LL.M. an der Université de Luxembourg

Erfahrungsbericht von Martin Eduard Debusmann

Überblick und Ausgangslage

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Europa studieren, wo die Praktiker sind – in Luxemburg Mit der Wahl, meinen LL.M. in Luxemburg zu machen, habe ich mich nicht nur für ein bilinguales Studium auf Englisch (30%) und Französisch (70%) entschieden, sondern auch für eine praxisnahe Ausbildung im europäischen Recht – und das an einem der wichtigsten Plätze der Europäischen Union: Luxemburg ist Sitz der Europäischen Gerichtshöfe EuGH, EuG und des EU-Beamtengerichts sowie des EFTA-Gerichtshofs, des EU-Rechnungshofs, Teilen der EU-Kommission und des EU-Parlaments und gilt zudem als zweitwichtigster Fonds-Platz der Welt.

Vertiefung im europäischen Bank- und Finanz-, Straf- oder Prozessrecht Besonders interessant war für mich das Angebot, von den örtlich tätigen Praktikern aus den EU-Institutionen und der Finanzwelt unterrichtet zu werden und somit eine problemorientierte Schulung zu erhalten. Das wahlweise ein- oder zweijährige Programm in Kleingruppen ermöglicht nämlich neben der Option „General European Law“ Spezialisierungen im Europäischen Bank- und Finanzrecht, im Europäischen (Wirtschafts-) Strafrecht oder im Europäischen Prozessrecht und nutzt somit die Standortvorteile der räumlichen Nähe zu den wichtigsten europäischen Akteuren. Deren übervolle Terminpläne waren zwar immer wieder eine Herausforderung für den Stundenplan, aber ihr lebensnaher Erfahrungswert ließ mich das schnell wieder vergessen. Zu meinen Dozenten zählten darüber hinaus auch zahlreiche Gastprofessoren aus namhaften Universitäten weltweit. Überhaupt ist das Universitätsleben sehr international: Ich habe in einem Klassenverband zusammen mit 17 Kommilitonen aus 12 verschiedenen Ländern studiert. Den Wert dieser Vielfalt haben wir vor allem in unseren fallbezogenen Seminaren kennengelernt, in denen wir zu einer bestmöglichen Lösung auch immer wieder die unterschiedlichen landesspezifischen Rechtsverständnisse mit unseren Kommilitonen diskutieren mussten.

Je nach Spezialisierung sind die beiden letzten Studiensemester unterschiedlich strukturiert: Im Bank- und Finanzrecht, das ich besucht habe, folgt auf ein theoretisches Semester ein Case-Study-Semester. Die beiden anderen Spezialisierungen beinhalten beispielsweise wahlweise ein mehrmonatiges Praktikum (z. B. im EuGH) oder (nur!) ersatzweise eine Masterarbeit. Ich fand es wesentlich spannender, (anders als an anderen Universitäten) keine Masterarbeit schreiben zu müssen, sondern stattdessen praktische Erfahrungen gewinnen zu können.

Der Einstieg: drei- bzw. vierjähriges Jurastudium

Wer einen juristischen Bachelor-Abschluss besitzt oder ein ähnliches dreijähriges Studium absolviert hat, beginnt im ersten Jahr mit Internationalem, Vergleichendem und Europäischem Recht. Nach einem vierjährigen Jurastudium (240 ECTS) kann man direkt ins zweite Jahr einsteigen – also auch ohne vorherigen Abschluss, wenngleich nur die besten Bewerber zugelassen werden. Diese Chance habe ich genutzt, um vor meinem Ersten Staatsexamen parallel zum Erwerb eines LL.M.-Titels das im deutschen Studium vernachlässigte Europarecht intensiver kennenzulernen, ist es doch eine wichtige Quelle für nationales Recht und damit relevant für das Examen. Ich empfehle eine frühzeitige Bewerbung, da die Plätze zu verschiedenen Zeitpunkten vergeben werden und späte Einsendungen einer stärkeren Konkurrenz gegenüberstehen.

(K)eine Frage des Geldes

Das LL.M.-Studium in Luxemburg ist trotz seines umfangreichen und überzeugenden Angebots mit 100 Euro pro Semester beinahe kostenfrei. Dieser Aspekt war für mich durchaus relevant, verlangen ähnliche Programme doch häufig eine Gebühr von mehreren Tausend Euro. Dafür sind die Lebenshaltungskosten in der Stadt sehr hoch: Selbst WG-Zimmer in den universitären Studentenwohnheimen als eine der günstigsten Wohnmöglichkeiten kosten monatlich etwa 350 Euro und sind aufgrund der überwältigenden Nachfrage nur schwer zu bekommen. Wer nicht wie ich das Glück hat, bei Freunden unterzukommen, wohnt oftmals auf dem Land oder in grenznahen Regionen der Nachbarländer, wo das Wohnungsangebot günstiger ist. Das beschneidet dann aber oft das abendliche Studentenleben. Die Universität ist jedoch sehr bemüht, alle ihre Studenten adäquat unterzubringen. Staatliche Stipendien gibt es für Luxemburger und Studenten von außerhalb der EU.

Und danach?

Die praxisnahe europarechtliche Ausbildung ermöglicht eine gute Startposition für den Einstieg in verschiedenen europäischen Institutionen. Der LL.M. qualifiziert sowohl für ein Doktorat, für das ich mich in Deutschland entschieden habe, als auch für das CCDL-Programm, das Luxemburger Referendariat. Durch die im Studium (und ggf. im Praktikum) geknüpften persönlichen Kontakte zu den Dozenten aus der Praxis wird der berufliche Einstieg nach dem Studium zudem erleichtert.

Fazit

Das LL.M.-Studium in Luxemburg empfehle ich denjenigen, die sich in einer internationalen Atmosphäre in gleich zwei Fremdsprachen (Englisch und Französisch) erproben wollen und eine praxisnahe Spezialisierung im Europarecht (Bank- und Finanzrecht, Strafrecht oder Prozessrecht) anstreben.