LL.M. an der University of Washington Seattle

Erfahrungsbericht von Matthias Ernst Probst

LL.M. (Dresden/Seattle); Referendar am Kammergericht Berlin und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Prof. Kunig an der FU Berlin

International Studies in Intellectual Property Law

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Schon lange vor dem Ersten Staatsexamen plante ich ein LL.M.-Studium als Ausgleich und Belohnung für die Anstrengungen und Einschränkungen der Examensvorbereitung. Bei der Auswahl des Programms kam es mir in erster Linie darauf an, etwas im englischsprachigen Raum zu finden, das sich inhaltlich von meinem Schwerpunktstudium im Europa- und Völkerrecht ausreichend unterscheidet. Wiederholungen hatte ich nach der Examensvorbereitung erst einmal satt. Master-Studiengänge werden häufig zur Spezialisierung auf ein bestimmtes Rechtsgebiet und zur Vertiefung der Rechtssprache des Ziellandes gewählt. Dabei kommt es immer wieder vor, dass der Absolvent schließlich die Rechtsprechung des US-Supreme Courts kennt, nicht aber die des BGH, oder dass die Fachterminologie im Englischen besser sitzt als im Deutschen. Um diesen Problemen zu begegnen, entschied ich mich schließlich für den Doppelstudiengang International Studies in Intellectual Property Law an der Technischen Universität Dresden und der University of Washington in Seattle. Neben der University of Washington kooperiert die TU Dresden im Rahmen des IP- Programms mit den Universitäten in Exeter, Krakau, London, Prag und Strasbourg.

Organisation des Studiengangs

Der Studiengang kann sowohl im Winter mit dem Auslandsstudium, als auch im Sommer mit dem Dresdner Semester begonnen werden. Ich entschied mich für die letztgenannte Variante, um im Anschluss an mein Erstes Staatsexamen nicht unnötig Zeit zu vergeuden. Eine Bewerbung für das Dresdner Programm sollte so früh wie möglich erfolgen. Für Seattle gilt der 15.02. als Stichtag.

Finanzierung

LL.M.-Studiengänge sind nicht billig. Für das Sommersemester in Dresden fallen 2.000 Euro Gebühren an. Darin enthalten ist aber u. a. auch eine mehrtägige Studienfahrt nach München mit Besuch des Europäischen Patentamts und anderer fachbezogener Institutionen. Die Kostensituation an den Partneruniversitäten reicht von ca. 2.000 bis 3.000 Pfund zusätzlicher Gebühren an den englischen Unis bis hin zu Erasmusfördermitteln in Prag und Straßburg von monatlich ca. 100 Euro. In Seattle verzichtet die University of Washington auf die Erhebung von Studiengebühren für jährlich einen Dresdner Studenten. Wer hier nicht zum Zug kommt, kann sich überlegen, ob die selbstständige Finanzierung der Studiengebühren eine Option ist. Diese betragen allerdings knapp 10.000 US-Dollar je Trimester. Als Dresdner IP-Student absolviert man die ersten zwei von insgesamt drei Trimestern des dortigen LL.M.-Programms. Während Dresden in Bezug auf die allgemeinen Lebenshaltungskosten und Mietpreise noch recht moderat ist, kommen in Seattle erhebliche Kosten auf den Studenten zu. Etwa 500 US-Dollar monatliche Miete sollte man für ein anständiges Zimmer in Campusnähe einkalkulieren. Da ich bei den bekannten Förderern von LL.M.-Studien keine weitere Unterstützung erhielt, musste ich für meine Lebenshaltungskosten einen Kredit aufnehmen. Arbeiten ist während des Dresdner Semesters durchaus möglich. Ich habe ca. acht bis zehn Stunden wöchentlich in einer Dresdner Kanzlei gearbeitet. In den USA darf ein ausländischer Student nur auf dem Campus arbeiten. Zwar suchen die Professoren laufend Research Assistants, doch bleibt neben dem sehr zeitaufwendigen Studium kaum Zeit für derlei Zusatzbelastungen.

Dresden

Während des Dresdner Semesters finden Vorlesungen zum Wettbewerbsrecht, zum Gewerblichen Rechtsschutz und zum Urheberrecht mit begleitenden Arbeitsgemeinschaften statt. Wöchentlich berichten Praktiker aus Justiz, Unternehmen und Kanzleien aus ihrem Alltag oder vermitteln den Studenten Verhandlungsfähigkeiten. Im Rahmen mehrerer Vorträge und eines Moot Courts trainieren die Studenten die Präsentation und Erläuterung juristischer Probleme. Im Anschluss an das Sommersemester ist die Masterarbeit zu schreiben. Dies war für mich zunächst etwas irritierend, da ich das Studium zum Sommersemester aufgenommen hatte und mich schon nach wenigen Wochen, ohne bereits einen Überblick über das Rechtsgebiet erlangt zu haben, mit der Themenwahl meiner Masterarbeit beschäftigen musste. Ein Sommer in Dresden hat auch abseits des Campus allerhand zu bieten. Die Stadt lockt mit zahlreichen Grünflächen, Museen, Theatern, Kneipen und sonstigen Ablenkungen. Mit dem Semesterticket lassen sich auch die Wander- und Klettermöglichkeiten der Sächsischen Schweiz binnen einer Stunde erreichen und entdecken.

Seattle

Während der Stundenplan im ersten Trimester in Seattle noch weitgehend vorgeschrieben ist, eröffnen sich später nahezu grenzenlose Kursoptionen. Zahlreiche Professoren können ihre Vorlesungen mit Arbeitserfahrungen aus ortsansässigen Unternehmen wie Microsoft, Boeing, Amazon oder Starbucks würzen. Die Law School wurde übrigens vom Microsoft-Gründer Bill Gates gestiftet. Es gibt sicherlich wenig geeignetere Orte, um sich mit dem Geistigen Eigentum zu befassen als Seattle, denn mit Jimi Hendrix und Kurt Cobain hat die Stadt auch musikalische Größen hervorgebracht. Die Synonyme Emerald City und Ever-green State sagen bereits einiges über den Freizeitwert von Seattle und Washington State aus, wo man auf dem Campus auch mal einen Wasch- und in den nahen Cascade Mountains auch mal einen Braunbären antrifft.

Weiterführende Informationen finden sich unter www.llm-ip.de und unter www.law.washington.edu/IPLaw