LL.M. an der University of Wisconsin-Madison (2008)

Erfahrungsbericht von Kai Purnhagen

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".


Die University of Wisconsin-Madison und die Law School

Die University of Wisconsin-Madison wurde 1848 als staatliche Universität gegründet. Heute sind dort insgesamt rund 42.000 Studenten eingeschrieben, davon sind 4.300 Studenten internationaler Herkunft. Die Universität ist im Verhältnis zu der für amerikanische Verhältnisse kleinen Hauptstadt Wisconsins recht groß und dominiert daher auch sehr deutlich das Leben in Madison. Die Hochschule ist im Wesentlichen auf einem Landstück zwischen vier großen Seen untergebracht, dem so genannten Isthmus, wobei die Law School einen prominenten Platz auf dem „Bascom Hill“ am Beginn des Isthmus erhalten hat. Das Capitol Wisconsins mit dem Sitz des Parlaments, der Regierung und des obersten Gerichtshofs ist zu Fuß gut erreichbar.

Kursangebote und Organisation

Die University of Wisconsin-Madison Law School bietet zwei Master-Programme für ausländische Studierende an: Den forschungsbasierten Master of Laws und den kursbasierten Master of Legal Institutions. Beide sind nicht auf ein bestimmtes Rechtsgebiet spezialisiert.

Der LL.M.

Der LL.M. ist forschungsbasiert und qualifiziert daher grundsätzlich nicht zur Teilnahme am amerikanischen Bar Exam. Er besteht aus einer Forschungsarbeit, die sich vertieft mit einem Thema auseinandersetzt und in dem ein eigener Lösungsansatz präsentiert wird. Nach der Annahme zum Studium bekommt man einen Advisor zugeteilt, der den Fortgang der Arbeit betreut. Der Umfang der Arbeit beträgt 70 bis 120 Seiten bei doppeltem Zeilenabstand. Nach Abschluss der Arbeit wird diese vom Advisor und einem Second Reader sowie dem Leiter des Center of Graduate Studies begutachtet. Wenn alle drei die Annahme empfehlen, wird der Titel verliehen. Die Arbeit muss nicht veröffentlicht werden, allerdings verbleibt eine Kopie in der Bibliothek der Law School, verfügbar für jeden interessierten Leser. Als Lehrveranstaltung ist ein regelmäßiger Postgraduiertenkurs verpflichtend, in dem alle Research-Studenten in regelmäßigen Abständen ihre Arbeiten vorstellen. Einmalig ist eine solche Präsentation auch für LL.M.-Studenten verpflichtend.

Der M.L.I.

Die meisten der ausländischen postgraduierten Studenten in Wisconsin sind für den „Master of Legal Institutions“ (M.L.I.) eingeschrieben. Dieser Kurs berechtigt nach erfolgreichem Abschluss zum Bar Exam in manchen Staaten. Es werden zwei Pflichtkurse zur Einführung in das amerikanische Rechtssystem angeboten (6 Credits), der restliche Teil der 24 Credits wird durch Kurse, die jeder Student frei nach seinem Schwerpunkt aus dem Angebot der gesamten Universität wählen kann, und durch Verfassen eines Research Papers erworben.

Die Bibliothek

Die Bibliothek ist sehr gut ausgestattet, auch wer rechtsvergleichend arbeiten will, wird überraschend viele deutsche Lehrbücher, Kommentare, Monographien, Entscheidungssammlungen und Zeitschriften vorfinden. Die Mitarbeiter der Bibliothek sind sehr motiviert und sollte ein Buch nicht vorhanden sein, wird es in der Regel angeschafft. Die Betreuung und fachliche Ausrichtung der Law School Die Betreuung ist selbstverständlich vom Advisor abhängig, ist aber in der Regel außerordentlich gut. Die Professoren haben meist einen sehr guten Zugang zu den Studenten und sind ernsthaft an deren Ausbildung interessiert. Auch und gerade im internationalen Recht und Europarecht wird in Madison außerordentlich viel geforscht und gelehrt. Ein weiterer Schwerpunkt der Law School liegt in der Strafrechts- und Asienforschung.

Unterkunft

Als Europäer muss man sich in Amerika grundsätzlich auf andere Standards einstellen. Wohnungen sind, im Gegensatz zu Deutschland, sehr teuer und entsprechen nicht annähernd europäischem Standard. Vergleicht man die Preise und Qualität in Madison hingegen mit anderen amerikanischen Städten, kommt man vergleichsweise günstig und qualitativ annehmbar weg. Ein Zimmer in einer Zweier-WG kostet zwischen 400 und 600 US $, Heizung und Wasser inklusive.

Kommilitonen

Neben einigen Stipendiaten, die in der Regel aus Amerika kommen, finden sich in den Master-Programmen hauptsächlich asiatische Studenten. Daher ist die Betreuung für die Programme auch im Center of East Asian Legal Studies untergebracht.

Land und Leute

Madison ist als Hauptstadt nach Milwaukee das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des sonst sehr ländlich geprägten Wisconsin. Sport ist in Madison ein „Muss“, ebenso wie die unzählige Vielfalt an kulturellem Programm und das reichhaltige Studentenleben. Da Wisconsin der „German State“ der USA ist, haben sich hier noch viele alte deutsche Traditionen bewahrt, die einst von den Einwanderern mitgebracht worden sind. Die alte Mensa der Uni heißt „Rathskeller“, etliche Nachnamen und Straßennamen in Madison zeugen von der deutschen Vergangenheit. So ist denn Wisconsin auch die Heimat der bekanntesten Brauereien in den USA, Miller und Pabst. Aber auch die Harley Davidson Motorwerke haben ihre Heimat in Wisconsin. Und wer sich einmal in den Norden Wisconsins begibt, wird das Gefühl haben, im deutschen Schwarzwald zu sein. Wer genug hat von Wisconsin, der kann sich in das etwa drei Stunden Busfahrt entfernte Chicago begeben. Diese Stadt spricht für sich mit ihren Boulevards, dem Navy Pier am Lake Michigan und den zahlreichen Hochhäusern.

Kosten und Finanzierung

Wie überall in den USA ist Studieren in Wisconsin relativ teuer. Der LL.M. und M.L.I. kosten an Studiengebühren allein etwa 17.000 US $ pro Semester, insgesamt sollte man für das akademische Jahr mit allen Ausgaben (wenn man sich sparsam verhält und einige Abstriche beim Lebensstandard macht) etwa mit 50.000 US $ rechnen. Da sich die Kosten jedoch ständig ändern, sollte man sicherheitshalber auf der Website der Law School den aktuellen Stand abrufen (http://www.law.wisc.edu/grad/prospective/expenses.htm). Neben den üblichen Finanzierungsmöglichkeiten (Fulbright etc.) bietet die Law School zwei Fellowship-Programme an, das Hastie Fellowship und das American Legal History Fellowship. Das Hastie Fellowship richtet sich an solche, die Minderheitenforschung betreiben wollen, während sich das American Legal History Fellowship an Rechtshistoriker richtet. Darüber hinaus gibt es für Studenten der Rechtswissenschaft der Justus-Liebig-Universität in Gießen die Möglichkeit, über die Wisconsin-Giessen Alumni e.V. ein Vollstipendium des Fachbereichs Gießen und der University of Wisconsin-Madison Law School zu erhalten.