LL.M. an der Universität Rostock

Erfahrungsbericht von Johannes Goldbecher


Master-Programm Internationales Wirtschaftsrecht an der Uni Rostock

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Der Bericht erfasst meine Erfahrungen vom Anfang des Programms im Oktober 2007 bis zu seinem Ende im September 2008.

Für mein Master-Studium an der Universität Rostock habe ich mich ganz kurzfristig entschieden. Als Doktorand am Lehrstuhl von Prof. Dr. Wilfried Erbguth an der Uni Rostock hatte ich vor allem auf dem Gebiet des Öffentlichen Rechts zu tun, weshalb ein eher zivilrechtlich geprägtes Aufbaustudium nicht unbedingt nahelag. Da ich aber bereits im Studium ein besonderes Faible für gewerblichen Rechtsschutz hatte, stach mir der Aushang in meiner „Heimat-Fakultät“ sofort ins Auge: Der Master „Internationales Wirtschaftsrecht“ in nur einem Jahr – bei Studiengebühren von nur 90 Euro pro Semester, und das inklusive Semesterticket. Zuvor hatte ich in der Tat keinen Gedanken an ein Master-Studium verschwendet. Nachdem ich aber durch das Plakat quasi mit der Nase darauf gestoßen worden war, wuchs dieser Gedanke mehr und mehr in mir. Sehr einfach machte mir die Entscheidung die Vorstellung, dass ich das Programm als Ortsansässiger „im Vorbeigehen“ absolvieren könnte; immerhin fanden viele Veranstaltungen ja in benachbarten Räumen statt. Zumindest dachte ich das am Anfang; ein Irrtum, wie sich später herausstellen sollte. Jedenfalls war es von Beginn an meine Idee, den Master-Titel neben meiner Promotion zu erwerben. Da ich bereits im Studium viele der Vorlesungen besucht hatte, die jetzt modularisiert angeboten wurden, ging ich davon aus, einige Teilprüfungen ohne großen Lernaufwand bestehen zu können und mich lediglich auf den wirtschaftlichen Schwerpunkt besonders vorbereiten zu müssen. Sehr schnell musste ich jedoch erkennen, dass der Prüfungsumfang gegenüber den Prüfungen im Studium deutlich angewachsen war. Schon nach der ersten Teilprüfung war ich gezwungen, einzusehen, dass der Erwerb eines Master- Titels volle Konzentration verlangt und sich als Anhängsel eines Promotionsstudiums nur schwer verwirklichen lässt. Nunmehr bereits mittendrin steckend, zog ich das Master- Studium dann aber trotzdem durch und beendete es erfolgreich. Meine Promotion musste ich in dieser Zeit allerdings ungeplanterweise unterbrechen.

Alles in allem würde ich durchaus sagen, dass bei der Wahl dieses LL.M.-Programms finanzielle Gründe eine Rolle spielten. Zumindest waren die im Vergleich zu LL.M.-Programmen in Übersee beinahe nicht vorhandenen Studiengebühren ein wichtiger Faktor, warum ich überhaupt ein Master-Studium begonnen habe. Dies ging im Übrigen auch vielen meiner Kommilitonen so. Bei mir kam aber wie bereits gesagt noch der Irrglaube hinzu, dass es sich dabei um ein LL.M.-Programm handeln würde, das ich locker neben meiner Promotion absolvieren könnte. Das sehe ich heute nicht mehr so.

Meine Lebenshaltung in dieser Zeit habe ich über die Doktorandenstelle an der Universität Rostock finanziert. Die anfallenden Lebenshaltungskosten gestalten sich in Rostock eher durchschnittlich und sind mit einer Stelle an der Universität sehr gut zu bestreiten. Meine Kommilitonen haben sich oftmals mit Teilzeitjobs bei Rechtsanwälten oder Wirtschaftsbetrieben finanziert. Zeitlichen Vorlauf benötigten diese Jobs in aller Regel nicht. Das heißt, es genügt, wenn man sich vor Ort um einen Nebenjob bemüht, da ausreichend Stellen für studentische/wissenschaftliche Mitarbeiter in den Kanzleien und Wirtschaftsbetrieben in Rostock und Umgebung offen sind. Kontakte über Social Networks wie die e-fellows.net community helfen hier übrigens.

Bei der Frage, ob sich mein LL.M.-Studium in Sachen Karriere gelohnt hat bzw. ob es sich lohnen wird, muss ich an eine Recruiting-Veranstaltung kurz vor Abschluss des Programms zurückdenken. Dort teilte ein Vertreter einer führenden international agierenden Kanzlei mit, man suche vor allem Absolventen von LL.M.-Programmen aus England oder Amerika. Bereits ein LL.M.-Studium in Neuseeland, immerhin eine Option wegen der im Vergleich zu den vorgenannten Ländern erheblich geringeren Studiengebühren, würde bisweilen eher als Spaßstudium aufgefasst werden. Der Grund, warum vor allem deutsche LL.M.-Programme nicht konkurrieren könnten, sei vor allem die nicht vorhandene englische Sprachpraxis. Dies könne durch die in Deutschland zumeist fundiertere Sachausbildung nur zum Teil aufgewogen werden. Als Absolvent eines deutschen LL.M.-Programms halte ich dieses Argument – natürlich – für zu kurz gedacht. Kombiniert mit einer auf die Kenntnisse eines international orientierten Master-Programms gestützten Referendarstation im englischsprachigen Ausland dürfte ein in Deutschland erworbener LL.M. von ebensolchem Wert sein. Ich jedenfalls halte das an der Universität Rostock angebotene LL.M.-Programm insbesondere hinsichtlich des Gewerblichen Rechtsschutzes für sehr hochwertig. Von daher würde ich mich auch jederzeit wieder für dieses Programm entscheiden.