LL.M. an der University of Stellenbosch

Erfahrungsbericht von Miriam Nabinger

Programm

Ich absolvierte 2006 ein LL.M.-Programm an der Stellenbosch University (SUN) in Südafrika. Nach dem Ersten Staatsexamen wollte ich nicht gleich mit dem Referendariat beginnen oder promovieren, sondern vielmehr "für das Leben lernen", ohne jedoch mit der Juristerei ganz auszusetzen. Der LL.M. in Südafrika ermöglichte mir rückblickend, Fachliches mit kultureller Erfahrung, vielfältigen Reisemöglichkeiten und dem Blick über den Tellerrand des nationalen Rechts zu verbinden.

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".
Meine Entscheidung für den LL.M. fiel erst gegen Ende der Vorbereitungsphase auf das Erste Staatsexamen. Mein Interesse an Afrika und der Erfahrungsbericht einer früheren Absolventin hatten mich bereits früh für Südafrika begeistert. Eine Bauchentscheidung war

es letztlich, die mich die SUN der University of Cape Town (UCT) hat vorziehen lassen. Im Nachhinein bereue ich diese Entscheidung nicht: Die Wege in Stellenbosch, auch als das Heidelberg Südafrikas bezeichnet, sind kurz, und die Großstadt (Kapstadt) ist gut erreichbar, wenngleich man dazu ein Auto benötigt, weil man die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs in Südafrika aus Sicherheitsgründen nicht empfehlen kann. In Stellenbosch kann man jedoch (meist) unbehelligt das Nachtleben genießen.

Absolviert man ein LL.M.-Programm ohne Spezialisierung, stehen einem eine Vielzahl unterschiedlicher Module zur Auswahl, deren Spektrum von menschenrechtsrelevanten bis hin zu wirtschaftlichen, arbeits- und steuerrechtlichen sowie sonstigen internationalen Themen reicht. Die SUN bietet des Weiteren einen Master mit einer Spezialisierung im internationalen Handelsrecht an. Alternativ kann man sich auf für einen LL.M. by Thesis entscheiden. Die Veranstaltungen finden abends zwischen 18 und 20 Uhr statt. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Neben den deutlich jüngeren Einheimischen machen die Deutschen, Niederländer, Amerikaner, Skandinavier und Afrikaner anderer Länder die größten nationalen Gruppen aus. In den meisten mit bis zu 30 Studenten eher kleinen Kursen werden wöchentlich Texte zur Vorbereitung aufgegeben. Zwei Assignments (Essays)fallen in der Regel pro Kurs und Semester an, daneben Referate und am Semesterende eine Abschlussklausur. Darüber hinaus muss im akademischen Jahr eine mitunter recht arbeitsintensive, ca. 15.000 Wörter umfassende Thesis (Abschlussarbeit) angefertigt werden.

Organisation und Finanzierung

Wegen meines Timings musste ich einen Großteil der Organisation unmittelbar vor meinem Ersten Staatsexamen abwickeln. Die Hilfsbereitschaft des Personals im International Office bei allen aufkommenden Fragen und die reibungslose Mailkommunikation waren von unschätzbarem Vorteil, um Examensvorbereitung und die Vorbereitung auf den LL.M.-Aufenthalt unter einen Hut zu bringen. Die Wohnungssuche vor Ort, die sich viel einfacher organisieren lässt als die Suche von Deutschland aus, wird dadurch vereinfacht, dass sich vor Ort genügend potenzielle WG-Partner unter den anderen internationalen Studenten finden. Von einem Wohnheim ist eher abzuraten, denn die Preise sind für Ausländer dreimal so hoch wie für Einheimische. Eine frisch renovierte, WG-taugliche Wohnung in zentraler Lage lässt sich zu Preisen ähnlich denen in größeren deutschen Universitätsstädten anmieten. Dank der Unterstützung meiner Eltern, Erspartem und dreier Nebenjobs vor dem LL.M.-Aufenthalt konnte ich die im internationalen Vergleich eher niedrig angesetzten 20.220 Südafrikanische Rand (ca. 1.900 Euro) Studiengebühren aufbringen (heute fallen ca. 30.000 Südafrikanische Rand, also ca. 2.800 Euro an). Im Laufe des akademischen Jahres fallen zusätzlich Kopier-, Druck- und Internetkosten an. Die Studiengebühren kann man bequem per Kreditkarte in der Einführungswoche bezahlen. Auch ansonsten sind für das Finanzielle eine Kreditkarte und für Auszahlungen am Geldautomaten die Maestro ausreichend.

Vor Ort

Trotz der "Europäisierung" vieler Preise vor allem in den touristischen Regionen des Landes liegen die Preise fürs Auswärtsessen nur minimal über denen fürs Selbstkochen. Das liegt an den niedrigen Löhnen vor Ort, die aber aus westlicher Sicht gleichzeitig das Jobben wenig lukrativ erscheinen lassen. Südafrika bietet eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt an Reisemöglichkeiten. Wem das noch nicht ausreicht, der kann in den Semesterferien die angrenzenden Länder bereisen. Auch den Sportlichen kommt die Uni entgegen: Sie hat ein gut ausgestattetes Fitnessstudio mit Pool. Ein Shuttle zum Strand, der eine Dreiviertelstunde entfernt liegt, bringt interessierte Studenten zum Surfen. Verschiedene Student Societies organisieren regelmäßig Wanderungen, Weinabende und andere Freizeitveranstaltungen. Bereits in der Einführungswoche ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man von künftigen Kommilitonen zum braai (Barbecue) eingeladen wird; die Gastfreundschaft ist trotz immer noch bestehender Rassen- und Gewaltprobleme groß in Stellenbosch, und es lassen sich auch Freundschaften aufbauen, die die LL.M.-Zeit überdauern.

Karriererelevantes

Bisher erhielt ich durchweg positive Reaktionen hinsichtlich der Wahl meines LL.M. Besonders gut wurde meine Bereitschaft aufgenommen, den eigenen Kulturkreis zu verlassen. Noch während meines Aufenthalts in Stellenbosch wurde ich, wie die anderen deutschen Absolventen, über meine Universitätsmailadresse von einer renommierten internationalen Großkanzlei zur Bewerbung für meine spätere promotionsbegleitende Nebentätigkeit aufgefordert. Das ist der beste Beweis dafür, dass man in Südafrika mehr erwirbt als nur ein "Surfdiplom".