LL.M. an der University of New South Wales Sydney 2013

Erfahrungsbericht von Tobias Lange, Rechtsanwalt, 2013

Als Unternehmensjurist vom LL.M.-Studium profitieren

Nach meinem LL.M.-Studium an der University of New South Wales in Sydney, Australien,1 habe ich mich dazu entschieden, in der Rechtsabteilung der Siemens AG in München ins Berufsleben zu starten. Ich berate dort die konzernübergreifenden Unternehmensabteilungen (Corporate Units), wobei die Vertragsgestaltung und -verhandlung den Hauptteil meiner Arbeit ausmacht. Der Mehrwert eines LL.M.-Studiums hat sich inzwischen auch in Personalabteilungen großer Unternehmen herumgesprochen. Als Unternehmensjurist profitiere ich täglich von diesem Abschluss.

Inwiefern hat sich das LL.M.-Studium ausgezahlt?

Wie wertvoll die während meines LL.M.-Studiums gemachten Erfahrungen für meine tägliche Arbeit sein würden, wurde mir erst nach Arbeitsbeginn klar. So banal es klingt: Für die Rechtsabteilung eines international tätigen Konzerns ist entscheidend, dass die Anwälte exzellentes Englisch – und zwar Rechtsenglisch – sprechen und schreiben. Es vergeht kein Tag, an dem nicht entweder eine Besprechung auf Englisch stattfindet oder ein Vertrag auf Englisch zu schreiben oder zu kommentieren ist. Wer lange auf Leo nach Begriffen suchen muss, wird erhebliche Probleme bekommen, da oft erwartet wird, dass der Vertragstext direkt in Verhandlungen verfasst wird. Ich rate daher dazu, im LL.M.-Studium möglichst viele Aufsätze zu schreiben und Kurse mit Multiple-Choice-Tests zu meiden.

Meine während des LL.M.-Studiums gemachten Erfahrungen darin, mit Juristen aus allen Ländern der Welt zu diskutieren, den eigenen juristischen Standpunkt zu vertreten und in heterogenen Gruppen Lösungen zu erarbeiten, erleichtert mir die tägliche Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen ungemein. Ich kenne nicht nur einige typische Vorbehalte aus jeweils landesrechtsspezifischer Sicht, sondern kann durch den gewonnenen Einblick in fremde (Rechts-)Kulturen besser verstehen, wer was warum und in welcher Form vorbringt und welche Reaktion angemessen ist. Oft lassen sich Bedenken ausländischer Juristen gegen einzelne Vertragsklauseln entkräften, indem die Besonderheiten des deutschen Rechts erklärt werden. Dafür ist es jedoch erforderlich, dass wichtige Unterschiede zwischen den Rechtssystemen bekannt sind. Auch habe ich im Zuge der juristi- 1 Der dazugehörige Erfahrungsbericht findet sich unter www.e-fellows.net/llm-erfahrung. schen Recherche in Australien die Erfahrung gemacht, dass in vielen (vor allem durch das Common Law geprägten) Ländern der Blick in zwei rote Bücher und „den Kommentar“ nicht ausreicht, um die Rechtslage weitgehend zu klären. Umso wichtiger ist es, dass ich mir in Australien ein Netzwerk internationaler Juristen aufgebaut habe, welches mir bei lokalen Rechtsfragen bereits mehrfach weitergeholfen hat.

Ob das LL.M.-Studium auch inhaltlich einen Mehrwert für die Arbeit als Unternehmensjurist bringt, hängt sehr stark von der Auswahl der Kurse sowie der konkreten Tätigkeit in der Rechtsabteilung ab. Persönlich profitiere ich hauptsächlich davon, dass ich einen Kurs zur Vertragsgestaltung belegt habe, in dem ich mehrere umfassende Verträge zu erstellen hatte.

Ein Blick zurück: Was hätte ich heute anders gemacht?

Nicht viel, so viel steht fest. Dass mein LL.M.-Studium mir hilft, meine Aufgaben im Unternehmen besser zu meistern, hat meiner Ansicht nach vor allem damit zu tun, dass ich viele juristische Aufsätze zu selbst gewählten Themen auf Englisch geschrieben habe. Die Einwände einiger Kommilitonen, dass man mit einem australischen LL.M. in der Bewerbung benachteiligt sei, hat sich in keinster Weise bestätigt. Eine Promotion hat im Unternehmen sicherlich den Vorteil, dass der Doktortitel gerade gegenüber den nicht juristischen Kollegen ein gewisses Gewicht hat, wohingegen der LL.M.-Titel im Unternehmen eher nicht verwendet wird. Für das berufliche Fortkommen im Unternehmen ist der Doktortitel meiner persönlichen Erfahrung nach jedoch nicht zwingend mehr wert.

Ein letzter Rat

Ob die Wahl auf Australien oder ein anderes englischsprachiges Land fällt, ist meiner Ansicht nach Geschmackssache. Wer überlegt, Deutschland dauerhaft den Rücken zu kehren, sollte sich frühzeitig um die ausländische Anwaltszulassung kümmern und während der Semesterferien Praktika absolvieren. Wer sich nicht zwischen Promotion und LL.M.-Studium entscheiden kann, sollte überlegen, was ihm am meisten Spaß macht und was er sich von diesem Vorhaben konkret erwartet. Eine Entscheidung aufgrund der vermeintlichen Bedeutung eines Titels ist aus meiner Sicht immer die falsche.


Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.