LL.M. an der University of the Western Cape

Erfahrungsbericht von Franziska Tolksdorf; Rechtsreferendarin

LL.M. am Kap der Guten Hoffnung

Von Februar bis November 2014 absolvierte ich den LL.M. „Transnational Criminal Justice and Crime Prevention – An International and African Perspective“ in Kapstadt, Südafrika an der University of the Western Cape (UWC). Warum „Transnational Criminal Justice“ und warum Südafrika? Während meines Schwerpunktstudiums, welches ich im Bereich „Deutsche und internationale Strafrechtspflege“ absolvierte, besuchte ich zwei von Professor Gerhard Werle geleitete Seminare zum Völkerstrafrecht. Professor Werle von der Humboldt-Universität zu Berlin führt gemeinsam mit Professor Lovell Fernandez von der UWC das „South African-German Centre for Transnational Criminal Justice“, welches das LL.M.-Programm ins Leben gerufen hat. Da mir die beiden Seminare zum Völkerstrafrecht sehr gut gefallen hatten und Völkerstrafrecht einen recht großen Teil des LL.M.-Programms bildet, habe ich mich nach Abschluss des Ersten Staatsexamens für einen LL.M.-Platz beworben. Für das LL.M.-Studium nach Südafrika zu gehen empfand ich nach der einjährigen Examensvorbereitung als eine interessante und aufregende Abwechslung. Ein weiterer Vorteil des Programms war, dass es vom DAAD gefördert wird und man im Falle der Annahme automatisch zumindest ein Teilstipendium bekommt.


Das LL.M.-Studium und Kapstadt

Nach Rücksprache mit ehemaligen Studenten des Programms entschied ich mich, nicht wie meine Kommilitonen auf dem Campus zu wohnen, sondern in der näheren Umgebung von Kapstadt. Ich wohnte dann zusammen mit 13 weiteren Studenten in einem sehr schönen und großen Haus im Bezirk „Mowbray“, nicht weit von der University of Cape Town(UCT). Meine Mitbewohner waren fast ausschließlich Studenten an der UCT, die meisten Südafrikaner. Unter ihnen habe ich sehr schnell gute Freunde gefunden und in meiner Freizeit auch sehr viel mit ihnen unternommen.

Da sich die UWC eine etwa 20-minütige Autofahrt von Kapstadt entfernt befindet, beschloss ich, nachdem ich ein paarmal mit dem Zug zur Uni gefahren war, ein gebrauchtes Auto zu kaufen. Das war eine gute Entscheidung, da die öffentlichen Verkehrsmittel in Kapstadt nicht so häufig fahren und oft Verspätung haben. Innerhalb der Stadt kann man sich ganz gut mit den Mini Taxis bewegen, doch wird dies teilweise als gefährlich erachtet. Was die Sicherheitslage angeht, so wurde mir geraten, im Dunkeln nicht alleine auf die Straße zu gehen, und daran habe ich mich auch gehalten. Wenn ich ausgegangen bin, dann immer mit anderen zusammen in der Long Street, in der am Wochenende abends bzw. nachts sehr viel los ist. Wir haben uns ein normales Taxi geteilt, was viel günstiger ist als in Deutschland. Die Strecke des Zugs, der zur UWC fährt, führt auch durch Townships, und manche meiner Mitbewohner rieten mir, vorsichtig zu sein und keinen Schmuck zu tragen. Mir selber kam die Fahrt nie wirklich gefährlich vor, da der Zug immer recht voll war. Ich würde jedoch niemandem raten, abends Zug zu fahren.

Das LL.M.-Studium war so gestaltet, dass im ersten Semester die Seminare „International Criminal Law“ und „Transitional Justice“ stattfanden und im zweiten die Seminare „International Anti-Corruption Law“ und „Law Relating to Organised Crime and Money Laundering“. Im Juni und Juli fand eine zweiwöchige Summer School in Berlin statt. Das Proposal für das Research Paper (Master-Arbeit) mussten wir Ende April einreichen. In jedem Seminar mussten wir ein 5.000 Wörter langes Essay, kleine Tests zwischendurch und eine dreistündige Abschlussklausur schreiben. Das Research Paper sollte 18.000 Wörter lang sein. Aufgrund meines Interesses für Völkerstrafrecht und weil ich am Anfang noch nicht wusste, was mich in den Seminaren, die im zweiten Semester stattfanden, erwarten würde, wählte ich für mein Research Paper ein Thema aus dem Bereich „International Criminal Law“ Später entdeckte ich mein Interesse für „International Anti-Corruption Law“. In dem Seminar, das von Professor Raymond Koen geleitet wurde, beschäftigten wir uns vor allem mit dem Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Korruption. Besonders interessant fand ich die Auseinandersetzung mit kritischen Artikeln zur Entstehung und wirksamen Bekämpfung von Korruption gegen Ende des Seminars. Dort wurde mir noch einmal bewusst, was die Europäer dem afrikanischen Kontinent zu Kolonialzeiten angetan haben und wie gravierend die Auswirkungen dieser Zeit bis heute sind.

Meine Mitstudenten innerhalb des LL.M.-Programms kamen alle aus verschiedenen afrikanischen Ländern, und so hatte ich die Gelegenheit, viel über die afrikanische Kultur und ebensweise zu erfahren, sowie die afrikanische Perspektive auf die Geschehnisse in der Welt kennenzulernen. Von meinen Mitbewohnern und anderen südafrikanischen Freunden erfuhr ich besonders viel über die Geschichte und Gesellschaft Südafrikas. Die Einblicke, die ich erhalten, und die Erfahrungen, die ich gemacht habe, empfinde ich als sehr wertvoll, und ich bin sehr froh und dankbar, dass ich die Gelegenheit hierzu bekommen habe. Sehr angetan hat es mir die Landschaft Kapstadts. In meiner Freizeit versuchte ich so oft wie möglich auf dem Tafelberg wandern zu gehen oder zu surfen.


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