LL.M. an der University of Canterbury Christchurch

Erfahrungsbericht von Stephanie Lumpp

LL.M. by Research Papers and Dissertation an der University of Canterbury, Christchurch, New Zealand

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

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LL.M. oder Promotion?

Für mich stand schon vor dem ersten Examen fest, dass ich sowohl promovieren als auch ein LL.M.-Studium absolvieren wollte. Denn einerseits wollte ich den Titel des „Dr. jur.“ erwerben, der ja immer noch „die“ klassische Zusatzqualifikation ist, andererseits aber auch unbedingt ein Jahr im Ausland studieren und meine Englischkenntnisse verbessern. Hierfür ist ein LL.M.-Studium optimal: Zum einen erhält man im Rahmen eines solchen Aufbaustudiums einen guten Einblick in ein fremdes Rechtssystem, was wiederum das Verständnis für das eigene Rechtssystem fördert. Zum anderen dient der Zusatz „LL.M.“ als Nachweis für im Ausland erworbene Sprachkenntnisse, was gerade heutzutage im Berufsleben immer wichtiger wird.

Zeitpunkt

Nach der anstrengenden Examensphase wollte ich nicht direkt im Anschluss daran mit dem Referendariat beginnen, da dies einen nahtlosen Übergang zur Vorbereitung auf das zweite Examen und damit erneutes Lernen bedeutet hätte. Andererseits benötigt ein LL.M.-Studium aber einen gewissen zeitlichen und organisatorischen Vorlauf. Eine Bewerbung bei der ausländischen Universität und auch bei möglichen Stipendiengebern erfordert gewöhnlich die Vorlage des Examenszeugnisses, sodass es im Grunde unmöglich ist, ohne „Leerlauf“ von einigen Monaten nach dem ersten Examen sofort mit dem LL.M.-Studium zu beginnen. Daher erschien es mir sinnvoll, zuerst meine Dissertation zu schreiben und mich währenddessen um die recht zeitintensive Organisation meines LL.M.-Studiums zu kümmern. Außerdem hatte ich mir so bereits zu Beginn meiner Dissertation einen Zeitpunkt für die Abgabe gesetzt, nämlich die Abreise ins Ausland im Februar 2006. Dies diente als großer Ansporn und half mir dabei, während der Promotion effektiv zu arbeiten.

Wahl des Studienlandes

Neuseeland hatte schon lange vor Beginn der Vorbereitungen auf mein LL.M.-Studium eine große Faszination auf mich ausgeübt, sodass für mich schnell feststand, meinen LL.M. dort zu erwerben. Ich hatte mich bewusst gegen den Trend entschieden, eine der renommierten Law Schools in England oder den USA zu besuchen. Denn ich wollte das Auslandsjahr neben dem Erwerb juristischer Kenntnisse in einem fremden Rechtssystem auch dazu nutzen, mich in persönlicher Hinsicht weiterzuentwickeln. Es erschien mir dabei als Herausforderung, ein Jahr „am Ende der Welt“ zu verbringen, etwa 30 Reisestunden von Deutschland entfernt. Außerdem war der zeitliche Beginn des akademischen Jahres – anders als bei den Universitäten der nördlichen Hemisphäre im Februar – ein entscheidender Gesichtspunkt für eine neuseeländische Hochschule.

Wahl der Gasthochschule

Auf einer vom Institut Ranke-Heinemann organisierten „Study Down Under Fair“ in Mannheim im November 2004 war ich erstmals mit der University of Canterbury in Berührung gekommen. Der Repräsentant der Universität stellte einen Kontakt zu dem für das LL.M.-Programm zuständigen Professor her, der mir weitere Fragen umfassend beantwortete. Vor allem die flexible Ausgestaltung des LL.M.-Programms der University of Canterbury überzeugte mich.

LL.M.-Programm

Die University of Canterbury bietet drei verschiedene LL.M.-Programme an. Ich entschied mich für den LL.M. by Research Papers and Dissertation, der eine individuelle Schwerpunktsetzung ermöglicht. So können aus einem äußerst breiten Angebot an Kursen drei Subjects (Fächer) gewählt werden. In jedem der Fächer müssen grundsätzlich zwei Research Papers mit einem Umfang von 10.000–12.000 Wörtern verfasst werden. Es besteht allerdings die Möglichkeit, in einem der Subjects statt der zwei Research Papers eine umfangreiche Dissertation (20.000–25.000 Wörter) zu schreiben. Dann kann in bis zu zwei der anderen Subjects eines der beiden Research Papers durch einen Undergraduate Lecture Course ersetzt werden. In meinem ersten Subject, Company Law, schrieb ich zwei Research Papers, in meinem zweiten Subject, Conflict of Laws, verfasste ich ein Research Paper und belegte einen Undergraduate Lecture Course. Darüber hinaus schrieb ich eine rechtsvergleichende Dissertation zum Thema The Legitimacy of the New Zealand Insolvent Trading Regime: A Comparative Approach. Eine einzigartige Einrichtung der Universität ist das Learning Skills Centre. Dort helfen qualifizierte Tutoren bei der Korrektur der geschriebenen Texte, indem diese gemeinsam gelesen und im Hinblick auf Grammatik- und Stilfragen diskutiert werden.

Fazit

Im Rückblick bin ich mit der Wahl meines LL.M.-Programms sehr zufrieden, da ich viel über das Case-Law-System gelernt habe. Obwohl die meisten der anderen LL.M.-Studenten wie ich aus Deutschland kamen, habe ich durch das Schreiben der vielen Arbeiten mein Englisch enorm verbessert. Dies ist sicherlich im Wesentlichen auf den Einzelunterricht beim Learning Skills Centre zurückzuführen. Mir war zu Beginn des LL.M.-Studiums allerdings nicht ganz klar gewesen, welch hohe Anforderungen an das Verfassen der Arbeiten gestellt werden, und zwar nicht nur in sprachlicher, sondern auch in inhaltlicher Hinsicht. Außerdem hätte ich mir manchmal doch etwas mehr Interaktion im Sinne von mehr Coursework gewünscht. Neben dem Studium hatte ich ausreichend Gelegenheit, Neuseeland zu bereisen und kennen zu lernen. Die Natur ist faszinierend, aber auch die entspannte Atmosphäre in der Bevölkerung ist wohltuend. Meine berufliche Zukunft nach dem Referendariat, das ich momentan absolviere, sehe ich jedoch in Deutschland oder zumindest Europa, da Neuseeland doch sehr abgelegen ist. Ich bin allerdings gerade wieder von einem zweiwöchigen Urlaub in Neuseeland zurückgekommen – mit Sicherheit nicht mein letztes Mal down under!