LL.M. an der University of Bristol

Erfahrungsbericht von Christian Rütz

Rechtsreferendar bei Hengeler Mueller in Düsseldorf

LL.M. vor dem Ersten Examen – eine wertvolle Erfahrung

Ist es sinnvoll, einen Master-Studiengang schon vor dem Ersten Staatsexamen zu absolvieren? Diese Frage stand vor der Bewerbung, die mich schließlich an die University of Bristol in Großbritannien geführt hat. Während eine generalisierende Antwort auf die Frage schwerfällt, ist es umso einfacher zu berichten, dass das Jahr in England die schönste Zeit meiner juristischen Ausbildung war.


Der richtige Zeitpunkt

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Für ein LL.M.-Studium schon vor dem Examen spricht, dass es das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet, nämlich ein Auslandsjahr mitten im Studium mit einem Abschluss, den Andere erst Jahre später erwerben. Auch trifft man in England im Wesentlichen auf Gleichaltrige – ein Vorteil, der vielen deutschen LL.M.-Studenten, zumal jenen nach dem Zweiten Staatsexamen, nicht zuteil wird. Der Nachteil eines frühen LL.M-Studiums liegt darin, dass viele Universitäten – wenn überhaupt – nur Bewerber aufnehmen, die schon drei Jahre studiert haben. Zu diesem Zeitpunkt hat aber für viele schon die Schwerpunkt- und Examensvorbereitung begonnen, sodass der LL.M. einige Verzögerung mit sich bringen kann. Für den Freischuss wird es dann oft knapp. Andererseits kann es gelingen, durch die richtige Wahl des Abschlussarbeitsthemas Vorarbeit für ein späteres Promotionsvorhaben zu leisten.


Der richtige Ort

Bei der Bewerbung gilt es Eigeninitiative zu entwickeln: durch Anrufe, Mails und Briefe muss man die Universitäten überzeugen, dass der eigene Ausbildungsstand ein Äquivalent zum LL.B. darstellt. Ich habe mich nach dem sechsten Semester an fünf englischen Unis beworben und von fünf Unis Zusagen bekommen.

Für England als Studienland spricht dabei die Tradition der britischen Universitäten ebenso wie der Umstand, dass dort der Ursprung des Common Law kennengelernt werden kann. Es ist auch spannend, vertraute Rechtsgebiete wie das Europarecht und den Gewerblichen Rechtsschutz einmal aus einer völlig anderen Perspektive – nämlich fallrechtsbezogen – kennenzulernen. In England gibt es eine Vielfalt an LL.M.-Programmen. Dass ich mich für Bristol entschieden habe, liegt an den Vorteilen, welche die 500.000-Einwohner- Hafenstadt mit ihrer traditionsreichen Universität den Studenten bietet. Die Law School der Universität Bristol gehört zur Spitzengruppe der juristischen Fakultäten in England. Auf einen Studienplatz kommen über 17 Bewerber.

Die an den meisten britischen Unis angebotenen Taught-Programme bieten die Möglichkeit, Seminare als Lehrveranstaltungen nach Wahl zu belegen. Dabei kann man aus vielen Veranstaltungen wählen. Ich habe meinen LL.M. im Commercial Law gemacht, die Universität Bristol bietet daneben u. a. die Programme European Legal Studies, International Law, Maritime Law und Public Law mit über 50 möglichen Lehrveranstaltungen für Postgraduierte. Am Ende des Programms steht neben Klausuren eine sogenannte Dissertation, die im Umfang einer deutschen Seminararbeit entspricht.

Das internationale Studienumfeld schafft zahlreiche neue Freundschaften, wenngleich ich immer auch bemüht war, Kontakt mit Native Speakers zu halten. Die Betreuung der Studenten ist in England vorbildlich: Die Universität hilft mit ihrem Accomodation Office bei der Wohnungssuche, unzählige Student Societies bieten ein attraktives Veranstaltungsprogramm. Das International Office organisiert Ausflugsfahrten, im Language Centre können kostenlos die akademischen Sprachfähigkeiten in Englisch vergebessert werden. Das Career Office veranstaltet Präsentationen der großen Law Firms. Hier wird allerdings ein Nachteil des frühen LL.M.-Erwerbs offenbar: nach dem Studium in England ist man fast schon gezwungen, nach Deutschland zurückzukehren, um dort das Studium zu beenden.


Die richtige Bewerbung

Die Bewerbung für einen LL.M.-Studienplatz sollte rund ein Jahr vor dem eigentlichen Aufenthalt vorbereitet werden. Die Universitäten verlangen einen Nachweis über englische Sprachkenntnisse; bevorzugt wird der IELTS-Test, den man beim British Council absolvieren kann. Neben Hochschullehrergutachten wird auch ein Nachweis über einen guten Notenschnitt im bisherigen Studium verlangt. Schließlich ist es unabdingbar, der Bewerbung eine Finanzgarantie beizufügen.

Wer ein Postgraduiertenstudium erwägt, sollte rechtzeitig dessen Finanzierung sicherstellen. Wegen der hohen Kosten für die Lebenshaltung und der Studiengebühren in Höhe von etwa 4.000 Pfund geht es kaum ohne ein Stipendium der Begabtenförderungswerke oder des DAAD. Hierbei ist es von Vorteil, schon während des deutschen Studiums gefördert zu werden (dafür ist eine Bewerbung vor dem vierten Semester ein Muss). Meine Studiengebühren übernahm die Konrad-Adenauer-Stiftung, wofür ich noch heute dankbar bin.

Der LL.M. ist nicht nur ein beruflicher Vorteil, sondern eine Studienerfahrung, die ich nicht missen möchte. Ob vor oder nach dem Examen: Ein LL.M.-Studium in Großbritannien ist uneingeschränkt zu empfehlen.