LL.M. an der University College London (UCL)

Erfahrungsbericht von Friederike Voht; Rechtsreferendarin

LL.M. in London: Zwischen Vorlesung und Afternoon Tea

Da mich das englische Rechtssystem, das auf dem Case Law basiert, sehr interessiert und ich meine englische Fachsprache noch etwas verbessern wollte, hatte ich mich schon vor der Examensvorbereitung entschieden, einen LL.M. in England durchzuführen. Bereits seit meinem ersten Urlaub hat London mit seiner unglaublichen Vielfalt und den Einflüssen der unterschiedlichsten Kulturen einen magischen Reiz auf mich ausgeübt, was auch der Grund war, warum ich dort meinen LL.M. absolvieren wollte.


Bewerbungsverfahren

Bei der Universitätswahl war das Kursangebot für mich das entscheidende Kriterium. Das University College London (UCL) stellte für mich die beste Wahl dar, da es als eine der wenigen Universitäten auch Arbeitsrecht anbietet.

Mit der Vorbereitung für meine Bewerbung begann ich etwa ein Jahr vor dem Bewerbungsbeginn. Vor allem durch die sehr zeitaufwendige Examensvorbereitung hat sich alles sehr lange hingezogen. Für das Motivationsschreiben alleine habe ich ungefähr zwei Monate gebraucht. Das lag vor allem daran, dass noch andere Personen und vor allem Muttersprachler den Text Korrektur gelesen haben. Einige Zeit hatte ich auch für die Gutachten der zwei Professoren eingeplant. Da ich bereits als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl arbeitete, war es für mich leicht, Professoren zu finden, die ein Gutachten anfertigen wollten. Abgeschickt habe ich insgesamt drei Bewerbungen, zwei davon als Notfallbewerbungen, falls es mit meinem Favoriten nicht klappen sollte.

Die komplette Bewerbung habe ich kurz vor dem Examenstermin abgesendet. Etwa drei Monate später kam die Zusage mit einem „Conditional Offer“, welches das Bestehen des Examens mit mindestens neun Punkten und einen Sprachtestnachweis voraussetzte. Leider war mein aktuellster Englischnachweis einen Monat älter als erlaubt, was ich vorher aber auch wusste. Ausnahmen von den Bewerbungsvoraussetzungen wurden keine gemacht. Da ich mit dem IELTS besser zurechtkam, habe ich diesen dann nach einer kurzen Vorbereitungszeit von etwa drei Wochen nach der mündlichen Prüfung abgelegt.


Organisation und Finanzierung

Nach einer Absage des Studentenwohnheims entschied ich mich, eine private WG zu suchen. Dazu hatte ich mich mit zwei weiteren LL.M.-Studenten aus anderen Ländern zusammengeschlossen, die ich über die Facebook-Gruppe des UCL gefunden hatte. Innerhalb von zehn Tagen hatten wir sämtliche Immobilienportale durchforstet, viele Wohnungen angesehen und schließlich eine passende Wohnung gefunden. Der Londoner Wohnungsmarkt ist sehr schnelllebig, und kurzfristig ist eigentlich immer etwas zu finden. Der Zustand der Wohnungen lässt aber teilweise sehr zu wünschen übrig. Wichtig ist es vor allem, darauf zu achten, in welcher Tarifzone des öffentlichen Nahverkehrs sich die Wohnung befindet und welche Anbindungen es gibt. Je weiter weg man vom Zentrum wohnt, desto teurer wird die „Oyster Card“– auch wenn es für Studenten Vergünstigungen gibt. Unsere Wohnung war mit vier Tube-Linien und dem Hyde Park in der Nähe sehr gut gelegen.

Die ersten Dinge, die nach der Wohnungssuche erledigt wurden, waren die Eröffnung eines Bankkontos bei einer der großen Banken und die Anmeldung beim kostenfreien NHS (Nationaler Gesundheitsdienst). Die erste Hürde für das Bankkonto war der Nachweis eines Wohnsitzes in England, wofür der Mietvertrag alleine nicht ausreicht. Den Nachweis konnte ich allerdings über die Universität erhalten.

Mein Studium habe ich selbst finanziert. Aus diesem Grund habe ich in den Monaten vor und nach dem LL.M. in einer Großkanzlei gearbeitet. Neben den Studiengebühren sind in London vor allem die Lebenshaltungskosten enorm hoch. Selbst vernünftige Studentenwohnheimplätze kosten etwa 170 Pfund die Woche.

Studienverlauf

Das Studienjahr begann im September mit einer Einführungswoche. Hier wurden einem alle wichtigen Informationen mitgeteilt. Dies umfasste beispielsweise den Ablauf des allgemeinen Studiums, Examenszeiträume sowie Deadlines und Richtlinien für die Anfertigung der Dissertation. Sehr positiv fand ich, dass jeder Professor einen kurzen Überblick über seinen Kurs gab und die Studenten erst nach diesem Zeitpunkt ihre Kurswahl festlegen mussten. Die Art und Weise, wie die Professoren ihre Vorträge gehalten haben, hat bei dem Angebot von 103 Kursen sehr geholfen.

Der Unialltag war sehr spannend und die Kurse sehr praxisnah. Zur Vorbereitung jeder einzelnen Stunde wurde eine „Reading List“ veröffentlicht. Um der Vorlesung folgen und an der späteren Diskussion aktiv teilnehmen zu können, mussten Fälle, Buchkapitel oder Aufsätze gelesen werden. Dies stellte oft einen großen Zeitaufwand dar. Ungewöhnlich war zu Anfang auch das Schreiben von Essays. Anders als in Deutschland sind Fallklausuren in England eher unüblich. Um internationalen Studenten zu helfen, hat das UCL einen zusätzlichen Kurs hierzu angeboten.

Das Jahr endete nach den Klausuren mit einer 12.000 Wörter langen Dissertation, deren Thema man sich selbst aussuchen kann und für die man bereits während des Jahres Recherchen anstellen soll. Einen Betreuer bekommt man hierfür zur Seite gestellt.


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