, entschied ich mich für ein LL.M.-Studium. Den Startpunkt meiner Bewerbungsphase bildete der LL.M. Day von e-fellows.net im November 2009, der mir nützliche Anregungen gab.

Von der Idee zur Bewerbung

In Sachen Studienort fiel meine Wahl auf Großbritannien, vor allem wegen der im Vergleich zu den USA wesentlich niedrigeren Studienkosten (rund 5.000 Britische Pfund). Der TOEFL-Test erforderte einige Vorbereitung, lag meine letzte Englischstunde an der Uni doch schon Jahre zurück. Meine Empfehlungsschreiben ließ ich von einem ehemaligen Professor sowie vom Partner einer internationalen Wirtschaftskanzlei, bei der ich gerade meine Wahlstation absolvierte, ausstellen. Nachdem ich mehrere Bewerbungen verschickt hatte, ging alles ganz schnell. Wegen des unkomplizierten Verfahrens, der netten Kommunikation sowie des guten Rufs der Universität entschied ich mich schließlich für die University of Edinburgh.

Der Countdown läuft

Die letzten Wochen vor Studienbeginn im September waren hektisch. Neben meinem Job als wissenschaftliche Mitarbeiterin musste ich mich um Wohnung, Finanzierung und Kurswahl kümmern. Bei der Wohnungssuche übers Internet stelle ich fest, dass es für Studentenwohnheime wegen des Vorrangs nichteuropäischer Studenten Wartelisten gab. Deswegen entschied ich mich, außeruniversitär nach einer Unterkunft zu suchen. Dank zahlreicher Angebote gestaltete sich die Suche problemlos. Ich wohnte letztlich zentral und relativ preiswert für 430 Britische Pfund in einer WG zusammen mit zwei Muttersprachlern und einem Deutschen. Für ein Stipendium oder Auslands-BAföG war ich schon zu spät dran. Deshalb finanzierte ich das Studium durch einen Bildungskredit meiner Hausbank. Auch die Wahl der Kurse erfolgte bereits vor Studienbeginn via Internet. Ich wählte den sogenannten General LL.M., da es für meine bereits angestrebte Qualifizierung (Arbeitsrecht) kein eigenes Programm gab. Außerdem wollte ich bei der Kurswahl so frei wie möglich sein. Da Kursänderungen zu Beginn des Semesters mit einigem Aufwand verbunden und manchmal wegen der Begrenzung der Teilnehmerzahl sogar unmöglich sind, sollte man seine Entscheidung hier unbedingt sorgfältig treffen. Grundsätzlich muss man drei Kurse pro Semester belegen, wobei es Volljahres- und Halbjahreskurse gibt.

LL.M. zwischen Kilt und Common Law

Im September war es dann soweit: Nach einer "Fresher’s Week" mit unzähligen Veranstaltungen zur Orientierung begann der Studienalltag. Im Gegensatz zu Deutschland sind die grundsätzlich klein gehaltenen Lehrveranstaltungen auf Kommunikation und Diskussion ausgelegt, die klassische Vorlesung sucht man vergebens. Als Leistungsnachweis dienen ein Essay pro Kurs und Semester sowie eine breiter angelegte Dissertation, die man über ein Thema seiner Wahl schreibt. Aber auch außerhalb der Uni hat Edinburgh viel zu bieten: freundliche und aufgeschlossene Menschen, ein lebendiges Studentenleben, zahlreiche Festivals sowie eine wundervolle Umgebung, die viel Gelegenheit zum Reisen und Entdecken bietet.

Hat es sich gelohnt?

Auf jeden Fall! Der LL.M. ist die perfekte Gelegenheit, unzählige junge Menschen aus verschiedenen Nationen kennenzulernen. Es können sogar Freundschaften fürs Leben entstehen. Dass man Englisch am besten im englischsprachigen Ausland erlernt, versteht sich von selbst. Auch der Einblick ins Common Law sowie das Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten in Legal English wird von zukünftigen potenziellen Arbeitgebern sehr geschätzt.

Last but not least

… für alle Neugierigen: Der LL.M. lohnt sich in jeder Hinsicht! Man sollte sich allerdings so früh wie möglich bewerben, um Stress, zum Beispiel wegen einer Kollision mit der Examensvorbereitung, zu vermeiden und Stipendien oder andere Finanzierungshilfen nutzen zu können. In Sachen Wohnung erwiesen sich Privatunterkünfte im Gegensatz zum Studentenwohnheim als die vorteilhaftere Wahl, da sie oft besser ausgestattet und gelegen sind.

Auch wenn die Gerüchte über das regnerische schottische Wetter nicht gänzlich unwahr sind, kann man einen LL.M. in Edinburgh nur empfehlen. Für mich war es sowohl fachlich als auch privat eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und die mir nicht zuletzt auch beruflich einige Türen geöffnet hat.


Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.