LL.M. an der University of Cambridge 2010

Erfahrungsbericht von Michael von Landenberg-Roberg

LL.M. Referendar und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin – Cambridge University

Überblick und Ausgangslage

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Zeitpunkt, Motivation und Auswahl der Universität Es gibt keinen Königsweg bei der Wahl des Zeitpunktes. Trotz aller sinnvollen Erwägungen sollte man daher am Ende einfach auf sein Bauchgefühl hören. Ich persönlich hatte nach den schriftlichen Prüfungen einfach erst einmal keine Lust mehr auf deutsches Recht und habe mich daher kurzfristig entschlossen, doch direkt im Anschluss an das Erste Staatsexamen den LL.M. zu absolvieren.

Der Wunsch, an einem Programm teilzunehmen, bezog sich dabei weniger auf den Titel als solchen als auf die damit einhergehende Rechtfertigung, ein weiteres Lebensjahr im Ausland genießen zu können und neben dem Ausweiten des internationalen Freundeskreises genügend Zeit zu zwanglosem Lesen und Vertiefen von fachlichen Interessenschwerpunkten zu haben.

Da ich mich im Hinblick auf die zukünftige Promotion vor allem mit europa- und völkerrechtlichen Fragen sowie dem europäischen Kartellrecht und Intellectual Property beschäftigen wollte, passte Cambridge aufgrund seines Forschungsprofils sehr gut. Gerade in der Völkerrechtswissenschaft kommt Cambridge traditionell eine starke Stellung zu. Ausschlaggebender Grund war eigentlich aber ein ganz anderer: der Cambridge Lifestyle. Wer eine kleine Schwäche für alte, teils skurrile Traditionen und Architektur hat, gerne bei Kerzenschein in prächtigen Sälen mit Freunden sein Dinner einnimmt, den Smoking beim Mayball ebenso schätzt wie die Erdbeeren beim Punten und die über den Nebelschwaden aufgehende Sonne beim Rudern auf dem Fluss um 6 Uhr morgens als kleine Entschädigung für eine nach durchfeiertem Abend viel zu kurze Nacht empfindet, für den ist Cambridge einfach der schönste Platz auf Erden. Wer jedoch dem Reiz einer 800-jährigen Seifenblase fernab aller Sorgen der Welt für die Dauer eines Jahres nichts abgewinnen kann, der ist in New York oder London sicher besser aufgehoben.

Ein Vorteil von Cambridge im Gegensatz zu Oxford war für mich neben der inhaltlich etwas anderen Ausrichtung die größere Freiheit während des Studiums. Diese wird jedoch durch eine weniger intensive Supervision erkauft. Zudem sollte man beachten, dass eine wirklich tiefe Spezialisierung aufgrund der Themenbreite der einzelnen Kurse nur sehr bedingt möglich ist und wie an jeder Universität der Welt auch hier nur mit dem viel zitierten Wasser gekocht wird – wenn auch zum Teil sehr kreativ.

Finanzierung und finanzieller Nutzen des LL.M.

Durch das nötige Maß Glück konnte ich mein Studium über Stipendien finanzieren. Ein großer Vorteil der Wahl Englands gegenüber den USA ist, dass man bereits mit einem Stipendium alle Kosten weitestgehend abdecken kann. Insgesamt sollte man für Cambridge von entstehenden Kosten in Höhe von 17.000 Britischen Pfund ausgehen. Das DAAD-Stipendium deckt beim jetzigen günstigen Euro-Kurs weitgehend alle College- und Universitätsgebühren ab. Und mit den monatlichen 900 Euro Lebenshaltungsunterstützung könnte man auch einigermaßen gut über die Runden kommen. Das Bewerbungsverfahren des DAAD ist zudem zeitlich relativ spät angesetzt. So konnte ich zunächst abwarten, ob die Uni mir im Februar eine bedingte Zusage (Conditional Offer) geben würde und erst dann den zeitlich intensiven Bewerbungsaufwand betreiben.

Finanziell bringt der LL.M. keinen Nutzen. Zwar ist es richtig, dass der Berufseinstieg vor allem in internationalen Kanzleien schon durch deren Rekrutierungsbemühen vor Ort beträchtlich erleichtert wird und zum Teil auch ein höheres Einstiegsgehalt gezahlt wird. Dies erkauft man sich jedoch mit einem entgangenen vollen Jahresgehalt. Hingegen ist der ideelle Wert dieses Studienjahres durch gewonnene Freundschaften, vergnüglich ausgefüllter Lebenszeit und beträchtlichem Wissenszuwachs einfach unbezahlbar.

Ausblick und Empfehlung

Ich selbst werde nun zunächst mein Referendariat und im Anschluss ein Promotionsstudium durchführen. Schon bei der Bewerbung um die Referendarstationen hat sich der LL.M. als kleiner Türöffner erwiesen. Wie für fast jeden LL.M.-Student war das Jahr aber vor allem eine persönliche Bereicherung und hierin liegt der eigentliche Nutzen. Daher sei jeder dazu ermutigt, wirklich den Ort und die Universität zu wählen, wo er immer schon einmal ein Jahr seines Lebens verbringen wollte, und sei es aus ganz eigenen Gründen. Wen es nach Cambridge zieht, dem sei empfohlen, sich vor der Wahl seines Colleges sorgfältig über die Internetseiten der Universität über die vielen zur Auswahl stehenden Kurse zu informieren. Die Atmosphäre in Cambridge und die persönliche Identifikation wird ganz wesentlich vom eigenen College geprägt, und jeder sollte sich dasjenige aussuchen, welches am besten zu ihm passt. Hat man sein College gefunden und nimmt es einen auf, so kann man schließlich durch dieses in eine eigene kleine Welt eintauchen, in der sich seit nunmehr 800 Jahren nur wenig verändert zu haben scheint.