LL.M. an der University of Otago

Erfahrungsbericht von Bettina Brandt, Referendarin am Landgericht Stuttgart

Wahl des Zeitpunkts für das LL.M.-Studium

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

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Bereits vor dem Ersten Staatsexamen hatte ich oft mit dem Gedanken gespielt, ein Semester im Ausland zu verbringen. Hiervon nahm ich Abstand, da ein Auslandssemester alleine schon aus logistischen Gründen viel Zeit in Anspruch nimmt, die ich vor dem Examen nicht entbehren wollte. Andererseits wollte ich nach dem Zweiten Staatsexamen gleich in das Berufsleben einsteigen oder aber promovieren. Deshalb habe ich mich für den einjährigen LL.M. entschieden, da er einen nicht so sehr aus dem Lernrhythmus bringt, dass man im Referendariat nochmals vieles neu lernen müsste.

Wahl des Studienlands und des LL.M.-Programms

Für den LL.M. in Neuseeland habe ich mich zunächst entschieden, weil es mir um die Zusatzqualifikation als solche ging. Hinzu kam, dass die Höhe der Studiengebühren in Neuseeland etwas niedriger ist als in England oder den USA. Aus einer Vielzahl von Gründen fiel meine Wahl schließlich auf die University of Otago (Dunedin). Die dortige rechtswissenschaftliche Fakultät ist bekannt für ihre renommierten Professoren, deren Recherchearbeiten in Neuseeland unübertroffen sind. Daher sind die Voraussetzungen für einen LL.M. by Thesis an der University of Otago optimal. Insbesondere erhält jeder Master-Student einen eigenen Arbeitsplatz sowie ein ausreichendes Recherchebudget. Zu beachten ist jedoch, dass der LL.M. by Coursework an der University of Otago nicht angeboten wird. Dafür kann man mit dem Thesis-LL.M. jederzeit (auch mitten im Semester) beginnen. Am besten setzt man sich in diesem Fall vorher mit dem International Office in Verbindung.

Die Vorbereitungsphase

Die Vorbereitungsphase zog sich bei mir über ungefähr vier Monate hin. Im Anschluss an die mündliche Staatsexamensprüfung begann ich, nach einem geeigneten Thesis-Thema zu suchen und wurde in einem Artikel in einer deutschen Tageszeitung fündig. Nach einigen Wochen Recherche reichte ich meinen Themenvorschlag über das Institut Ranke-Heinemann ein, das für Bewerbungen in Australien und Neuseeland kostenlos Übersetzung und Versand übernimmt. Zeitgleich absolvierte ich den IELTS-Sprachtest, der Bewerbungsvoraussetzung für ein Studium an den neuseeländischen Universitäten ist. Zudem bewarb ich mich – leider erfolglos – für diverse Stipendien, u. a. beim DAAD.

Studienfinanzierung und Lebenshaltungskosten

Die Studiengebühren sowie den nicht gerade kostengünstigen Flug finanzierte ich mangels Stipendium selbst. Glücklicherweise erklärten sich meine Eltern bereit, mich für die Dauer des LL.M.-Studiums noch finanziell zu unterstützen und für Miete sowie Lebenshaltungskosten (in Höhe von etwa 600 Euro pro Monat) aufzukommen. Zwar kann man als Master-Student 25 Stunden pro Woche arbeiten, jedoch ist es beinahe unmöglich, als Nicht-Muttersprachler in der Universitätsstadt Dunedin einen Job zu bekommen.

Meine Highlights im LL.M.-Studium

In Neuseeland hatte ich nicht nur die Möglichkeit, ein unglaublich schönes Land zu entdecken und neue Freundschaften zu schließen, sondern auch mich selbst weiterzuentwickeln. Hinzu kommt, dass mich der mitreißende Enthusiasmus, mit welchem die Professoren und Studenten das Leben an der Universität prägen, schwer beeindruckt hat. Ich fand Gefallen am Recherchieren und der Beschäftigung mit dem fremden Rechtssystem. Durch das mir zur Verfügung stehende Recherchebudget war es mir zudem möglich, nach Wellington zu reisen und dort in der historischen Parliamental Library zu recherchieren. Von Vorteil war in diesem Zusammenhang auch, dass die University of Otago beinahe in allen großen Städten Neuseeland „Branches“ hat, die man zu Recherchezwecken nutzen kann. Darüber hinaus bietet die Universität jedem Studenten die Möglichkeit, kostengünstig Sport- und Camping-Equipment zu entleihen und an organisierten Trips teilzunehmen. Außerdem gibt es in Dunedin selbst wundervolle Strände und eine faszinierende Tierwelt.

Was besser hätte laufen können

In dem einen Jahr in Neuseeland bin ich unglücklicherweise dreimal innerhalb Dunedins umgezogen. Mein Tipp: Man sollte darauf achten, nicht in die universitätsnahe Partymeile Caste Street oder deren unmittelbare Umgebung zu ziehen. Auch bei der Beantragung des Visums gab es Komplikationen, da man die Studiengebühren zunächst nur für ein Semester entrichten kann und folglich vorab nur ein Visum für sieben bis acht Monate erhält. Dieses kann in Neuseeland über die Universität nach Zahlung der weiteren Studiengebühren auf ein Jahr verlängert werden.

Das hat mir der LL.M. gebracht

Der LL.M.-Abschluss war ein großer Pluspunkt bei meinen Bewerbungen für die Referendariatsstationen und meine Nebentätigkeit während des Referendariats. Darüber hinaus habe ich einen sicheren Umgang mit der englischen Rechtssprache und Verständnis für andere Rechtssysteme sowie einen selbstsicheren Umgang mit neuen Aufgaben und Herausforderungen entwickelt. Rückblickend kann ich sagen, dass der LL.M. mir in vielerlei Hinsicht geholfen hat. Gerade die Kombination, ein fremdes Land zu bereisen, ein neues Rechtssystem kennenzulernen und in einer anderen Sprache eigenständig zu arbeiten, war für mich entscheidend.


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