LL.M. in Austin, Texas

Dr. Michael Müller, Referendar

Austin, Texas: LL.M., Live Music und Longhorns

Wenig bis gar nichts war mir von Austin bekannt, als ich die Chance bekam, dort an einem LL.M.-Programm teilzunehmen. Eine erste Recherche ergab: Austin ist die Hauptstadt von Texas, mit knapp 800.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des Bundesstaates, zentral gelegen zwischen Dallas im Norden, Houston im Osten und San Antonio im Süden. Das musste an Information reichen – und ich sagte zu!

LL.M. während der Promotion

Nach Abschluss meines Jurastudiums arbeitete ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter, meine Dissertation dümpelte vor sich hin und ich brauchte eine Deadline, um mich zu motivieren. Gleichzeitig wollte ich meine Promotion noch vor dem Referendariat abschließen. So entwickelte sich der Plan, den Erstentwurf meiner Dissertation vor Beginn des LL.M. einzureichen, nach dem ersten Semester in den Winterferien die Anregungen meines Doktorvaters zu berücksichtigen und die Arbeit dann endgültig einzureichen, um unmittelbar nach dem Ende meines Auslandsjahres meine Disputation erhalten zu können. Dies hatte für mich den großen Vorteil, dass ich das oftmals langwierige Promotionsverfahren ohne zeitliche Verzögerungen nebenher laufen lassen konnte.

Warum die USA und die University of Texas at Austin?

Die USA faszinierten mich schon von jeher besonders, auch wenn die jugendliche Begeisterung für den American Way of Life zunehmend einer skeptischeren Grundhaltung gewichen war. Texas klang mehr nach Abenteuer als die Ostküste, die Law School an der University of Texas at Austin genoss zudem einen ausgezeichneten Ruf und fand sich in allen maßgeblichen Rankings unter den besten 15 wieder.

Die Vorbereitung

Ich entschied mich Ende November für ein LL.M.-Studium, das im August beginnen sollte. Die Bewerbungsphase verlief für mich atypisch und unbürokratisch; atypisch deshalb, weil ein Bayreuther Professor aufgrund wissenschaftlicher Verbindungen nach Austin den Kontakt herstellte; unbürokratisch deshalb, weil ich aufgrunddessen weder die üblicherweise erforderlichen Empfehlungsschreiben noch einen TOEFL-Test beizubringen hatte. Erst nach der formellen Zusage aus Austin im Januar musste ich den gewöhnlichen Weg gehen: Visum beantragen (hochbürokratisch, zeitraubend und nervtötend), Unterkunft suchen (ich entschied mich von Deutschland aus für ein sogenanntes Coop, eine Art basisdemokratische WG mit Verpflichtung zu wöchentlicher Hausarbeit) sowie Flug buchen (je früher , desto günstiger).

Die Finanzierung

Die Studiengebühren betrugen in etwa 40.000 US-Dollar, die Lebenshaltungskosten waren mit monatlich 1.650 US-Dollar veranschlagt. Hierfür hatte ich ein Stipendium der University of Texas at Austin. Zudem hatte ich zusätzlich das Glück, von Freshfields Bruckhaus Deringer ein LL.M.-Reisestipendium in Höhe von 5.000 Euro zu erhalten, auf das ich durch e-fellows.net aufmerksam geworden war. Dieses Budget erlaubte mir ein sehr angenehmes Leben.

Die Highlights

Neben den ausgezeichneten Studienbedingungen mit hervorragenden Dozenten, persönlicher Betreuung und der Wahl zwischen drei LL.M.-Programmen sind es die privaten Erfahrungen, die mir vornehmlich in Erinnerung bleiben werden: Die unzähligen Abende in der 6th Street, der Partymeile Austins mit ihren Clubs und Bars, die Austin zur selbst ernannten Welthauptstadt der Livemusik machen. Die vielen Sportevents der universitären Texas Longhorns – vor allem die des American Football Teams, das vor 100.000 "Hook’em horns" oder "The eyes of Texas are upon you" skandierenden und orange tragenden Zuschauern seine schlechteste Saison seit Menschengedenken spielte. Und der zweimonatige Roadtrip durch die USA, der mich im Anschluss an mein Studium vom Golf von Mexiko bis zum Pazifik und von Texas bis Montana führte.

Alles zu eitel Sonnenschein?

Wenn ich denn überhaupt nach einem Haar in der Suppe suchen möchte, so ist dies die Temperatur, die von Mai bis Oktober regelmäßig unerträgliche 40 Grad erreicht und mich die Klimaanlage als die größte Erfindung aller Zeiten wertschätzen ließ. Das Positive an diesem Klima ist freilich, dass der Rest des Jahres mit sehr angenehmen Temperaturen aufwartet und sich die Anzahl der von mir erlebten Regentage an einer Hand abzählen lässt.

Fazit

Was bleibt? Ein Titel einer amerikanischen Elite-Universität, möglicherweise der eine oder andere Freund fürs Leben, unzählige unvergessliche Erfahrungen und Erinnerungen und die Erkenntnis, dass ich mich jederzeit wieder für Austin entscheiden würde. Wer sich in seinem LL.M.-Jahr nicht nur in der Bibliothek vergraben will, sondern eine ausgewogene Work-Life-Balance anstrebt, dem kann ich ein LL.M.-Studium in Austin nur allerwärmstens empfehlen.

Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.