LL.M. an der University of Chicago (2017)

Erfahrungsbericht von Jennifer M. Otten, LL.M. (Chicago), Doktorandin

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

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#everythingisbetterinchicago

Im Anschluss an das Erste Staatsexamen absolvierte ich den LL.M. an der University of Chicago Law School. Es war eine Erfahrung, die ich jedem wünsche und auch uneingeschränkt empfehle.

Entscheidungsfindung und Ablauf des Studiums

Meine Entscheidung, den LL.M. zu machen, fiel schon lange vor dem Ersten Staatsexamen. Ich versprach mir einen Tapetenwechsel, neue Einsichten und einen Blick auf unser Rechtssystem aus einer anderen Perspektive. Da mir auch die Verbesserung meines fachlichen Englisch wichtig war, wollte ich auf jeden Fall ins englischsprachige Ausland. Mein breiter U.S.-vorbelasteter Akzent wäre in Großbritannien wohl komisch beäugt worden. Zudem wollte ich den Amerikanern eine Chance geben, meine Vorurteile über ihr Land zu widerlegen (hierzu war das Jahr der Trump-Kandidatur wohl leider keine gute Wahl). Hinzu kommt, dass ich mich mit dem U.S.-Kartellrecht beschäftigen wollte, welches oft als Blaupause für unser eigenes System angesehen wird.

Auf der Suche nach dem richtigen LL.M.-Programm stieß ich schnell auf einige grundsätzliche Fragen: großes oder kleines Programm, generell oder spezifisch, in die große Stadt oder doch auf’s Land? Am Ende entschied ich mich für die University of Chicago. Die Stadt war schon immer mit Abstand meine Lieblingsstadt – eine internationale Großstadt ohne Smog, aber mit einem authentischen Flair. Das LL.M.-Programm ist relativ klein (ca. 70 Studenten), weshalb so gut wie alle Kurse zusammen mit den J.D.s belegt werden, was die Kontaktaufnahme mit einheimischen Studenten erleichtert. Die überschaubare Größe des Programms schweißt die LL.M.-Studenten zudem noch enger zusammen. Angeboten wird ein genereller LL.M., was mir ermöglichte, einen breiten Überblick über das U.S.- amerikanische Rechtssystem zu erlangen. Schließlich ist die UofC Law School nach wie vor die Hochburg der economic analysis mit einer uns teils fremden Methodologie.

Die UofC praktiziert ein quarterbasiertes System, was bedeutet, dass wir drei Quarter durchliefen, also drei Mal Kurse wählen konnten. Im Nachhinein wird mir das als sehr großer Vorteil bewusst, da wir hierdurch das breite Spektrum an sehr interessanten (und teils sehr spezifischen) Kursen viel besser ausnutzen konnten. Der einzige Nachteil war, dass unsere Kurse bis Ende Mai liefen, was die Vorbereitung auf das Bar Exam erschwerte.

Vorbereitung: Zeitrahmen für die Bewerbung und Organisation

Wie eingangs erwähnt, hatte ich mich sehr früh entschieden, den LL.M. zu machen, und mich früh auf die USA festgelegt. Knapp zwei Jahre vor Beginn des Programms begann ich mit der Recherche, welche verschiedenen Programme angeboten werden. Ein Jahr vor Beginn (unmittelbar nach den schriftlichen Prüfungen des Staatsexamens) begann ich, die diversen Unterlagen für den Bewerbungsprozess zusammenzutragen und an das Law School Admission Council zu senden, was aufgrund zahlreicher Formerfordernisse und zum Teil widersprüchlicher Anforderungen mehr Zeit in Anspruch nahm als erwartet. Dass bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist (November/Dezember) die Ergebnisse des Examens noch nicht vorlagen, stand der Bewerbung nicht im Wege. Zusagen erhielt ich jedoch ausnahmslos erst, nachdem ich im Januar das Gesamtzeugnis nachgereicht hatte. Bei der Bewerbung musste ich also einschätzen, welche Chancen ich bei welcher der Universitäten hatte – ein Klingenritt zwischen Hybris und notorischer Selbstunterschätzung nach den Prüfungen.

Nachdem die Unis ihre Zusagen versandt hatten, begann der endgültige Entscheidungsprozess für und gegen die Unis, an denen ich mich beworben hatte – nun unter Einbeziehung der angebotenen Stipendien bzw. Rabatte auf die Studiengebühren. Hier gilt es, sich auf jeden Fall auf die tuition waivers zu bewerben, welche die Unis in der Regel als Lockmittel einsetzen. Die zehn Minuten, die ich in Chicago für die Bewerbung gebraucht habe, waren eindeutig die bestbezahlten Minuten meines Lebens. Parallel dazu lief die Bewerbung auf Stipendien, insbesondere auf die Förderung durch den DAAD.

Wohnungssuche und Organisatorisches

Bei der Wohnungssuche und der Vorbereitung des Auslandsaufenthalts lohnt es sich, die Ressourcen der Universität oder der Alumni in Anspruch zu nehmen. In Chicago existiert z. B. eine Facebook-Gruppe, über die ich die möblierte Wohnung zweier LL.M.-Studenten aus dem Vorjahr übernahm und einen Mitbewohner fand, was den Umzug deutlich erleichterte. Technische Schwierigkeiten seitens des Konsulats machten aus dem Visumsantrag einen Krimi, doch letztlich erhielt ich Visum und Pass eine Woche vor Abflug, und das eigentliche Abenteuer konnte beginnen.

Fazit: Everything is better in Chicago

Kurz nach der Ankunft in Chicago rief ich #everythingisbetterinchicago ins Leben – und diesen Hashtag verwendete ich bis zum Abschluss. Dieses Jahr hat mich nicht nur persönlich bereichert, sondern mir auch vieles über das U.S.-amerikanische Rechtssystem und die U.S.-Kultur beigebracht – von der Aussicht, demnächst auf allen Kontinenten zu Hochzeiten eingeladen zu werden, ganz zu schweigen.


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