LL.M. an der Universität Halle/Wittenberg

Erfahrungsbericht von Julia Maria Eichler, Rechtsreferendarin, 2014

Unterricht am Krankenbett: Master in Medizin-Ethik-Recht

MER statt LL.M.? Ethik und Medizin statt Wirtschaftsrecht? Halle/Saale statt Ausland? Ein Studium mit Theologen, Medizinern und Philosophen?

Ich selbst habe das etwas andere Master-Studium gewagt und „Medizin-Ethik-Recht“ an der Martin-Luther-Universität in Halle studiert. Medizinrecht, Pflegerecht, Sozialrecht, Pharmaund Arzthaftungsrecht, Verfassungs- und Gesundheitsrecht – das Spektrum ist groß und abwechslungsreich, die Relevanz des Medizinrechts steigend, die Berufsperspektiven sind gut. All das waren für mich Gründe, mich für einen Master im Medizinrecht zu entscheiden. Die Gegebenheiten, die diesen Abschluss zu etwas Besonderen machen, sind jedoch andere.

Schon einmal mit einem Philosophen über Jura diskutiert?

Ein Grund, warum ich mich jederzeit wieder für diesen Master-Studiengang entscheiden würde, ist dessen Interdisziplinarität. Neben Juristen entscheiden sich in erster Linie Mediziner, Philosophen und Theologen für „MER“. Im Grundmodul betritt jeder Student Neuland. Juristen besuchen Vorlesungen zu den Prinzipien der Ethik und zur Pathologie, während Mediziner und Philosophen an juristische Themen herangeführt werden.

Und dann? Dann geht das Diskutieren los. Was man dabei ziemlich schnell lernt: Juristen gehen naturgemäß auf ganz andere Weise an bestimmte Fragestellungen heran. Das Subsumieren und Definieren sind für Rechtswissenschaftler Grundpfeiler einer logischen Argumentation, während für Nichtjuristen ganz andere Argumentationslinien maßgeblich sind. Im Medizinrecht und Gesundheitswesen treten diese unterschiedlichen Ansätze noch mehr zu Tage als in anderen Bereichen. Als Jurist ist man dabei stets auf das Wissen anderer Disziplinen angewiesen. Denn die Probleme sind vielfältig und komplex. Wann ist eine Behandlung lege artis? Was ist medizinisch möglich und sinnvoll? Was ist ethisch vertretbar? Wie ist das alles juristisch lösbar?

Gemeinsam wird diskutiert, erklärt, nach Lösungen gesucht. Dabei entwickelt sich nicht nur das Gespür für die Probleme in den anderen Disziplinen weiter, sondern auch das Gefühl dafür, warum juristische Lösungen manchmal für Nichtjuristen so schwer zu erklären sind. Das alles passiert nicht nur abstrakt in der Vorlesung, sondern in Lehrveranstaltungen mit Praxisbezug wie „Case Studies – Unterricht am Krankenbett“. Im Pflichtpraktikum in einer medizinischen Einrichtung wird man direkt mit dem medizinischen Alltag konfrontiert.

Vielfältige Kurse – und vielfältige Teilnehmer

Der Master lässt einem die Freiheit, einen Schwerpunkt in den Wahlpflichtmodulen zu wählen. Ob man sich als Jurist in erster Linie darauf konzentriert, juristische Vorlesungen zu besuchen, oder die Möglichkeit nutzt, sich mit „Klinischer Psychologie“, „Bioethik“ oder doch mit „Praktischer Philosophie“ auseinanderzusetzen, bleibt einem selbst überlassen. Die Vielfalt zeigt sich auch in anderer Hinsicht: Unser Jahrgang umfasste ein Altersspektrum von 23 bis 65 Jahren. Auch dies ist ein Vorteil; ein Zahnarzt mit langjähriger Berufserfahrung weiß, wo die Probleme – auch in rechtlicher Hinsicht – im täglichen Praxisablauf liegen.

Qualität muss nicht teuer sein

Die Finanzierung war kein unüberwindbares Hindernis für mich. Bei einer Regelstudienzeit von zwei Semestern belaufen sich die Studiengebühren auf 300 Euro pro Semester. Die Vorlesungen sind in der Regel so gelegt, dass man ein bis zwei Tage voll arbeiten kann. Ich selbst war – wie viele meiner Kommilitonen – am Lehrstuhl beschäftigt. Einige haben nebenbei promoviert, bei einem Anwalt gearbeitet oder während der Master-Arbeit das Referendariat begonnen. Ein weiterer Vorteil des Masters: Hat man seine Pflichtfachprüfung abgelegt und mit mindestens neun Punkten bestanden, kann man parallel zum Schwerpunktstudium bereits den Master beginnen. Daneben hat die MLU einen hervorragenden Ruf in der juristischen Welt.

Wir sind MER!

Gemeinsames Essengehen, eine jährliche Weihnachtsfeier, das Sommersemester-Abschlussgrillen oder die feierliche Zeugnisübergabe – wir haben diesen Master gemeinsam studiert. Die Vorlesung verpasst oder etwas nicht verstanden? Kein Problem! Man hilft sich gegenseitig. Daneben lässt der Master auch viel Freiraum, sich selbst einzubringen. Ist der Wissensdurst zu einem Schwerpunkt noch nicht gestillt oder sind weitere Themen von Interesse, findet man im MER-Zentrum und bei den Professoren immer ein offenes Ohr.

Und danach?

Nach dem Studium bin ich dem Verein meris e.V. beigetreten, der von MER-Absolventen gegründet wurde und allen Alumni offen steht. Er gibt regelmäßig die Zeitschrift für Medizin- Ethik-Recht heraus. Ich selbst habe mich danach entschieden, meine Verwaltungsstation bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe zu absolvieren. Mein Wissen über Ethikkommissionen, die Arbeit mit Ärzten und deren Probleme im Alltag waren hier für mich ein klarer Vorteil.


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