LL.M. an der University of Connecticut

Erfahrungsbericht von Katja Giese, Rechtsanwältin, 2014

LL.M. an der UConn: Versicherungsrecht in a H(e)artbeat

Irgendein LL.M. in den USA – das war mir nicht genug. Nicht genug, um den Berufseinstieg ein weiteres Jahr aufzuschieben und schon gar nicht genug, um Geldgeber für mein Vorhaben zu finden. Das Programm der University of Connecticut – LL.M. Insurance Law – stieß jedoch gleich in zweifacher Hinsicht auf Begeisterung: Mein Interesse für das abgelegene Themengebiet und das Interesse des DAAD, der mein Eintauchen in die Versicherungswelt mit einem Jahresstipendium förderte, waren geweckt.

Als einziges US-amerikanisches Programm seiner Art schlägt das Institut am Puls der USVersicherungsindustrie mitten in Hartford, Connecticut. In der Professorenschaft trifft man auf namhafte Lehrer, die sich in Wirtschaft und Politik bewährt haben und mit viel Praxisbezug unterrichten. In den Kursreihen finden sich vergleichsweise wenig internationale und viele, teils berufstätige US-Studierende – ein Garant für höchstes Niveau und wenig Pauschalprogramm wie an anderen LL.M.-Hochburgen in den USA.

Wie gründet man ein Versicherungsunternehmen in China?

Eine für mich ganz neue Unterrichtsstruktur lernte ich im Kurs Comparative Insurance Regulation kennen: Ausschließlich online trafen Studierende von Universitäten in Italien, China und den USA aufeinander und diskutierten aufsichtsrechtliche Fragen der verschiedenen Rechtsordnungen. Das Curriculum wurde in grobe Wochenthemen aufgeteilt, die die Teilnehmer abwechselnd als Moderatoren mit Leselisten, Fragestellungen und Diskussionen inhaltlich füllen mussten. „Wie eröffnet ein US-Versicherer eine Zweigstelle in China?“ war nur eines der spannenden Probleme, die in Teamwork und schriftlichen Arbeiten mit den internationalen Kommilitonen gelöst wurden. Für genug Hintergrundwissen sorgten die vorhergegangenen Kurse Principles of Insurance, Insurance Regulation und Insurance Finance.

Hurricane Katrina und Credit Default Swaps: Staubtrocken ist anders

Mit seinem starken US-Bezug und der fast tagespolitischen Brisanz empfand ich den Kurs Alternative Management of Risk als besonders lebendig und gewinnbringend. Brandaktuelle Themen rund um den Katastrophenversicherungsschutz und die Wirtschaftskrise sorgten für hitzige und vielfältige Diskussionen oft weit über das Unterrichtsende hinaus. Gleich zwei Professoren aus der Praxis lieferten mit ihren eher wirtschaftspolitischen Inhalten das Gegenteil von einer staubtrockenen Juravorlesung.

Richtig viel Praxisluft durfte ich in meinem zweiten Semester während eines Praktikums bei einem US-amerikanischen Versicherer schnuppern. Dank der exzellenten Kontakte der UConn-Professoren zur Versicherungswirtschaft konnte ich eines der begehrten Externships abstauben, die Rechtsabteilung kennenlernen und mich den Herausforderungen der Arbeitswelt in einem fremden Land stellen.

Living in the „Hartbeat“

Der Jura-Campus der UConn ist beschaulich und gepflegt – kurz gesagt: genau das Gegenteil der Stadt, in der er sich befindet. „The Hartbeat“, wie die Stadt vielleicht etwas zynisch genannt wird, hat mit seiner hohen Kriminalitätsrate, dem unzuverlässigen Personennahverkehr und der kulturellen Unterversorgung ein eher negatives Image. Immerhin hat Mark Twain hier gelebt und der Stadt mit seinem in ein Museum umgebauten Haus wenigstens eine kleine Touristenattraktion hinterlassen.

Ist der erste Schock überstanden, erschließen sich jedoch schnell die Vorteile der Kleinstadt: Eine überschaubare Barszene erleichtert das abendliche Treffen mit Kommilitonen, im Elizabeth Park kann man kostenlos Tennis spielen oder ins Freilufttheater gehen, und der Standort mitten in Neuengland eignet sich hervorragend für Wochenendtrips. In nur zwei Stunden erreicht man Boston oder New York City, im Winter locken die nahen Skigebiete, und der Indian Summer ist hier sowieso am schönsten. Wer aufs Budget achtet, dürfte in Hartford zudem um einiges günstiger davonkommen als in größeren US-Städten.

Nach dem Master ist vor dem Bar Exam

Ein toller Spezial-LL.M. hin oder her, einen echten Überblick über das amerikanische Recht habe ich in meiner Zeit an der UConn nicht gewonnen. Deswegen stellte ich mich einer letzten Herausforderung: Dem New York Bar Exam, dem umstrittenen Lieblingsfeind aller LL.M.-Studenten. Gleich nach der Graduation ging es los mit Crashkurs und Repetitorium – 60 Stunden die Woche, alle Rechtsgebiete, Tausende Multiple-Choice- und Essay- Fragen bei sommerlichsten Temperaturen. Nach zwei Monaten war der Spuk vorüber, das Bar Exam geschafft und die Anwaltszulassung in der Tasche.

Gewonnen habe ich in meinem Jahr in Connecticut jedoch viel mehr als zwei Titel: Freundschaften auf der ganzen Welt, wertvolle Erfahrungen, bleibende Erinnerungen sowie nicht zuletzt die Gewissheit, dass ich mich in fremder Umgebung nicht nur zurechtfinden, sondern auch sehr wohl fühlen kann. Wegweisend für meine berufliche Orientierung war diese Auslandserfahrung noch dazu. Nicht nur sorgte mein Exoten-Master immer für Gesprächsstoff in Bewerbungssituationen. Auch bei meiner jetzigen Tätigkeit als Rechtsanwältin bei Baker & McKenzie in München gehört internationales Parkett und viel US-Bezug zum festen Tagesbestandteil.


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