LL.M. an der University of Cape Town

Erfahrungsbericht von Holger Engelkamp, Ass.iur., B.Sc. in BWL

LL.M. an der University of Cape Town: Studieren im beeindruckendsten Land der Welt

Für die Wahlstation meines Referendariats hatte es mich aus Berlin zum ersten Mal „richtig“ ins Ausland verschlagen. Während meiner Zeit in Kanada wurde mir immer klarer, dass ich es nicht bei diesen drei Monaten belassen wollte. Dementsprechend musste vor meinem Einstieg ins Berufsleben ein LL.M.-Studium im Ausland her. Meine Wahl fiel ziemlich schnell auf Kapstadt in Südafrika – obwohl ich noch nie zuvor den afrikanischen Kontinent betreten hatte und auch sonst nicht wirklich wusste, worauf ich mich einließ. Es war eine sehr gute Wahl.

Warum erst nach dem Zweiten Staatsexamen?

Der entscheidende Vorteil eines LL.M.-Studiums nach dem Zweiten Staatsexamen liegt für mich darin, dass das Jahr im Ausland ungeahnte Reserven freisetzt und Selbstbewusstsein spendet, ohne dass danach noch einmal die anstregende Zeit des Referendariats und vor allem des Zweiten Staatsexamens folgen. Die Energie, die man im Ausland – insbesondere in einem so interessanten und abwechslungsreichen Land wie Südafrika – tankt, lässt sich so unmittelbar mit ins Berufsleben nehmen. Dies ist in meinen Augen ein klarer Vorteil gegenüber Kandidaten, die sich direkt von der Prüfungsbank auf einen Schreibtischjob bewerben.

Warum Kapstadt?

Dass ich mich für Kapstadt entschieden habe, hatte vor allem einen pragmatischen Grund. Ich habe Ende November 2010 meine letzte Prüfung abgelegt – und da fast alle Universitäten auf der Welt ihre Programme zum Wintersemester starten, war für mich klar, dass ich in der südlichen Hemisphäre studieren wollte. Ein knappes Jahr Wartezeit wäre mir eindeutig zu lang gewesen. Ich habe mich dann in Kapstadt an der UCT und der UWC sowie an der Universität in Stellenbosch beworben. Obwohl die Universität Stellenbosch in Deutschland einen ausgezeichneten Ruf genießt, habe ich mich für die UCT entschieden. Ich wollte gerne in eine große Stadt und habe mich ein wenig vor dem provinziellen Alltag im – für südafrikanische Verhältnisse – sehr weißen Stellenbosch gefürchtet. Wie schön Kapstadt und wie richtig diese Wahl sein würde, habe ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen können. Ich wusste im Prinzip nur, dass die UCT als die insgesamt beste Uni Afrikas gilt und für mich interessante Kurse und die Spezialisierung in Commercial Law anbietet.

Vorbereitung und Finanzierung

Mit den Vorbereitungen für meinen Auslandsaufenthalt habe ich im Spätsommer 2010 begonnen. Das Bewerbungsverfahren verläuft ähnlich wie in Deutschland. Über ein Online- Portal werden die erforderlichen Daten eingegeben, Zeugnisse und weitere Unterlagen werden in beglaubigter Form hinterhergeschickt. Für den gesamten Bewerbungsprozess sollte man mindestens ein bis zwei Monate einplanen. Die südafrikanischen Behörden und die Post sind nämlich nicht die Schnellsten.

Ein großer Nachteil des Studierens in Südafrika ist, dass die meisten Stipendien auf unseren Jahresablauf abgestimmt sind und dementsprechend ab Oktober vergeben werden. Daher finanziere ich mein Studium durch den Bildungsfonds. Das ist zwar nicht die günstigste Art, aber wenn man berücksichtigt, dass von den eigenen Zinszahlungen später andere Studierende gefördert werden können, lindert das ein wenig den Schmerz über das Loch im Portemonnaie.

Für die monatliche Lebenshaltung sollte man mindestens 700 bis 800 Euro einplanen. Zum einen ist ein Auto für Ausflüge zu den umliegenden Sehenswürdigkeiten und Weingütern unerlässlich, und zum anderen sind Lebensmittel leider vergleichsweise teuer. Es lohnt sich kaum, selbst zu kochen. Für ein einfaches Zimmer in der City Bowl Kapstadts muss man etwa 250 bis 350 Euro einrechnen. Ich würde jedem empfehlen, ins Zentrum zu ziehen. Die Studentenbezirke um die Uni herum sind zwar auch sehr belebt, aber meist trifft man dort eher die Undergraduates. Dementsprechend findet das etwas erwachsenere Nachtleben in der City Bowl statt. Kapstadt hat sehr gute Clubs, Bars und Restaurants zu bieten und kann mit einer eigenen attraktiven Musikkultur aufwarten.

Fazit

Für mich war die Entscheidung, an die UCT in Kapstadt zu gehen, eine der besten meines Lebens. Nicht nur die akademischen Möglichkeiten, sondern auch das außeruniversitäre Leben ist hier von ganz besonderer Vielfalt: die Wine Tastings, das Surfen, Wandern, Reisen, die Kultur und allen voran die unglaubliche Kulisse. Wenn man bei untergehender Sonne von der Uni Richtung Tafelberg fährt, bleibt einem regelmäßig der Atem weg! Jeder, der es in Kauf nehmen kann, mal das Portemonnaie oder das Handy geklaut zu bekommen, sollte sich auf Südafrika einlassen und für mindestens ein Jahr hier studieren.

Weblinks


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