LL.M. an der Universität Halle/Wittenberg 2016

Erfahrungsbericht von Frank Zeugner; Wissenschaftlicher Mitarbeiter Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


Studieren in Ost und Fernost

Rio, Sydney, New York, Tokio, London, Schanghai oder Paris sind typische große Städte für ein international ausgerichtetes Leben und Studium. In dieser Liste kommt Halle (Saale) normalerweise nicht vor. Selbstverständlich sind erstere Städte an immensen Eindrücken kaum zu übertreffen – wenn man Megastädte mag.

Der Master of Business Law and Economic Law/Wirtschaftsrecht (LL.M. oec.) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg macht jedoch auch ein Studium in einer kleinerenGroßstadt im Inland sehr interessant. Das Master-Studium im Wirtschaftsrecht in Halle istideal, um die interdisziplinäre Verbindung von Wirtschaft und Recht verstehen zu lernen. Wer dabei dennoch Fernweh hat, dem sei während des Masters ein Auslandsaufenthalt an unserer Partneruniversität in Fernost (China) empfohlen. Internationalität und verschiedene Möglichkeiten der Schwerpunktsetzung machen einen Abschluss dieses deutschen Master-Programms für deutsche und europäische Interessierte attraktiv.


Gründe für die Wahl des LL.M.-Programms

Eine Besonderheit des LL.M.-Programms liegt im frühzeitigen Beginn. Als Student der Rechtswissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konnte ich mich bereits während meines Grundstudiums für den Master bewerben und nach erfolgter Aufnahme bei vorläufiger Zulassung entsprechende Kurse absolvieren, ohne zusätzliche Studiengebühren zahlen zu müssen. Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester werden erst fällig, wenn die Erste Juristische Prüfung bestanden wurde. Wer die Zwischenprüfung, die „großen Scheine“ oder später die Erste Juristische Prüfung mit mindestens „vollbefriedigend“ absolviert hat, gehört im Regelfall zur Zielgruppe des Zweitstudiums. Das LL.M.-Programm zeichnet sich durch vielfältige Gestaltungsoptionen aus, die das Studium sehr abwechslungsreich machen. Das Vorlesungsangebot im rechtswissenschaftlichen wie auch im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich ist breit gefächert. Eine individuelle Spezialisierung des Curriculums ist möglich und erwünscht. Ich habe mich mehrheitlich auf mein Interessengebiet des Internationalen Wirtschaftsrechts und des Rechts des geistigen Eigentums in Kombination mit Fragen der Informationstechnologie konzentriert. Ein weiterer großer Vorteil liegt in der Infrastruktur der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg selbst, die mit ihrer modernen Ausstattung punkten kann und mir somit das Studium erleichterte. Das absolute Highlight war für mich der Aufenthalt an unserer Partneruniversität, der Southwest University of Political Science and Law (SWUPL), in Chongqing, China. Chongqing? Vielen Europäern mag dieser Name unbekannt sein. Tatsächlich ist die Stadt im Südwesten Chinas gigantisch groß und im Aufschwung begriffen. 32 Millionen Einwohner, die ungefähre Fläche des Staats Österreich und das stärkste Wachstum in ganz China: Bei Chongqing handelt es sich um eine Mega-City. In Asien ist diese Stadt schon in einem Maße bekannt wie für uns Europäer nur Peking, Schanghai oder Hongkong. In Europa ist der Name „Chongqing“ noch nicht angekommen und gilt möglicherweise noch als Geheimtipp – so auch für mich. Nachdem ich für ein DAAD-Vollstipendium ausgewählt wurde, war der Aufenthalt an der Partneruniversität für mich zudem mit keinen eigenen Kosten verbunden.


Was hat mir der LL.M. gebracht?

Der LL.M. hat sich für mich in vielerlei Hinsicht gelohnt. Zum einen ist er eine Zusatzqualifikation, die ich neben dem Studium der Rechtswissenschaft erhielt. Ich konnte verstärkt internationale Bereiche kennenlernen. Neben den Vorlesungen gab mir der Master viele praxisnahe Bezüge. Speziell die kleineren Veranstaltungen, wie die Teilnahme an einem Moot Court oder ein Kurs zur internationalen Verhandlungsführung, erwiesen sich als die lehrreichsten, da sie verstärkt Einblicke in anwaltliche und rechtsberatende Tätigkeiten gaben. Nicht zuletzt gehörten auch die sogenannten Praktikerseminare, die jedes Semester angeboten werden, zu den Höhepunkten. Dort leiten in der Regel Partner von sehr renommierten internationalen Großkanzleien die Veranstaltungen und es werden aktuelle rechtliche Themen in kleineren Gruppen ausgearbeitet und diskutiert. Frühzeitige Kontakte zur Kanzleiwelt wurden mir dadurch von Anfang an ermöglicht.

Der Austausch mit der SWUPL in China war für mich die aufregendste und tollste Zeit im Master-Programm. Mit viel Neugier bin ich nach China gegangen, habe dieses Land während des Austauschs lieb gewonnen und mich von seiner eigenen Art faszinieren lassen. Gelehrt wurde auf Englisch. Neben einem Mandarin-Sprachkurs, in dem ich das Hochchinesich kennenlernte, gab es Vorlesungen für viele Interessenbereiche, zum Beispiel Internationales Wettbewerbsrecht, Internationales Recht des geistigen Eigentums, Chinesisches Recht der Vergangenheit und Neuzeit, Chinesisches Arbeitsrecht, Chinesische Kultur oder Internationale Verhandlungen. Zudem kann man wirtschaftswissenschaftliche Fächer studieren. Ein großes Plus ist, dass ich mir alle in China absolvierten Kurse für den Master hier in Deutschland anrechnen lassen konnte und somit die sprichwörtlichen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen habe. Insgesamt bot mir der Master viel Internationalität. Auch wenn Halle (Saale) nicht New York oder Sydney ist, lohnt es sich, hier zu studieren.


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