LL.M. an der Université de Luxembourg 2016

Erfahrungsbericht von Antoine de Chantérac; Jurist, Commission de Surveillance du Secteur Financier


International Banking and Financial Law im Herzen Europas

Ein LL.M. an der Université du Luxembourg bietet die einmalige Gelegenheit, sich im europäischen Umfeld von international renommierten Professoren und Praktikern eines der bedeutendsten Finanzstandorte der EU ausbilden zu lassen. Obwohl es sich bei Luxemburg um das kleinste Nachbarland Deutschlands handelt, ist aufgrund seines Finanzplatzes und seiner besonderen Rolle innerhalb Europas das Umfeld sehr international. Dies spiegelt sich sowohl in der Ausbildung als auch in den Kommilitonen wider, die aus allen Teilen der Welt stammen.


== Wahl des Zeitpunkts (vor dem Ersten Staatsexamen) und des Master ==s Derzeit wird wiederholt über die Sinnhaftigkeit der Beibehaltung des deutschen Juristischen Staatsexamens diskutiert. Ohne hierfür eine allgemeingültige Antwort formulieren zu wollen, soll der folgende Erfahrungsbericht aufzeigen, dass ein Master-Studium vor dem Ersten Juristischen Staatsexamen für manche eine Alternative darstellen kann.

Zunächst habe ich in Saarbrücken Deutsches und Französisches Recht am Centre Juridique Franco-Allemand studiert. Dank dieser von der Deutsch-Französischen Hochschule unterstützten Ausbildung erhielt ich eine Licence en Droit. Während meiner anschließenden Examensvorbereitung sehnte ich mich nach neuen Erfahrungen. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass sich meine Freischussfrist durch das Studium eines ausländischen Rechtssystems um den entsprechenden Zeitraum nach hinten verschieben würde, begab ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Master, der meine Bedürfnisse nach Internationalität und akademischer Herausforderung berücksichtigt.

Durch die Erfahrungsberichte ehemaliger Stipendiaten von e-fellows.net und Kommilitonen, die den Weg nach Luxemburg gewählt haben, wurde ich auf das Großherzogtum aufmerksam, das trotz seiner geringen Größe, oder gerade deshalb, ein hohes Maß an Potential bietet. Die günstigen Rahmenbedingungen in Luxemburg fördern vor allem die Ansiedlung von Banken, Investmentfonds und Versicherungen und infolgedessen auch eine entsprechende akademische Ausbildung. Diese Vorzüge im Hinterkopf, entschied ich, mich für das einjährige Masterprogramm mit Spezialisierung im internationalen und europäischen Banken und Finanzrecht zu bewerben. Mein bilingualer Hintergrund sowie meine Erfahrungen in zwei verschiedenen Rechtsgebieten waren für die Zulassung von entscheidender Bedeutung.


Zulassungsbedingungen und Auswahlverfahren

Das Studium kann man entweder in einem Jahr (mindestens 240 ECTS als Vorleistung) oder in zwei Jahren (mindestens 140 ECTS als Vorleistung) abschließen. Aufgrund seiner Kürze und Intensität ist das Auswahlverfahren für das einjährige Programm besonders streng. Von einer ungleich höheren Anzahl an Bewerbungen können lediglich 35 bis maximal 40 Studenten berücksichtigt werden. Erforderlich ist die Beherrschung der zwei Unterrichtssprachen, Englisch und Französisch, wobei Luxemburgisch für das Studium keine Rolle spielt. Zwar sind Noten von Bedeutung, doch wird zudem gerade darauf Wert gelegt, sich in einem internationalen Umfeld möglichst sicher und problemlos bewegen zu können.

Das Studium

Zu Beginn des Studiums werden etwa 35 Kandidaten aus dem EU-In- und Ausland gemeinsam unterrichtet. Für das zweite Semester muss jeder Kandidat eine weitere Spezialisierung wählen (allg. Banken- und Finanzrecht/spez. Investmentfondsrecht). Je nach Nachfrage werden die Kandidaten gleichmäßig auf die Teil-Studiengänge verteilt. Ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen ist es empfehlenswert, zunächst das Ende des ersten Semesters abzuwarten und seine Stärken und Schwächen sowie seine Vorlieben abzuwägen. Im ersten Semester werden vor allem die theoretischen Grundlagen vermittelt. Das zweite Semester besteht maßgeblich aus praktischen Fallstudien, die von Experten der zahlreichen Kanzleien und Unternehmen des Finanzplatzes geleitet werden. Dies ist auch die passende Gelegenheit, Kontakte für das Berufsleben zu knüpfen.


Fazit

Aus meiner Sicht waren gerade der Kontakt mit meinen Kommilitonen aus aller Welt und die regelmäßigen Gruppenarbeiten, die uns über unsere rechtskulturellen Unterschiede hinweg zusammenschweißten, besonders spannend. Zudem haben sich meine Englischkenntnisse in dieser Zeit erheblich verbessert, wird einem doch im deutschen Jurastudium kaum Englisch abverlangt. Der LL.M. ist in der Finanzwelt gerade auch wegen seiner Spezialisierung besonders gefragt. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass man bereits im Laufe des Studiums Angebote für Praktika oder gar Anstellungen in Großkanzleien erhält. Dementsprechend hoch sind die Einstellungsquoten im Anschluss an das Master-Studium. Einige Kanzleien finanzieren gar die luxemburgische Anwaltsausbildung. Die Kostenfrage ist für die Studienentscheidung im Übrigen nicht unbedeutend, obwohl sich die Gebühren lediglich auf den normalen Studienbeitrag von 200 Euro belaufen. Zudem sollte man nämlich die gerade in Luxemburg nicht unerheblichen Lebenshaltungskosten berücksichtigen. Ich persönlich habe mich letztlich dazu entschieden, die Möglichkeiten eines solchen Abschlusses zu nutzen, um zunächst Erfahrungen im EU-Ausland zu sammeln und meine neuen Erkenntnisse aus diesem Studium in der Praxis umzusetzen. Genau das habe ich durch dieses Studium erreicht. Eine Rückkehr in das deutsche System kann ich mir zum derzeitigen Zeitpunkt jedenfalls nicht vorstellen.



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