LL.M. an der University of Virginia 2016

Erfahrungsbericht von Christian Kutschmann; Rechtsanwalt, Freshfields Bruckhaus Deringer


LL.M. – A Family Affair?

Ob der LL.M. eine Familienangelegenheit ist, hängt im Wesentlichen davon ab, was man daraus macht. Als wir Familie und Freunden von unseren Plänen erzählten, fragten manche skeptisch, ob wir es uns gut überlegt hätten, mit einem Neugeborenen für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Wir können beruhigen: Unser Sohn hat in den Vereinigten Staaten Krabbeln und Laufen gelernt und sich auch im Übrigen prima entwickelt. Gleichwohl ist es wahr, dass ein Auslandsaufenthalt mit Kind Schwierigkeiten mit sich bringt, die man in gleicher Form zu Hause nicht gehabt hätte. Mein Erfahrungsbericht will diese nicht verschweigen, gleichwohl aber junge Juristen mit Kindern ermutigen, einen Studienaufenthalt im Ausland zu wagen. Für uns war es das tollste Abenteuer unseres Lebens!


Zeitpunkt

Den Traum vom LL.M.-Studium in den USA hatte ich zwar schon seit Langem, ihn aber nie ernsthaft verfolgt. Erst als meine Freundin und ich feststellten, dass wir Nachwuchs erwarteten, wurde das Thema akut. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits als Rechtsanwalt tätig und dachte, dass meine juristische Ausbildung eigentlich lang genug gewesen sei. Allerdings stand für mich fest, dass ich von der Entwicklung unseres Sohnes im ersten Lebensjahr möglichst viel miterleben wollte. Wir dachten zunächst an eine größere Reise, wie sie viele Familien mit Kindern heutzutage im Rahmen der Elternzeit unternehmen, hätten diese aber wahrscheinlich auf einen Zeitraum von wenigen Monaten beschränkt. Da das Master-Studium in der Regel ein ganzes Jahr dauert, bot der LL.M. demgegenüber die Chance, eine ganzjährige Auszeit vom Berufsleben zu nehmen.

Man muss deutlich sagen, dass Mütter und Väter einen gesetzlichen Anspruch haben, sich bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes von ihrer Tätigkeit freistellen zu lassen, um sich der Betreuung und Erziehung zu widmen. Gleichwohl bietet es sich an, den Arbeitgeber in entsprechende Pläne frühzeitig einzubeziehen, damit für eine Vertretung während der Abwesenheit gesorgt werden kann. In meinem Fall wurde meine Absicht, zum LL.M.-Studium in die USA zu gehen, sehr wohlwollend aufgenommen. Dies mag zum einen daran liegen, dass auch die Kanzlei nach meiner Rückkehr von den im englischsprachigen Ausland erworbenen Sprachkenntnissen profitiert. Ich hatte aber darüber hinaus den Eindruck, dass man auch meinem Anliegen, Zeit mit der Familie zu verbringen, vielVerständnis entgegenbrachte.


Familienleben

Die ersten Monate mit Kind sind für viele Eltern die schönsten ihres Lebens, zugleich aber auch die anstrengendsten. Wir waren da keine Ausnahme. Als wir in die Vereinigten Staaten aufbrachen, war unser Sohn vier Monate alt, wurde noch gestillt, und in den Nächten hat er vieles angestellt, aber nicht durchgeschlafen. Der hierdurch verursachte Stress geht in erster Linie zu Lasten des Partners, der sich nicht im Studium befindet, in unserem Fall meiner Freundin. Zudem ist manches in den USA anders, beispielsweise ist das Stillen in der Öffentlichkeit bei Weitem nicht so selbstverständlich wie in Deutschland. Vor allem aber sind keine Großeltern oder andere Familienmitglieder in der Nähe, die bei Schwierigkeiten kurzfristig Unterstützung leisten können.

Auch ist die zeitliche Beanspruchung, die das LL.M.-Studium mit sich bringt, nicht zu unterschätzen. Bei den Vorlesungen handelt es sich um Pflichtveranstaltungen, die vorbereitet werden müssen, will man sich bei den in den USA üblichen cold calls des Professors nicht blamieren. Davon abgesehen lässt das Studium aber weitgehende Flexibilität, sodass ich oft am Nachmittag nach Hause gehen konnte und mich erst nachts, wenn unser Sohn schon schlief (oder schlafen sollte), in die Fälle für den nächsten Tag eingearbeitet habe. Insgesamt bot das Studium daher die Möglichkeit, bei vielen „ersten Ereignissen“, wie der ersten Drehung und den ersten Schritten, dabei zu sein, die ich zu Hause als Anwalt vielleicht nicht gehabt hätte.


Finanzierung

Neben den klassischen Finanzierungsmethoden – ich hatte das Glück, ein DAAD-Stipendium zu erhalten – bietet sich beim LL.M. mit Familie insbesondere auch das Elterngeld als weitere Finanzierungsquelle an. Voraussetzung ist, dass man zuvor sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, da sich die Höhe des Elterngeldes am Nettoverdienst des letzten Jahres orientiert. Darüber hinaus ist der Bezug von Elterngeld an den gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland gebunden. Ein solcher gewöhnlicher Aufenthalt wird jedoch nicht durch ein von vornherein zeitlich begrenztes Auslandsstudium unterbrochen. Im Zweifel sollte man vorab Kontakt zur zuständigen Elterngeldstelle aufnehmen, um spätere Unstimmigkeiten zu vermeiden.

Zusammen können beide Partner insgesamt 14 Monate Elterngeld beziehen. Die Aufteilung lässt sich dabei weitgehend selbst bestimmen, sodass beispielsweise ein paralleler Bezug für die Dauer von sieben Monaten möglich ist. Da das LL.M.-Studium in der Regel zehn bis zwölf Monate dauert, verbleibt ein nicht unerheblicher Zeitraum, in dem ein oder beide Partner kein Elterngeld erhalten. Darüber hinaus darf man nicht davon ausgehen, mithilfe des Elterngeldes das gesamte LL.M.-Studium finanzieren zu können. Der monatliche Höchstsatz liegt zurzeit bei 1.800 Euro. Vor allem an den amerikanischen Universitäten mit ihren horrenden Studiengebühren kann das Elterngeld somit nur eine Finanzierungsquelle unter mehreren sein.

Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.