LL.M. an der University of Nottingham 2009

Erfahrungsbericht von Stefan Helmich

LL.M. International Commercial Law an der University of Nottingham

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Mein LL.M.-Studium habe ich nach dem ersten Staatsexamen von Oktober 2007 bis September 2008 an der University of Nottingham absolviert. Den LL.M. habe ich hierbei nicht als Alternative zu einer Doktorarbeit gesehen, da ich ursprünglich geplant hatte, das Thema der im Rahmen des Studiums anzufertigenden Master-Arbeit inhaltlich mit einer anschließenden Promotion zu verknüpfen. Im Verlauf des Auslandsaufenthaltes habe ich mich dann jedoch entschieden, erst nach dem Referendariat zu promovieren, um nicht zu große Zeitabstände zwischen den Examina entstehen zu lassen. Ein MBA kam demgegenüber für mich persönlich nicht in Frage, da ich mich gerne auf europäisches und internationales Wirtschaftsrecht spezialisieren wollte; zum anderen reizte mich die Möglichkeit, eine Common- Law-Rechtsordnung näher kennen zu lernen.

Nachdem ich Australien und Neuseeland ebenfalls in Betracht gezogen hatte, fiel meine Wahl insbesondere wegen des europarechtlichen Teilschwerpunktes schnell auf Großbritannien. Ein Studium in den USA schied für mich schon deshalb aus, weil in Anbetracht der beträchtlichen Studiengebühren eine Finanzierung in der Regel nur über die Kombination mehrerer Stipendien möglich ist und sich dadurch die Vorlaufzeit der Bewerbungen deutlich erhöht. Das Studium in Großbritannien konnte ich demgegenüber über ein Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes finanzieren; alternativ hierzu hatte ich eine Stipendienzusage über die Auslandsförderung des Evangelischen Studienwerks Villigst erhalten. Unabhängig von den finanziellen Gesichtspunkten erschien mir England als sehr traditionsreiches Land letztlich aber auch als der interessantere Lebensort für einen Auslandsaufenthalt.

Bei der Auswahl der Universität habe ich mich zunächst grob an den Rankings im Times Good University Guide und im Independent’s Good University Guide orientiert, anschließend habe ich die Programmkataloge der näher in Betracht kommenden Universitäten genauer studiert. Für die University of Nottingham habe ich mich entschieden, da die School of Law einen sehr guten Ruf genießt und mit der Public Procurement Research Group überdies einen Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet des Vergaberechts aufweist, mit dem ich mich gerne vertieft auseinandersetzen wollte. Im Rahmen des LL.M. International Commercial Law (neben einem General LL.M. bietet die Universität eine Vielzahl von Specialist LL.M. Degrees an, so z.B. Maritime Law, Environmental Law oder Public International Law) habe ich daher Kurse im europäischen und internationalen Vergaberecht sowie im europäischen Wettbewerbsrecht belegt; zusätzlich habe ich im Bereich des Common Law Seminare im internationalen Kauf- und Seehandelsrecht besucht.

Nachdem ich meine Englischkenntnisse bereits während der Vorbereitung auf die IELTSPrüfung aufgefrischt hatte, verlief die Sprachumstellung ohne Schwierigkeiten. Das durchgängig hohe Arbeitspensum während der Vorlesungszeit war bei guter Zeiteinteilung ebenfalls zu bewältigen. Eine besondere Herausforderung war allerdings das Erlernen der Systematik des Common Law, das – von einer kurzen Einführung abgesehen – weitgehend in Eigenregie erfolgte. Insbesondere der Umgang mit dem Case Law erwies sich angesichts der großen Stoffmengen als sehr anspruchsvoll; hier ist es wichtig, sich früh die richtige Methodik zur Herausarbeitung der Fakten und Kernaussagen eines Falles anzueignen. Gerade in der Anfangsphase bietet es sich außerdem an, zunächst die Zusammenfassung des jeweiligen Falles in einem Lehrbuch zu lesen bzw. mit Case Books zu arbeiten, die die wichtigsten Passagen auszugsweise wiedergeben und kommentieren. Dennoch sollte man sich von dem erhöhten Arbeitsaufwand nicht abschrecken lassen, da die Kurse einen einzigartigen Einblick in die Denkweise von Juristen mit Common-Law-Hintergrund bieten und sich auch mit einer kontinentaleuropäischen Juristenausbildung sehr gute Ergebnisse erzielen lassen.

Insgesamt war ich daher mit meiner Wahl sehr zufrieden, sei es hinsichtlich der Qualität der Lehre, sei es im Hinblick auf die angenehme Lebens- und Lernatmosphäre auf dem Campus. Insbesondere die international zusammengesetzte Studentenschaft und die vielschichtige Mischung der Nationalitäten haben mich positiv überrascht. Aus diesen Gründen würde ich dasselbe LL.M.-Studium erneut wählen, zumal ein LL.M. eine Zusatzqualifikation ist, an der entsprechend orientierte Arbeitgeber eine internationale Ausrichtung der Ausbildung, die Kenntnis einer fremden Kultur und verhandlungssichere Sprachkenntnisse schätzen. Der persönliche, ideelle Wert – die Gelegenheit, eine fremde Kultur kennen zu lernen und Freundschaften mit Studenten aus aller Welt zu schließen – ist einmalig. Wer sich hierfür interessiert, sollte den Auslandsaufenthalt insbesondere im Hinblick auf Bewerbungsfristen für Stipendien und Studienplätze möglichst frühzeitig planen (ca. 9–12 Monate im Voraus). Die Mühe lohnt sich. Viel Erfolg!