LL.M. an der University of Birmingham 2013

Erfahrungsbericht von Elisabeth Macher, Associate, 2013

Birmingham: Von der Metallverarbeitung zum Heavy Metal

„Birmingham? Das ist diese kleine, ranzige Industriestadt, oder?“ So oder so ähnlich lautet meist die Reaktion, wenn ich sage, wo ich meinen LL.M. gemacht habe. Nein, ist es nicht! Birmingham ist nach London mit immerhin einer Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt Englands, und nach gewaltigen Investitionen erinnert hier auch nichts mehr an den ursprünglichen Industriecharakter. Die Stadt hat mehr Kanäle als Venedig, der Uni-Campus ist wunderschön und das kulturelle Angebot reichhaltig. Für Fußballfans sind mit Aston Villa und Birmingham City gleich zwei namhafte Premier-League-Teams vor Ort.

Zeitpunkt und Studienland – in erster Linie Geschmackssache

Das richtige Land und den richtigen Zeitpunkt für den LL.M. muss jeder für sich finden. Für mich war klar, dass es das englischsprachige Ausland sein sollte, und ich fand den britischen Akzent deutlich reizvoller als beispielsweise den amerikanischen. Als Zeitpunkt wählte ich das Jahr nach dem Ersten Staatsexamen. Eine Auszeit war dann dringend nötig, und ich zog es vor, nach dem Zweiten Examen direkt in den Beruf einzusteigen. Zudem zählt man als ausländischer Master-Student ohnehin schon zu den Älteren auf dem Campus.

Vorbereitungsphase: Nicht nur nach den Rankings richten

Für Empfehlungsschreiben, Zeugnisse, TOEFL etc. braucht man für gewöhnlich mehr Zeit als man denkt. Aber auch für die Auswahl der richtigen Uni bzw. Stadt sollte man genügend Zeit einplanen – und dabei unbedingt auch auf die unterschiedlichen Bewerbungs- Deadlines der Unis achten! Ich habe etwa ein Jahr im Voraus angefangen, mich vorzubereiten. Bei der Auswahl der richtigen Uni sind neben den angebotenen Kursen vor allem die Rahmenbedingungen (Professor-Studenten-Verhältnis), die Lebensqualität der Stadt und die persönlichen Vorlieben (lieber altehrwürdig und abgeschottet oder modern und offen?) wichtig. Auf die regelmäßig veröffentlichten Rankings kann man zwar einen Blick werfen; die Entscheidung komplett danach ausrichten würde ich aber auf keinen Fall.

Ich fand es am einfachsten, erst einmal in ein Wohnheim zu ziehen. Viele Unis bieten dabei auch explizit Hilfe für ausländische Studierende an. Ein weiterer Vorteil: Man findet gleich Anschluss, muss sich vorerst nicht um lästigen Verwaltungskram kümmern und wird beim Einstieg in die Uni (und das Nachtleben) unterstützt. Später bin ich dann mit ein paar Freunden in eines der typisch englischen Reihenhäuschen gezogen.

Rock’n’Roll & Mentoring

Für mich war es wichtig, möglichst viel Zeit mit „echten“ Briten zu verbringen. So verlockend es sein mag, sich mit anderen internationalen Studenten zusammenzutun – der Sinn des LL.M. besteht ja gerade darin, Land und Leute kennenzulernen und die Sprachkenntnisse zu verbessern. Eine großartige Möglichkeit dazu bieten die Student Societies: Gruppen von Studenten mit gleichen Interessen, von denen es in Birmingham ca. 200 gibt. Mit Studentenverbindungen, wie man sie aus Deutschland kennt, hat das übrigens nichts zu tun! Ob bestimmte Sprachen, Hobbys, Sportarten oder Musik – hier findet wirklich jeder etwas. Für mich war sofort klar, dass ich der Rock Society und der Metal Society beitreten würde. Immerhin gilt Birmingham mit Bands wie Black Sabbath und Judas Priest als Geburtsstadt des Heavy Metal! Die meisten Societies haben eine eigene Internetseite und Internetforen. Tipp: Sich vorab schon mal dort ein bisschen umgucken und mit den Leuten Kontakt aufnehmen. Ich lernte auf diese Weise sehr schnell Society-Mitglieder kennen und konnte schon im Sommer vor dem LL.M. nach Birmingham fliegen und mir von netten Menschen die Stadt und die Uni zeigen lassen.

Ein weiteres Highlight war die Möglichkeit, im Studentenwohnheim als Mentor zu arbeiten. Ich betreute Erstsemester und half ihnen dabei, sich in den Uni-Alltag einzufinden. Das war überraschenderweise möglich, obwohl ich selbst völlig neu an der Uni (und im Land) war. Der Job als Mentor brachte neben wertvollen Erfahrungen auch ein beachtliches Taschengeld ein, das ich angesichts der vielen Pubs und allgemein doch recht hohen Lebenshaltungskosten gut brauchen konnte.

Spannende Kurse, überschaubarer Lernaufwand

Das LL.M.-Programm selbst war sehr interessant. Die Gruppen waren klein, auf mündliche Beteiligung wurde viel Wert gelegt. Auch die angebotenen Kurse unterschieden sich deutlich von dem klassischen deutschen Studienplan. So wurden gerade im Strafrecht viele ethisch-philosophische Kurse angeboten. Die Arbeit für die Kurse hielt sich insgesamt in angenehmen Grenzen. Zwar gab es viel Lesestoff; ein bis zwei Stunden Arbeit pro Tag (neben gerade einmal acht SWS) reichten allerdings für einen sehr guten Abschluss locker aus. Nach dem Staatsexamen fast schon niedlich!

Bessere Einstellungschancen und höhere Einstiegsgehälter

Auf den LL.M. wird bei den meisten (Groß-)Kanzleien viel Wert gelegt. In meinem Fall spielte es dann auch keine Rolle, dass mein Master (Criminal Law) für eine Wirtschaftskanzlei eher fachfremd war. Neben besseren Einstellungschancen lohnt sich der LL.M. übrigens auch finanziell: Die meisten Kanzleien bieten deutlich höhere Einstiegsgehälter für Bewerber mit LL.M.-Titel.

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