LL.M. an der University of Cambridge 2014

Erfahrungsbericht von Dr. Christoph Werkmeister, Rechtsanwalt, 2014

Cambridge: 800 Jahre Tradition und Internationalität

Wenn sich ein Jurist überlegt, zusätzlich zum nationalen Studienabschluss noch ein internationales Master-Studium zu absolvieren, sollte das Extrajahr an Ausbildung schon etwas mehr bieten als den bloßen Erwerb von guten Englischkenntnissen und einem netten Titel. In diesem Sinne suchte ich seinerzeit – wie auch der Leser dieses Werks – nach einem passenden Programm, mit dem ich nach abgegebener Doktorarbeit vor dem Referendariat beginnen wollte.

Sofern die Papierform des Kandidaten ausreicht und man sich für die weltweit renommiertesten Universitäten interessiert, gilt es dabei vorab eine Grundsatzfrage zu klären, nämlich ob man zu den sogenannten Ivy-League-Universitäten in den USA oder aber zu den entsprechenden Einrichtungen in Großbritannien tendiert. Für mich sprach eine nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung für einen Abschluss in Oxford oder Cambridge. Insbesondere letztere Universität steht aktuell in beinahe allen namhaften Hochschulrankings auf Platz eins, wobei Studiengebühren sowie Lebenshaltungskosten unter denen vergleichbarer US-Universitäten liegen.

Warum man nicht nach Cambridge gehen muss

Sofern die Grundsatzfrage USA oder Großbritannien, die letztlich jeder nach dem eigenen Bauchgefühl entscheiden sollte, zugunsten der britischen Insel entschieden wird, stellt sich die Frage, warum der Abschluss ausgerechnet in Cambridge gemacht werden soll. Angesichts der Tatsache, dass faktisch alle namhaften Universitäten mit Internationalität, einem breiten Curriculum und erheblicher Mittelausstattung werben, unterscheiden sich die verschiedenen Programme zumindest auf dem Papier erst einmal wenig. Ausgehend davon sticht Cambridge jedenfalls noch nicht aus der Menge der Elite-Universitäten heraus. Auch in Hinsicht auf das fachliche Lehrangebot lässt sich nicht sagen, dass Cambridge hier etwas bietet, was es nirgends sonst auf der Welt gibt. Es handelt sich vielmehr – wie man es bei den meisten internationalen LL.M.-Angeboten antrifft – um eine breit gefächerte Auswahl an Themen, die sich auf britisches Common Law oder das Recht der Europäischen Union beziehen. Wer also ein Programm sucht, das einen ganz besonderen Fokus auf ein bestimmtes Rechtsgebiet setzt, wird in Cambridge aufgrund des breiter angesiedelten Schwerpunkts wohl enttäuscht werden.

Über 800 Jahre Tradition

Die allgegenwärtige Historie der im Jahr 1209 gegründeten Universität schlägt sich im studentischen Alltag in einer kaum zu beschreibenden Vielzahl von Bräuchen und Zeremonien nieder. Diese einzeln aufzuzählen würde den Umfang dieses Beitrags sprengen. Es sei jedoch zumindest gesagt, dass die gewöhnliche Woche in Cambridge regelmäßig von Abendessen in historischem Gewand sowie von allerlei kulturellen Events, die bereits seit Jahrhunderten weitestgehend unverändert veranstaltet werden, durchzogen ist. Zur Tradition gehört im Übrigen die ewige Rivalität mit der University of Oxford. Es gibt insofern zahlreiche Wettkämpfe, bei denen sich die Studenten der Universitäten messen können.

Das College-System

Eine, wenn nicht die wichtigste, Besonderheit des Studiums in Cambridge stellt das sogenannte College-System dar. Außer der University of Oxford gibt es nämlich weltweit keine Institution, die Vergleichbares bietet. In Cambridge gibt es 31 Colleges, die unabhängige und selbstständige Institutionen sind. Neben der Mitgliedschaft in der University of Cambridge ist jeder Student verpflichtet, sich einem College anzuschließen. Hier wird der Student zuvorderst mit einer Unterkunft versorgt. Das College bildet darüber hinaus den sozialen Dreh- und Angelpunkt von Studenten aller Fachrichtungen, was eine gewisse Interdisziplinarität mit sich bringt. Im College wird darauf geachtet, dass die Studenten nicht bloß mit einem akademischen Rahmenprogramm versorgt werden, sondern dass darüber hinaus auch weiteres Engagement betrieben wird. Der Geist der Universität lebt nämlich von der Vielseitigkeit ihrer Studenten. Soziale, gesellschaftliche, sportliche und kulturelle Aktivitäten werden insofern durch ein extrem breit gefächertes und vor allem auch leicht zugängliches und erschwingliches Angebot gefördert.

Außercurriculare Aktivitäten, die man auch nutzt

Neben dem bereits sehr breit gefächerten Angebot der Colleges und der Universität selbst bietet Cambridge noch eine kaum aufzählbare Vielzahl an sogenannten Societies. Hierbei handelt es sich um Gemeinschaften, in denen quasi jedes denkbare Interessenfeld abgedeckt wird. Die Weinliebhaber treffen sich z. B. wöchentlich zur Weinprobe in der Wine Society, wohingegen andere der Yachting Society oder der Kickboxing Society frönen. Es ist wirklich für jeden – auch etwas abgedrehten oder außergewöhnlicheren – Geschmack eine Society dabei, wobei man in diesem Rahmen natürlich abermals Gleichgesinnte aus der ganzen Welt kennenlernt. Zuletzt sei in diesem leider nur äußerst kursorischen Beitrag erwähnt, dass die Stadt Cambridge sehr klein ist. Die hier aufgezählten und auch die Vielzahl der nicht in diesem Artikel genannten Veranstaltungen sind somit stets auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. Dies stellt den in meinen Augen bestechenden Vorteil gegenüber anderen Elite-Unis dar, weil das enorme universitäre und auch soziale Angebot durch die kurzen Wege auch tatsächlich jeden Tag genutzt werden kann. Dass Cambridge zudem noch eine malerische historische Kulisse für all dies bietet und London auch nur einen Katzensprung entfernt ist, schadet dem Aufenthalt natürlich auch nicht.

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