LL.M. an der University of Johannesburg 2017

Erfahrungsbericht von Annalena Adolph; LL.M.-Studentin University of Johannesburg

LL.M. in der Stadt des Goldes: University of Johannesburg

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Johannesburg – kurz Joburg, liebevoll Jozi, auf isiZulu eGoli für die Stadt des Goldes – für mich eine zweite Heimat. Im Gegensatz zu den meisten Autoren in diesem Band habe ich noch keinen Titel – der Grund: Ich bin im Ausland, während ich diesen Text verfasse. Wenn es mir gelingt, dass ihr am Ende des Erfahrungsberichts einen LL.M. in einem Land in Betracht zieht, das euch vorher als zu exotisch oder auch nur zu weit weg erschien, bin ich zufrieden. Meine Begeisterung lässt sich kaum in Worte fassen. Warum Johannesburg? Das ist die mir am häufigsten gestellte Frage, gemeinsam mit: Ist es dort nicht viel zu gefährlich?

Also, warum Johannesburg?

Abenteuerlust. Es musste weit weg sein, und es musste anders sein. Von Südafrika kannte ich bisher nur Kapstadt, das schön ist, aber auch sehr touristisch und für meinen Geschmack zu europäisch. Wenn ich ein Jahr im Ausland leben würde, dann sollte alles anders sein: das Klima, die Landschaft, die Kultur, die Geschichte, die Sprache (in Südafrika sind es gleich elf Sprachen), die soziale und gesellschaftliche Struktur, die Probleme. Neben Sprachen hat Südafrika nämlich eines genug, und das sind Probleme. Gut zwei Jahrzehnte nach der Wahl des ersten schwarzen Präsidenten sind hier immer noch die Nachwirkungen der Apartheid zu spüren. Nach Südafrika kann man kommen, wenn man gutes Wetter mag (wobei es im Winter kälter ist als erwartet) und das Meer, wenn man gerne wandert und auf der Suche nach den Big Five durch Nationalparks fahren möchte. Für mich waren und sind das Wichtigste aber immer und überall die Menschen. Ich möchte nicht nur aus den Medien erfahren, wie die gesellschaftliche Lage ist – ich will sie erleben. Man könnte fast sagen: Südafrikas Probleme haben mich am meisten interessiert. Genau deshalb musste es noch extremer sein als das allseits beliebte Kapstadt: Johannesburg hat mich gelockt. Es ist wahr, dass Johannesburg zu den gefährlicheren Städten dieser Welt gehört und dass sich Südafrika dort nicht von seiner schönen, sondern von seiner vielleicht wahren Seite zeigt. Armut ist allgegenwärtig, und hält man sich nicht an einige Regeln, wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit Opfer eines Überfalls. Ich würde hier aber sicher nicht schwärmen, wenn mir je etwas zugestoßen wäre, und jeder, der auf den Rat der Leute hört, die sich auskennen, kann eben jenes vermeiden. Man bezahlt allerdings einen Preis für die Sicherheit, der nicht jedem recht sein wird: Es ist sehr schwierig, Johannesburg zu erkunden – und ohne Auto fast unmöglich. Man muss sich abgewöhnen, Sachen zu Fuß zu erledigen oder Freunde zu Fuß zu besuchen, vom Fahrradfahren ganz zu schweigen. Ich wüsste nicht, wo man überhaupt ein Rad herbekommen würde. Da bleibt viel Zeit für das Studieren am Schreibtisch im Postgrad-Wohnheim auf dem Campus. Langweilig? Ganz und gar nicht. Meine persönliche Taktik ist, neben dem LL.M. möglichst viel zu reisen und dazwischen diszipliniert zu studieren. Denkt nicht, das würde einem leicht gemacht: In einem Wohnheim aus kleinen Häusern voller Postgrads und internationaler Studenten ist immer etwas los. Es ist kein Problem, Anschluss zu finden, gemeinsam zu grillen, Ausflüge und Urlaube zu machen (irgendjemand hat dann auch sicher ein Auto) und sich wunderbar ablenken zu lassen. Von daher ist die Einschränkung, mit der ich selbst absolut gerechnet hatte, nicht halb so unangenehm wie erwartet.

International Commercial Law – ich in einer Wirtschaftskanzlei?

Wer weiß? Genau dabei kann doch ein LL.M. helfen: Man hat ein Jahr mehr Zeit, darüber nachzudenken, was man eigentlich will. Vermutlich ist man nach dem Zweiten Examen schon weiter, aber nach dem Ersten weiß ich noch nicht, was einmal aus mir werden soll. So habe ich mir beispielsweise zum Ziel gesetzt, am Ende dieses Jahres zu wissen, ob ich promovieren möchte. Und eines ist mir schon klar geworden: wenn, dann im Internationalen Privatrecht. In International Commercial Law, einem von zehn LL.M.-Programmen der UJ (die übrigens das Research Centre for Private International Law in Emerging Countries beheimatet) beschäftigen wir uns mit dem IPR und dem Internationalen Zivilverfahrensrecht von über 15 verschiedenen Ländern und der EU plus diversen Soft Law Instruments, wobei wir uns auf Handelsverträge beschränken. Diese beiden Kurse füllen mit je einem assignment und einer Klausur das erste Semester, während das zweite aus der Masterarbeit und einem Kurs besteht, in dem Comparative, International Sales and Property, International Financing, Transport und Transport Insurance Law, Arbitration sowie Mergers and Acquisitions behandelt werden. Für mich ist das Programm deshalb perfekt, weil ich schon in Deutschland im Schwerpunkt IPR belegt und daran die meiste Freude hatte. Aber das richtige Programm muss jeder für sich selbst nach den eigenen Interessen auswählen. Letztlich ist auch völlig egal, wofür man sich entscheidet: Der Auslandsaufenthalt an sich ist schon eine persönliche Bereicherung, und Neues lernt man sicher in jedem Programm. Noch konnte ich das Gelernte zwar nicht anwenden, aber es muss schlicht ein Job her, mit dem ich es kann – denn es ist, was ich am liebsten mache.

Warum so viel Energie in die Vorbereitung eines Auslandsjahrs stecken?

Wenn man mir diese Frage stellen würde, müsste ich kurz innehalten, Luft holen, und versuchen, meiner ausnahmslosen Begeisterung und Empfehlung, diese Mühe unbedingt auf sich zu nehmen, Ausdruck zu verleihen: Man lernt nicht nur, eine Fremdsprache fließend zu beherrschen (Fachsprache eingeschlossen), sondern stellt sich der Herausforderung, ein neues Leben aufzubauen. Man verlässt die Bequemlichkeit des Gewohnten und lässt sich auf das Abenteuer des Neuen ein. Dabei lernt man, das Gewohnte zu vermissen und weiß die ganze Zeit, dass man das Neue genauso vermissen wird, und zwar für immer. Den LL.M. auf den Lebenslauf zu schreiben, wird völlig unwichtig, wenn man erst einmal mittendrin ist. Für mich ist dieses Jahr weit mehr als ein Blick über den Tellerrand.

Auf unserer Webseite findest du einen Überblick über verschiedene LL.M.-Programme. Informier dich auch beim LL.M. Day und in unserem LL.M.-Ratgeber. Für e-fellows gibt es außerdem exklusive LL.M.-Stipendien.