LL.M. in Cambridge

Alexander Steinforth, Unternehmsberater bei The Boston Consulting Group

LL.M. in Cambridge: Unvergesslich!

Jahrhundertealte Colleges, traditionelle Studiengewänder und Sport auf höchstem Niveau. Klingt nach Harry Potter? Richtig! Das alles findet sich jedoch auch in Cambridge. Doch auch fernab aller Hogwarts-Romantik kann sich ein Aufenthalt in England lohnen.

Aller guten Dinge sind zwei

Bereits während meines Studiums in Münster hatte ich die Gelegenheit, Oxbridge – der Überbegriff für die traditionsreichen englischen Universitätsstädte Oxford und Cambridge – kennenzulernen. Ich verbrachte drei Trimester am St. Anne’s College in Oxford und behielt diesen Ausflug in das britische Universitätswesen als das vielleicht schönste Studienjahr in Erinnerung: Ob morgendliches Rudern auf der Themse, Einzelunterricht durch die Professoren oder festliche Dinners – all dies hatte ich nicht vergessen; und so war klar, dass es nicht meine letzte Station in England bleiben sollte. Für den LL.M wollte ich nun jedoch "the other place", wie Cambridge in Oxford genannt wird, ausprobieren – in der Hoffnung, dass es ein vergleichbar tolles Jahr werden würde. Ich sollte nicht enttäuscht werden: Einzigartige Studienbedingungen, großartige Kommilitonen und eine tolle Stadt – Cambridge kann Oxford locker das Wasser reichen!

Der frühe Vogel fängt den Wurm ... oder das Stipendium!

So ungern man es auch hören mag: Frühzeitige Vorbereitung ist absolut notwendig! Mehr als ein Jahr Vorlauf sollte eingeplant werden, um die umfangreichen Bewerbungen für die Uni und für mögliche Stipendiengeber rechtzeitig einreichen zu können. Professorengutachten, TOEFL-Test und Motivationsschreiben – das kostet nicht nur Nerven, sondern dauert häufig länger als man glaubt. Hat man jedoch alle Unterlagen beisammen, kann man sie relativ problemlos nutzen, um sich parallel bei anderen Universitäten zu bewerben. Ratschläge zum optimalen Zeitpunkt für einen LL.M. in Cambridge sind schwer zu erteilen. So setzte sich die deutsche Studentenschaft im 2010/2011er-Jahrgang aus frisch gebackenen Universitätsabsolventen, Promovierten und sogar Berufstätigen zusammen.

Teurer dank Cameron

Im Rahmen der landesweiten Sparmaßnahmen hat die britische Regierung kräftig an der Studiengebührenschraube gedreht: Ab 2012 müssen Studenten 9.000 Britische Pfund Studiengebühren entrichten, was nahezu einer Verdreifachung entspricht. Hinzu kommen die ohnehin hohen Lebenshaltungskosten in England, insbesondere für Unterkunft und Verpflegung. Für die Deckung jeglicher Kosten müssen somit ab 2012 wohl etwa 25.000 Britische Pfund eingeplant werden. Deshalb gilt: Wer das Studienjahr nicht aus eigener Tasche oder über den Arbeitgeber finanzieren kann, ist auf Stipendien angewiesen. Davon gibt es glücklicherweise eine ganze Menge. Erster Anlaufpunkt sollte dabei immer die Internetpräsenz des DAAD mit seiner Stipendiumssuche sein. Aber auch die Studienstiftung des deutschen Volkes bietet interessante Programme an.

Besser als die UNO

Die im Cambridge-LL.M. vertretenen Nationen könnten es nahezu mit der Vollversammlung der Vereinten Nationen aufnehmen: Australien, Ghana, Kanada, Mexiko, Russland oder China – dies sind nur einige der Nationalitäten, aus denen sich mein Kurs zusammensetzte. Die Internationalität ist dabei auch einer der größten Vorteile gegenüber anderen LL.M.-Programmen in England. Doch auch die Lehre wird Camridges Ruf als Top-Universität gerecht. Mein persönliches Cambridge-Highlight ist allerdings das College-System: Durch die föderative Untergliederung der Universität in 31 Colleges, die der eigentliche Dreh- und Angelpunkt des Studentenlebens sind, fällt es einem ungemein leicht, seine Kommilitonen kennenzulernen. Tür an Tür lebt und lernt man mit Studenten vollkommen unterschiedlicher Fachrichtungen. Ein riesiger Vorteil, wenn man einmal dem Jura-Trott entfliehen möchte! Hier werden auch all die sozialen Aktivitäten wie Chöre, Theater-AGs oder die Sportmannschaften organisiert.

Lernen fürs Leben

Karrieretechnisch sollte man – soviel Ehrlichkeit muss sein – nicht allzu viel von einem LL.M. erwarten. So interessant die häufig international ausgerichteten Kurse auch sind, so selten wird deren Inhalt uns unmittelbar im Arbeitsleben begegnen (es sei denn, man arbeitet später tatsächlich im Bereich des internationalen Rechts). Aber ist dies überhaupt Sinn und Zweck eines LL.M.? Aus meiner Sicht: Nein! Statt einen direkten beruflichen Nutzen daraus zu ziehen, geht es doch viel mehr um die einmalige Erfahrung, ein Jahr an einer tollen Universität im Ausland zu verbringen, Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen und seinen Interessen auch außeruniversitär nachzugehen. Deshalb: Wohin der Weg euch auch führt, findet neben der Lernerei noch Zeit, euch selbst zu verwirklichen!

Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.