LL.M. an der University of Pennsylvania (2008)

Erfahrungsbericht von Wichard von Hoff

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

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Die University of Pennsylvania ist eine der ältesten Universitäten der USA und gehört der Ivy League an. Dies äußert sich unter anderem in der zentralen Lage des Campus innerhalb Philadelphias, weil die Universität schon gegründet worden war und beträchtliche Größe erreicht hatte, bevor Philadelphia zu wachsen begann. Zu Fuß sind es 15 Minuten in die Innenstadt, was auch gefahrlos möglich ist. Philadelphia erlebt nach einem Niedergang in den sechziger Jahren eine Renaissance, dies erkennt man vor allem an der sehr lebendigen Innenstadt mit zahlreichen kleinen guten Restaurants, Clubs und Bars. Philadelphia liegt ca. 100 Meilen südlich von New York und 150 Meilen nördlich von Washington D.C. Dies hat insbesondere am Wochenende große Vorteile, weil es äußerst günstige und schnelle Verbindungen in beide Städte gibt (Chinatown-Express…). Das LL.M.-Programm ist im Vergleich zu anderen Law-Schools dieses Rankings klein. Pro Jahr werden ca. 85–90 Studenten zugelassen, davon etwa ein gutes Drittel aus Europa. Das hat den großen Vorteil, dass es einen „Germanen-Club“ kaum gibt und so das eigene Englisch tatsächlich auch außerhalb des Klassenraumes eine Verbesserung erfährt.

Ablauf

Das LL.M.-Programm beginnt Ende Juli mit einer obligatorischen Summer-School, in der man eine Einführung in das amerikanische Recht sowie in die Recherche von Rechtsfragen erhält. Wir empfanden diese Summer-School als großen Vorteil. Nicht nur war die Einführung in das uns fremde Rechtssystem für das spätere Studium sehr hilfreich, sondern wir hatten auch die Gelegenheit, den Campus und unsere Law-School während der Semesterferien kennenzulernen und uns zurechtzufinden. Vor allem aber boten diese vier Wochen die Chance, mit den Kommilitonen unseres LL.M.-Programms, die aus der ganzen Welt stammten, erste Freundschaften zu schließen. Jahr für Jahr bewährt sich dort die Südamerika-Europa-Connection, die durch Japaner und Inder bereichert wird. An die Summer-School schließt sich direkt das Wintersemester an, welches bis Weihnachten dauert. Nach drei Wochen Weihnachtsferien beginnt das Frühlingssemester, welches Mitte/Ende April seinen Abschluss findet. Jeweils Mitte des Semesters und zum Ende des Semesters sind Examen in jedem belegten Kurs zu absolvieren. Im Anschluss an die Graduation Mitte Mai hat man Gelegenheit, den Repetitor-Kurs für das New York Bar Exam zu besuchen, welches Ende Juli geschrieben wird. Ich gehe unten näher darauf ein.

Inhalt

Das LL.M.-Studium zeichnet sich durch den interdisziplinären Ansatz der University of Pennsylvania im Allgemeinen und dem LL.M.-Programm im Besonderen aus. Insgesamt darf man für seinen LL.M.-Abschluss ein Viertel der Credits an anderen Fakultäten absolvieren. Ich empfand es als große Bereicherung, auch MBA-Kurse an der Wharton School of Business absolvieren zu können und so das Recht auch in seinen praktischen Auswirkungen besser einschätzen zu können. Dabei stellt man auch schnell fest, dass man mit einem deutschen Jura-Studium und seinem systematischen Ansatz auch für andere Herausforderungen als die reine juristische Falllösung geeignet ist und auch in MBA-Kursen gut mithalten kann (die nötige Vorbereitung vorausgesetzt!). Dies gilt für alle Kurse, doch sollte man sich von vornherein im Klaren sein, dass das Rechtsstudium im Vergleich zu Deutschland weniger komplex ist, dafür aber eine wesentlich höhere Stofffülle zu bewältigen ist. Mein üblicher Tagesablauf begann um neun Uhr morgens mit den ersten Kursen (bzw. der Vorbereitung auf diese) und endete meist nicht vor 20 Uhr. Anders ist die Vorbereitung auf die nächsten Kurse kaum zu schaffen. Bekannt und berühmt ist die University of Pennsylvania Law School für das Wirtschaftsrecht, insbesondere Corporations (Prof. Rock, Prof. Skeel), Securities (Prof. Thyson) und Secured Transactions (Prof. Mooney) werden von allseits bekannten und geachteten Hochschullehrern unterrichtet. Durch die Nähe zu Delaware können häufig Richter des Obergerichts dieses Staates für Vorträge gewonnen werden, der wie kein anderer das Gesellschaftsrecht in den Vereinigten Staaten prägt. Den sog. „Thesis-Track“ belegen nur sehr wenige, weil für die Thesis 7 Credits vergeben werden, was fast einem Drittel der für die Verleihung des LL.M.-Titels notwendigen Credits entspricht. Das bedeutet, dass man ein Drittel seiner Zeit allein hinter Büchern verbringt, was im Vergleich zu den exzellenten Kursen dann doch eher langweilig ist. Eine Alternative ist jedoch ein „Independent Study“, in dem man zu einem Thema seiner Wahl eine Arbeit schreibt und dabei von einem Professor intensiv begleitet wird. Insbesondere für die Anfertigung einer Dissertation in Deutschland kann dieser „Independent Study“ dann hervorragend verwendet werden.

Bewerbung und Auswahlkriterien

Wie bei allen anderen namhaften Universitäten sind umfangreiche Bewerbungsunterlagen einzureichen, was auch online geschehen kann. Zu diesen gehören neben Professoren-Empfehlungen und einem Transcript auch das Personal Statement, was in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte. Die Zulassung der Bewerber folgt nicht nur nach Noten, sondern auch ganz entschieden nach den Eigenschaften des Bewerbers, der von seiner Persönlichkeit her eine Bereicherung für den relativ kleinen Kreis der LL.M.-Studenten darstellen soll. So findet man im LL.M.-Programm seit jeher (was auch den nachhaltig guten Kontakt unter Ehemaligen im Rahmen der Penn Law European Society befördert) wenig „Streber“, sondern ein sehr diversifiziertes Bild von engagierten und an fremden Kulturen interessierten Menschen. Der Spaß aneinander und miteinander soll trotz des intensiven Studiums nicht zu kurz kommen, was auch durch zahlreichePartys, Barbecues und andere Festivitäten, die von der Universität ausgerichtet werden, unterstrichen wird.

New York Bar Exam

Als LL.M.-Absolvent einer US-Law-School hat man die Möglichkeit, am New York Bar Exam teilzunehmen. Dazu besucht man ab Ende Mai einen zweimonatigen Kurs von BarBri, einem professionellen Repetitor, der sogar per Videokonferenz in den Räumen der Law School stattfindet. In diesem Kurs erhält man einen guten Grundüberblick über das amerikanische Recht. Konzentrierte man sich bisher im LL.M.-Programm sehr auf einzelne Teilbereiche, gilt es nun, auch Fächer wie Evidence, Constitutional Law, Criminal Procedure etc. in den Griff zu bekommen – zumindest so, dass es für einen Multiple-Choice-Test genügt. Die Dozenten sind methodisch sehr geschickt und auf die Ausstrahlung per Video vorbereitet, so dass diese zunächst ungewohnte Form schnell angenommen wird. Die zwei Monate der Vorbereitung auf das Bar Exam gehören sicher zu den härtesten Lernerfahrungen, die man in seinem Leben machen wird, weil es schlicht und ergreifend ums Auswendiglernen geht. Die Tage beginnen um acht Uhr morgens und enden um elf Uhr abends, wenn man als Deutscher mit äußerst geringen Vorkenntnissen das Examen bestehen möchte. Ich würde es aber immer wieder machen, aus drei Gründen. Erstens erhält man einen Überblick über das amerikanische Recht, den man in dieser gedrängten Form anderswo kaum bekommen kann. Zweitens ist es später immer hilfreich, wenn man sagen kann, dass man sogar in New York zugelassen ist; dies fördert die Akzeptanz durch einen US-Mandanten gegenüber einem deutschen Rechtsanwalt erheblich. Drittens denke ich, dass die Bewältigung einer solchen Herausforderung immer positiv wirkt – nicht nur auf andere, sondern auch für einen selbst. Vor dem Durchfallen sollte man sich nicht fürchten. Zumindest als deutscher LL.M.-Student in Penn spricht die Statistik für einen: Noch haben es sämtliche Deutsche meiner Uni geschafft, das Examen zu bestehen. Viel Glück!