LL.M. an der University of Wellington 2010

Erfahrungsbericht von Sebastian Hoegl (LL.M. (Victoria University of Wellington); Referendar bei Osborne Clarke)

Kia Ora – Studieren am anderen Ende der Welt

Frankfurt, 19. Januar 2009, 6 Uhr morgens. Ich habe nach fast einem Jahr wieder deutschen Boden unter den Füßen. Aber wie ist es dazu gekommen und was ist in diesem Jahr passiert?

Die Entscheidungsfindung

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Nach einem erfreulich guten Ersten Staatsexamen stellte sich für mich die Frage, wie ich die neun Monate bis zum Beginn des Referendariats überbrücken könne. Im Rahmen vieler Vorstellungsgespräche merkte ich allerdings schnell, dass „nur“ ein gutes Erstes Examen nicht reicht – nahezu alle Gesprächspartner rieten mir dazu, entweder zu promovieren oder einen Master-Studiengang zu absolvieren. Und nahezu alle Gesprächspartner rieten ganz speziell mir dazu, einen Master zu machen – ich sei nicht mehr der Allerjüngste, und der Master gehe nun mal deutlich schneller als eine Promotion. Von Anfang an war für mich klar, dass die USA als Studienland ausschieden. Das wäre für mich nicht finanzierbar gewesen, und für ein Stipendium waren weder meine Noten noch mein sonstiger Lebenslauf gut genug. Nachdem ich dann erfahren hatte, wie „billig“ der Master in Neuseeland ist, stand meine Entscheidung fast schon fest. Zwei Fragen waren zu diesem Zeitpunkt allerdings noch ungeklärt: Reicht die Zeit noch (es war Anfang Dezember, Studienbeginn Mitte Februar)? Und welche Stadt wird es denn nun? Die erste Frage war dank dem Institut Ranke-Heinemann (www.Ranke-Heinemann.de; sehr hilfreich bei der Organisation) schnell beantwortet: Die Zeit reichte noch. Die zweite Frage war nicht ganz so einfach zu beantworten. Beworben habe ich mich bei allen drei Unis (Wellington, Auckland, Christchurch), ich wollte aber nach Wellington. Zum einen bot Wellington die meisten Kurse in meinem Interessengebiet an, zum anderen gilt Wellington – zu Recht – als die schönste Stadt in Neuseeland. Die endgültige Zusage kam dann Ende Januar. Es konnte also losgehen.

Das Studium

Der erste Schock kam ziemlich schnell. Mir war zwar klar, dass ich nicht der einzige Deutsche in Wellington sein würde; dass aber von knapp 45 LL.M.-Studenten ca. 35 aus Deutschland kommen würden, das hatte ich nun doch nicht erwartet. Ob das den eigenen Vorstellungen entspricht, muss jeder für sich selbst entscheiden, ich kann aber vorwegnehmen, dass nicht jeder Dozent mit diesem Prozentsatz glücklich war – manch einer ließ einen den Unmut auch spüren. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, den Master zu machen: by Thesis (eine Arbeit zu einem Thema mit ca. 200 Seiten); by Coursework (mehrere Kurse zu verschiedenen Themen, es werden Arbeiten von unterschiedlicher Länge verlangt) und by Dissertation and Coursework (eine Mischung der ersten beiden). Da ich ja nicht die ganze Zeit an einem einzigen Thema brüten wollte, entschied ich mich wie die meisten anderen für den Master by Coursework. Die Hoffnung war, einen möglich breiten Einblick in das anglo-amerikanische Rechtssystem zu bekommen, was aber leider nur bedingt gelang. Leider ging es zudem mir und den meisten anderen so, dass nicht alle gewählten Kurse auch belegt werden konnten, da in jedem Kurs nur etwa sechs bis acht Plätze für Master-Studenten vorgesehen waren. Die Kurse an sich waren meistens interessant und ganz anders als alles, was ich aus Deutschland kannte. Die ersten Wochen hielt meist der Dozent die Kurse ab. In der Zeit hatte man sich in der Regel selber ein Thema für seinen eigenen Vortrag und sein Paper gesucht und war dann bei der aktiven Unterrichtsgestaltung gefragt. 50 Minuten freie Rede – wer es vorher nicht konnte, kann es mit Sicherheit jetzt. Positiv war auch der sehr enge und persönliche Kontakt zu den meisten Dozenten. Diese waren fast immer verfügbar und für Fragen offen. Leider gab es aber auch einige Dozenten – von denen ich fast komplett verschont blieb – die uns deutsche Studenten deutlich spüren ließen, dass wir „zu viele“ waren.

Die Finanzierung

So ein Master ist nicht billig, so viel ist klar. Ich hatte das Glück, dass zum Zeitpunkt meines Studiums ein Abkommen zwischen Neuseeland und Deutschland, Frankreich und der Schweiz bestand, sodass wir Postgraduates aus diesen Ländern „nur“ die gleichen Studiengebühren zahlen mussten wie die einheimischen Studenten auch. In meinem Fall waren das inklusive der Studentenversicherung und aller Gebühren ca. 3.500 Euro – verglichen mit den Gebühren in anderen Ländern sicherlich ein Schnäppchen. Die Lebenshaltungskosten sind mit denjenigen in Deutschland vergleichbar. Wenn man allerdings gerne alleine wohnen möchte, dann wird das doch recht teuer. Die Mieten gerade für kleine Wohnungen sind sehr hoch. Ich hatte das extreme Glück, dass mein Studium von meiner Mutter mit einem zinslosen Darlehen vorfinanziert wurde. Ich habe natürlich die Hoffnung, dass der Master sich positiv auf meine Karrierechancen auswirkt, und ich daher in der Lage bin, dieses Darlehen zurückzuzahlen.

Lohnt es sich?

Mittlerweile ist das Abkommen gekündigt, die Studiengebühren betragen daher ca. 12.000 Euro. Das ist durchaus vergleichbar mit anderen Ländern. Der Vorteil: Es werden vermutlich nicht mehr so viele Deutsche sein. Daher ist mein Fazit: Wer so oder so einen Master machen möchte, und noch dazu vom anderen Ende der Welt träumt, dem kann ich zu einem Master in Wellington nur raten. Schon alleine die Reisemöglichkeiten (in Neuseeland, Australien, dem Südseeraum) machen dieses eine Jahr unvergesslich. Und man kehrt mit einem anerkannten Abschluss zurück.