LL.M. an der University of Michigan Law School

Erfahrungsbericht von Felix M. Wilke, Wirtschaftsjurist, 2014

Hail! Hail! to Michigan – The leaders and best!

Die Entscheidungssammlung des U.S. Supreme Court enthält vielleicht manches Fehlurteil, doch seine Einschätzung der University of Michigan Law School ist absolut korrekt: „The Law School ranks among the Nation’s top law schools.” (Grutter v. Bollinger, 539 U.S. 306)

Ziel, Zeitpunkt und Finanzierung

Seit Kindestagen faszinieren mich die USA. Insofern war gleich klar, in welche geografische Richtung mich der LL.M. führen würde. In der gesicherten Position als wissenschaftlicher Mitarbeiter hatte ich bei vier Bewerbungen drei Zusagen aus den USA bekommen. Die damals schwere Entscheidung, insbesondere gegen Chicago, wurde letztlich von der einzigartigen Atmosphäre beeinflusst, die von Michigan ausging. Vor allem die Betreuung durch das dortige Admission Office war hervorragend. Ich will aber auch nicht das Teilstipendium verschweigen, das Michigan mir für seine Studiengebühren von knapp 51.000 USDollar anbot. Meine Entscheidung war davon sicherlich, wenn auch nicht ausschließlich, beeinflusst, zumal ich zum Entscheidungszeitpunkt noch nicht wusste, dass ich alle einschlägigen deutschen Stipendien knapp verfehlen würde.

Das LL.M.-Programm und die Law School

Einer der Hauptgründe für mein Interesse an und die spätere Entscheidung für Michigan war die Größe des LL.M.-Programms: Wir waren gerade einmal 26 „allgemeine“ und neun Tax-LL.M.-Studenten aus aller Welt. Nach kürzester Zeit kannten wir uns untereinander und wurden gleichzeitig geradezu dazu gezwungen, Bekanntschaft mit amerikanischen Studenten zu machen. Dies lag unter anderem daran, dass es nur zwei Veranstaltungen ausschließlich für LL.M.-Studenten gab. Ansonsten sitzt man gleichberechtigt und -verpflichtet unter den J.D.-Studenten. Dabei hat man, außer als Tax-LL.M.-Student, in Bezug auf die Kurse völlig freie Wahl. Stattdessen findet man auch aus deutscher Perspektive unübliche Materien wie „Narrative Skills and the Law“, „Bloodfeuds“, „Faking It“ oder „Saving the World“.

Architektonisch ist die University of Michigan Law School eine Wucht; wichtiger ist jedoch natürlich die fachliche Exzellenz. Michigan steckt voller Koryphäen. Wer in den großen US-Medien Analysen zu aktuellen juristisch-politischen Fragestellungen sucht, stolpert regelmäßig über Mitglieder der Fakultät. Viele Professoren sind sich gleichwohl nicht zu schade, sogenannte Mini-Seminare zu teils eher schrägen Themen im heimischen Wohnzimmer abzuhalten, zu Halloween verkleidet in die Vorlesung zu gehen oder einen „Crazy Hat Day“ zum Abschluss des Semesters zu veranstalten.

Damit wären wir dann beim Michiganer Spirit, den ich am beeindruckendsten fand. Ja, auch Michiganer Jurastudenten beklagen sich über Stoff, Klausuren und bestimmte Dozenten. Trotzdem finden sie Zeit und Energie, sich in rund 60 Studentengruppen einzubringen. Davon angesteckt brachte ich mit amerikanischen Kommilitonen den Insassen eines Michiganer Gefängnisses ihre Kindesunterhaltspflichten näher. Meinen Spring Break verbrachte ich mit sechs anderen J.D.s in Arizona, wo wir uns in NGOs, in Auffanglagern, mit Politikvertretern, bei Gericht und sogar mit der Border Patrol an der mexikanischen Grenze einen Einblick in die deprimierende Einwanderungsproblematik verschafften. Ohne Michigan Law wäre ich auch nicht Wahlbeobachter bei der US-Präsidentschaftswahl geworden. Aus Platzgründen kann ich „Mr. Wolverine“, den parodistischen Schönheitsund Talentwettbewerb unter männlichen Jurastudenten, die „SFF Auction“, die Halloween- Party, den Prom und überhaupt den sehr engagierten Law School Student Senate, in dem ich die LL.M.-Studenten vertrat, hier leider nur erwähnen.

Langweiliges Ann Arbor? Weit gefehlt!

Bedenken angesichts der verhältnismäßig niedrigen Einwohnerzahl von etwas mehr als 110.000 sind unangebracht. Ann Arbor ist eine Collegetown mit allem, was dazugehört: studentische Bars, niedrige Lebenshaltungskosten, Fraternities und Sororities, unvergleichliche Sportbegeisterung. Michigan Stadium hat seit über 240 Spielen in Folge mehr als 100.000 zahlende Zuschauer. Natürlich beherrscht jeder Fan die Schlachtenhymne „Hail to the Victors“, die das in der Überschrift zitierte Juwel enthält. An einem Spieltag der College(!)-Footballmannschaft besteht die Stadt eigentlich nur aus Tailgate-Partys in den Vorgärten. Wer im vorangehenden Satz eine glatte Übertreibung vermutet, möge sich bitte selbst ein Bild vom ohnehin Unbeschreiblichen machen. Basketball (NCAA-Finalist 2013), Eishockey, Baseball, Fußball, Tennis und Lacrosse werden auch gespielt – in Einrichtungen, von denen manches Profiteam nur träumen kann.

Wer andere Formen von Kultur bevorzugt, kommt in Ann Arbor ebenfalls nicht zu kurz: Das Kunstmuseum ist erstaunlich gut bestückt, und die Konzerthalle wird von Musikern von Weltruhm frequentiert. In der Zeit, in der ich vor Ort war, gaben sich etwa Anne-Sophie Mutter, Yo-Yo Ma, Wynton Marsalis und die New York Philharmonic die Klinke in die Hand.

Fazit

Mein Bericht mag nach einem reinen Werbetext für Michigan Law klingen. Dabei zeigt er lediglich, wie wohl ich mich dort vom ersten Tag an gefühlt habe. Wer ein größeres LL.M.- Programm, eine Großstadt oder einen warmen Winter möchte, oder wer für gesellschaftspolitisches Engagement wenig übrig hat, würde in Michigan vielleicht nicht glücklich werden. Jedem anderen kann ich die Law School wirklich nur empfehlen.


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